Druckschrift 
Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

einem Blech auf dem Kopf getragenen Schafen. In der gesamten Literatur über die Gott-schee übrigens noch nirgends erwähnt. Ein gewisses slowenisches Superstrat ist in diesemwestlichen Grenzland der Gottschee auch merkbar, siehe das slowenische Lied beimKranzabnehmen am Ende der Hochzeit.

Verfolgen wir nunmehr die Einzelzüge im Hochzeitsablauf im zusammenfassendenVergleich.

3. Werben( ,, Barwn") und Vorbereitungen

-

-

In seinem grundlegenden Buch über die Gottschee bemerkt A. Hauffen( S. 78 f.),daß man dort früher in sehr jungen Jahren heiratete die Mädchen mit 14, die Bur-schen mit 18 Jahren zum Teil um vom Militärdienst loszukommen. Am Beginn unseresJahrhunderts entsprach das Heiratsalter unseren Gepflogenheiten, 20 Jahre für dieMädchen, 24 für die Burschen. In besitzlosen Kreisen waren es meist Liebesheiraten, beireichen Bauern spielten auch Erwägungen über die Besitzverhältnisse eine Rolle. Ge-wöhnlich vereinbarten da die Eltern die Ehe, die aber auch in der Regel glücklich undrechtschaffen wurde.

Der Heiratsumkreis erstreckte sich gerne über das eigene Dorf hinaus., Hairotnibrs Lont, Gevatterlaite ibr de Bont"( Wand, d. h. Nachbarschaft), war ein Leitspruch.Das beiderseitige Kennenlernen war nicht immer leicht. Es konnte bei den Kirchtagenund Jahrmärkten erfolgen, zuweilen lenkte auch ein Vermittler die Aufmerksamkeit derEltern auf eine passende Verbindung.

Ehe es zu einer offiziellen Absprache kam, sondierte man gerne durch eine unver-dächtige Person, eine alte Frau oder eine Bettlerin, die in das Haus der Zukünftigengeschickt wurde. Sah alles erfolgversprechend aus, erfolgte die Werbung. Der Bräutigamkam in Begleitung seines Vaters und meist noch des einen oder anderen Helfers, etwaeines Paten, der bei den einleitenden witzigen Plänkeleien gut das Wort führen konnte.Vorsichtigerweise hatte man dem Brauthaus vorher schon eine Andeutung zukommenlassen, damit man dort nicht ganz unvorbereitet war.

Die anfängliche Verlegenheit, die bei einem solchen Besuch und seinen natürlichdamit verbundenen handfesten Verhandlungen leicht auftreten konnte, überspielte manin der ganzen Sprachinsel durch einleitende Scherzreden. Die Besucher fielen nicht mitder Türe ins Haus, sondern sie begannen zunächst über alles mögliche zu reden, beson-ders gern schützten sie einen Viehkauf vor. Was wollt ihr?" Wir wollen über Nachtbleiben. Wir haben gehört, ihr habt eine schöne Kälbitze zu verkaufen"( Masereben). Unddann entwickelte sich der Handel, der natürlich alsbald die Wendung vom vorgegebenenzum wirklichen Zweck nahm. Es wurde alles erwogen und die Mitgift abgemacht: Ja,ich werde das Meinige machen, sie bekommt so und so viel." ,, Noch a Kälbitze draufoder a gscheckate Kuah"( Grafenfeld). Man handelte nach dem Gottscheer Sprichwort:,, Was man erheiratet, braucht man nicht zu erschwitzen."

Die Tochter hatte sich während dieser ganzen Besprechungen versteckt, gerne aufdem Dachboden, und sie mußte gesucht und geholt werden. Die Brautleute gaben einan-der Handschlag und Kuß, es war auch ein Drangeld( ,, Drangald", Horre") üblich. Diekünftige Schwiegermutter erhielt ein Halstuch.

War die Werbung erfolgreich, so wurde dies gerne kundgetan. Es gab einige Böller-schüsse, wofür die Burschen ein Trinkgeld erhielten( Masereben) oder die Werberjauchzten zum Fenster hinaus. Ein stilles, aber von der Nachbarschaft fast ein wenigwie bei einer Papstwahl mit Spannung erwartetes Zeichen war es auch, wenn Rauch ausdem Schornstein aufstieg. Dann wurde nämlich festlich aufgekocht, um die Übereinkunftzu feiern. Da durften, Oirschnittlain" nicht fehlen, Brotschnitten, in Eier gelegt und inder Pfanne geröstet. Auch dem Wein wurde tüchtig zugesprochen.

109