und herbeigesungen werden mußte. Im Text wurde der genannt, der eben an der Reihewar, zuerst der Bräutigamsvater:
,, Züa, lei züa, Bräutigamswutr,Sani, sani dei,
bear nicht hat der wlai( fliehe)."
Entweder war ein Teller aufgestellt mit einem Tuch darüber, unter das der jeweilsGerufene den gespendeten Geldbetrag steckte. Die andere, altertümlichere Form war eingroßes, in der Mitte ausgehöhltes Brot, in dessen Mitte man legte, was man darbringenwollte. Das Geld aus der Brotgrube wurde dann in eine Serviette geschüttet und das Brotzerteilt. Jeder der Anwesenden mußte ein Stück davon essen( Altlag, Göttenitz, Moro-bitz). Im letztgenannten Ort hieß es, das sei gut gegen das ,, Stachita"( Seitenstechen). Essoll auch vorgekommen sein, daß man das Brot an die Haustiere verfütterte. Das kom-munionsartige Verzehren des Hochzeitsbrotes durch alle Anwesenden ist eine alteHandlung. Bei einer Hochzeit, die ich 1930 in Hochwiesen in der Kremnitz- ProbnerSprachinsel miterlebte, bestanden die Gaben der Nachbarn aus großen Gebildbroten, aufdenen alle heiligen Zeichen waren. Vor dem Beginn des Mahles betete der Hausvater,brach dann die Brote, jeder erhielt ein Stück und mußte es verzehren. Das feierliche undbedeutsame der Handlung war hier sehr klar. Eine Andeutung davon, daß auch in derGottschee solche Untertöne mitschwangen, kann man auch aus dem Brauch in Mairleherauslesen. Dort wurde das Seidentüchl, das beim Barfn über dem Teller lag, aufge-hoben und in Ehren gehalten.
Der Staraschiner leitete das„, Barfn" mit einer kleinen Rede ein, daß die jungenLeute bauen oder einen Baum pflanzen wollen und das Nötige brauchen. Da müßten allezusammenhelfen. Beim Spenden ging es oft scherzhaft zu, einer gab nur eine ganz kleineSumme, dann sangen sie, er hat noch ein krummes Nägerle( Finger), d. h. noch etwasin Reserve, und dann kommt das Weitere; so dauert es oft ziemlich lange. Im SuchenerHochtal gingen Bräutigam und Braut jeder für sich, die Gaben in Empfang zu nehmen.Der Bräutigam bekam Geld, die Braut meist die Sachspenden. Jedem Geber wurde miteinem gesüßten Wein zugetrunken und er wurde geküẞt.
Auch das Verdienst von Hochzeitshelfern wurde belohnt. Der Musikant erhielt denLöwenanteil. Aber auch die Köchin erschien nicht selten. Es wurde erklärt, sie ist gänz-lich abgebrannt und jeder legt etwas in den aufgehaltenen Schöpflöffel der Köchin( Rieg,Mösel). Dazu muß man bedenken, daß das Bereiten des Hochzeitsessens eine große Leistungwar. Zumal in einer Zeit ohne moderne Behelfe, wo vielfach noch bei offenem Feuer ge-kocht werden mußte und der große Backofen für Backen und Braten angeheizt wurde.
7. Im neuen Heim, Ausklang
Fand die Hochzeit im Gasthaus oder im Brauthaus statt, so folgte dem dortigenFeiern der Zug in das neue Heim der jungen Frau, wobei die Anwesenden dem Brautpaardas Geleit gaben. Dortselbst fand noch eine abschließende, ganz wichtige Handlung statt,das ,, Inpatn"( Hineinbitten), d. h. die Aufnahme in den neuen Lebenskreis. Suchen hathier wieder Besonderheiten. Wenn die Braut von weiter her war und der Wagen vor derTüre des neuen Hauses hielt, warf sie den Polster vor das Haus, stieg dann erst ab undging hinein. Üblicherweise war auch hier die Türe des Hauses verschlossen und es ent-wickelte sich wieder ein Anklopf- und Fragespiel wie beim Abholen der Braut aus ihremHeim. Die Schilderungen sind hier allerdings nicht ganz eindeutig. Es wird aber auchgefragt, wer da ist und was man will? ,, Eine Unterkunft. Nehmet mich in Euer Hausauf, ich will eine brave Tochter sein." Dann geht die Türe auf und die Eltern des Bräuti-gams empfangen sie als die neue Bäuerin. Sie bittet: ,, Mutter, nehmt mich an als Euer
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