X. Lebensabschluß, Tod, Begräbnis, Seelenpflege
Auch in der Gottschee kennt der Volksglaube Vorzeichen und das Anmelden eineskünftig eintretenden Todesfalles.„ Es meldet sich vorher oft an,' s oungemahn. Esschlagt auf eine Tür oder man hört eine Stimme rufen"( Masereben).„ Der Tod meldetsich an durch drei Klopfer beim Rosenkranzbeten im Advent. Und da hat die Groß-mutter gesagt, das war mein Tod. Und sie war noch ganz frisch und wir haben gelachtdarüber. Sie ist aber wirklich gestorben nach acht Tagen mit 54 Jahren"( Hohenegg).,, Wie die Großmutter gestorben ist, war ich 5 Jahre alt. Da habe ich eine dunkle Gestaltgesehen, die am Fenster gelehnt ist und hereingeschaut hat, die Unterarme hat sie auf-gelegt auf das Fensterbrett. Und ich habe gesagt, schaut's hinaus, und die anderen habengeschaut, aber nichts gesehen. Nachher ist sie gestorben"( Altlag).„ An Vorzeichen vordem Tod glauben sie immer noch. Ein Tischler sagt oft, morgen werden wir einen Sargmachen, es hat schon geklopft"( Verdreng).„ Gegen 20 Leute haben im Weinberg ge-arbeitet. Die Mutter hat ein weißgekleidetes kleines Mädel über die Straße gehen gesehenund hat es nicht gekannt. Und am Abend ist Schnee gekommen, sie haben nicht allenach Hause können und ein siebzehnjähriger Bub konnte nicht mehr heim und sie habenihn auf dem Platz gefunden, wo das Kind sich gezeigt hat. Es war am 27. April"( Buch-berg).
Neben diesen sehr bestimmten und vielfach auf tatsächliche Ereignisse bezogenenVorzeichen gab es natürlich auch noch mehr allgemeine. Z. B. galt es als Vorzeichen füreinen bald eintretenden Todesfall, wenn die Hunde heulen( Morobitz). W. Tschin-kel 197 kennt noch einige weitere. Z. B. daß Leute, die plötzlich wieder ohne Brillenlesen können, noch im gleichen Jahre sterben werden. Das gleiche Schicksal trifft den,der beim Ackern mit dem Pflug an eine der zur vorangegangenen Sonnenwende im Feldeaufgepflanzte Palmrute 198 stößt. Wirft ein Maulwurf einen Hügel unter einem Dacheauf, so stirbt jemand in diesem Hause. Der Analogieglaube ist durchsichtig.
Fühlt jemand den Tod herannahen, so ist es gebräuchlich, daß er- nachdem er mitden Sterbesakramenten versehen war- mit seinen Angehörigen den„ Johannessegen"trank. Ein Glas als geweiht geltenden Weines, das auch sonst vor einem Abschiednehmenoder einer großen Veränderung gebräuchlich war.„ Gahannaischshegn trinkt man, wenneiner zum Sterben ist. Der Sterbende trinkt etwas davon. Er sagt:, Der heilige Johannes-segen geh mit mir und bleib bei euch. Und dann trinken sie alle"( Altlag). Über denJohannessegen und die Lehren, die der Sterbende seinen Angehörigen gibt, berichtet auchHauffen( S. 87). Eine Sterbekerze, die dem Sterbenden entgegengehalten wird, sollihm das Hinübergehen erleichtern. Das ist allgemein üblich und spiegelt sich auch in ver-schiedenen Gottscheer Liedern. Tschinkel( S. 15) ergänzt, wer einmal mit den hei-ligen Sterbesakramenten versehen ist, soll nicht mehr an einem Tische essen, der nichtaufgedeckt ist.
Ist der Tod eingetreten, so nimmt man Handlungen vor, die auch in anderen Lan-den üblich sind. Man hält die Uhr an, kehrt den Spiegel um und öffnet ein Fenster,,, damit der Geist hinaus kann und nichts hängen bleibt"( Hohenegg). In Steinwand sagte
136
107 W. Tschinkel, Gottscheer Volkstum, S. 14 f.198 Ebd.