Kind, gerade so, wie Sie Ihren Sohn lieben, sollen Sie auch mich lieben." Der Brautvaterüberreicht ihr mit dem Hausschlüssel symbolisch die neue Aufgabe. Die Mutter umarmtund küßt die junge Frau und wartet ihr mit einem Glase Wein auf, in das sie ein Gold-stück hatte fallen lassen, und beide trinken nun aus dem Glase. Auch hier also wiederdas Vollziehen des neuen Bundes durch zeremonielles Trinken. Zum Zeichen der neuenHausgewalt überreichten sie ihr früher auch ein Küchengerät. Die Schwiegermutter segnetdie Braut auch und spricht:„ Gott gebe dir Glück und Segen in allem, was du beginnenwirst." Außer mit dem Glase Wein wurde die junge Frau auch noch mit einem Laib Brotwillkommen geheißen, den sie nahm, ins Haus trug und auf den Tisch legte.
In ihr neues Heim darf die Braut aber nicht auf die gewöhnliche Weise treten. Siewird über die Schwelle gehoben. Davon habe ich Berichte aus über 20 Orten. 180 Vielfachmachen das die Brautführer in der Art des ,, Engerltragens". Auch wo nicht getragenwurde, mußte sie zumindest die Schwelle übersteigen und nicht auf sie treten. Vereinzeltist die Nachricht, daß die Braut auch beim Verlassen des Heimathauses über die Schwellegehoben wurde( Ebenthal) oder nach der Trauung beim Verlassen der Kirche( Mer-leinsraut).
Die Türschwelle als Grenze zwischen dem Innen und Außen des engeren Lebens-raumes hat seit alters besondere Bedeutung. 181 Verstärkt wird ihre Rolle als Trennendesdadurch, daß sie nach dem Volksglauben ebenso wie der Herd auch Geistersitz war. Dasmag aus Vorzeitbräuchen kommen, Tote im Hause oder unter der Schwelle zu begraben,wie dies u. a. aus dem antiken Griechenland bezeugt ist. Auch einige Andeutungen ausdem germanischen Altertum liegen vor. Wenn es die Geister der Vorfahren sind, die hierhausend gedacht wurden, läßt sich leicht verstehen, daß ihr Ort beim endgültigen Ver-lassen des alten und beim Einzug in ein neues Heim durch Brauchhandlungen berück-sichtigt wurde. Eine dieser Handlungen ist es offenbar, daß man über diese von verbor-genen Kräften trächtige Stelle hereingebracht werden mußte, ohne durch eigenen Tritteinzudringen. Das reicht weit zurück. Schon im antiken Rom durfte die Braut, wenn sieam Hochzeitstage in das Haus des Gatten geführt wurde, die Schwelle nicht betreten,sondern mußte darübergetragen werden. Allerdings ist es meist nicht der Bräutigamselbst, der trägt. Das gilt für den Großteil des sehr weiten Verbreitungsgebietes. Denndas Heben der Braut über die Schwelle treffen wir in Schlesien, in der Altmark, inBrandenburg, Lothringen, der französischen Schweiz, Frankreich, Wales, Lincolnshire,Schottland, in Slavonien, bei den Neugriechen, Esten, in Rußland, Palästina, Indien,Java, China und Afrika. Man könnte fast von einem Menschheitsgedanken sprechen. 182
180 Ebenthal( die Brautführer heben die Braut über die Schwelle sowohl beim Verlassen desHeimathauses wie beim Betreten des neuen Heimes), Grafenfeld, Rieg, Ober Gras( Hineintragendurch den Bräutigam), Tschermoschnitz, Stockendorf, Warmberg, Komutzen( in beiden Ortendurch die Nochtrattara), Langenton, Steinwand, Stockendorf, Tappelwerch, Gehag bei Tscher-moschnitz( durch den Brautführer) Mairle( durch Staraschiner und Bräutigam), Graflinden( über die Schwelle heben, zumindest nicht darauftreten, sondern darübersteigen), Prerigl, Reichen-au, Altlag; in Römergrund mußte die junge Frau mit dem linken Fuß die Schwelle übersteigen.
181 E. Samter, Geburt, Hochzeit und Tod, Beiträge zur vergleichenden Volkskunde,Leipzig und Berlin 1911, S. 136 ff.; Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, hrsg. v. E.Hoffmann- Krayer und H. B. Stäubli, Bd. VII, Berlin 1935/36, Artikel„ Schwelle",Sp. 1509-1543 von L. Weiser- Aall und die dort angeführte Literatur.
182 E. Schneeweis, Grundriß des Volksglaubens und Volksbrauchs der Serbokroaten,Celje 1935, vermerkt zum Schwellenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Schwellenbrauchtum bei der Hochzeit, S. 94, 98 und 104, daß dieBraut bei den Serbokroaten beim Verlassen des Vaterhauses nicht mit dem Fuß an die Schwellestoßen soll. Auch beim Eintritt oder Verlassen der Kirche soll sie nicht auf die Schwelle treten,damit ihr nicht etwa böser Zauber schade. An der kroatischen Küste war bekannt, daß die ver-lassene Geliebte drei Nägel in die Kirchenschwelle schlug, um Ehezwist hervorzurufen. EineVerehrung der Hausgeister stellt es jedoch dar, wenn die Braut die Schwelle des neuen Heimesküßt und auf ihr einige Münzen niederlegt.
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