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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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Neukatholisch

Ein Tanz, der in Österreich sowohl unter diesem Namen wie auch als Krebs-polka" vorkommt. 140 Der letztere Name stammt von der Rückwärtsbewegung, die darinvorkommt. Die Paare bewegen sich mit zwei großen Schritten oder Sprüngen auf demersten Taktteil der Takte Nr. 1 und 2 vorwärts, woran sich drei rasche, kleine Nachstell-schritte vorwärts anschließen. Dann nach einer kleinen Pause sieben kleine Nachstell-hüpfer rückwärts in rascher Folge. Dies wird wiederholt, woran sich ein Zweischritt-Rundtanz schließt. Genau in dieser Weise tanzte man auch in Göttenitz. Eine weitereErwähnung belegt das Vorkommen dieses Tanzes auch in Masereben.

Siebenschritt

Das Vor und Zurück enthält im Neukatholischen jeweils sieben Taktzeiten, auchwenn bei den beiden anfänglichen großen Schritten jeder zwei Taktzeiten für sich bean-sprucht. Auf dem Vor und Zurück von je sieben Bewegungen baut sich auch der Sieben-schritt auf, der in der Gottschee zu den am häufigsten genannten Tänzen gehört. DasGrundschema sind sieben Schritte vorwärts mit kurzem Stehenbleiben auf sieben, dannebenso rückwärts, darauf folgend dasselbe aber nur mit jeweils drei Schritten vor undzurück, worauf man am Ort zweimal runddreht; dieser letzte Dreischritteil wirdwiederholt.

Das Gehen kann nun in Zweihandfassung gemacht werden, d. h. die Tänzer stehennebeneinander und blicken in die Tanzrichtung, beide Hände sind vorne übers Kreuzgefaßt. So geschieht es in Mösel. In Masereben haben sie die inneren Arme eingehängt.Mit dem Vor- und Rückwärtsgehen tanzten sie in Masereben. In Mösel lösen sie amEnde des Vorwärtsschreitens die Fassung, drehen sich um, fassen wieder und gehen nundie sieben Schritte zurück auch wieder vorwärtsschreitend, nur entgegengesetzt zurursprünglichen Tanzrichtung. Eine weitere, auch in Österreich vorkommende Möglich-keit besitzt Morobitz. Dort stehen die Tänzer seitlich zur Tanzrichtung und machennun alle Schritte seitwärts: sieben hin, sieben her, drei hin und drei her, woran sich dieDrehung schließt. Göttenitz hat die in Österreich besonders verbreitete Form, daß sichan das Vor- und Rückwärtsgehen statt der drei Schritte vor und drei zurück ein seit-wärts Auseinander und Zueinander schließt mit abschließendem Runddrehen; also dieBewegung des ,, Boarischen".

Zum Siebenschritt werden kleine Tanzverse gesungen. Der, den ich in Altlag auf-zeichnen konnte, weicht von den österreichischen etwas ab:

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,

Gott hat mir einen Brief geschrieben,eins für dich, eins für mich,

eins für Karl brüderlich.

Die Melodie ist die gleiche wie in Österreich. Weitere Orte, in denen ich denSiebenschritt in der Gottschee erwähnt fand, sind Ebenthal, Tschermoschnitz, Stein-wand, Komutzen und Masern.

5. GebärdentänzeDie Spitzpolka

Aus der Gottschee sind mir zwei in die Gruppe der Gebärdentänze gehörende Tanz-arten bekannt. Eine ist die sichtlich sehr beliebt gewesene ,, Spitzpolka". In Göttenitz undMorobitz entsprach die Ausführung der österreichischen Judenpolka" oder dem, Spitz-140 Vgl. R. Zoder, Österreichische Volkstänze, Neue Ausgabe Heft 1, Wien 1946, S. 20 f.

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