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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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die stille Sommernacht und von fern hörte man die Burschen aus den Nachbardörfernsingen.

Manchmal war es so schön, daß sie gar nicht schlafen gingen. Wenn die Nächtewarm waren, legten sie sich in Rieg am Kirchbühel ein paar Stunden unter denKastanien ins Gras und um drei Uhr standen sie wieder auf, nahmen Sense und Kumpfund gingen zum Mähen.

In Ober Mösel saßen sie auf den Bänken um den Steinernen Tisch und sangen, oderlegten sich gleichfalls ins Gras. Es machte den Burschen aus der Gegend von Unterbuch-berg auch nichts aus, zwei Stunden zu Fuß von anderen Dörfern her zu solchem Singenzu kommen und später wieder ebensoweit in der Nacht heimzugehen. Die Bauern warenfroh, wenn die Burschen sangen, denn sie waren dadurch gleichzeitig eine Nachtwache.Mit eigenen Weckliedern, die in der ganzen Sprachinsel verbreitet waren, weckten dieBurschen morgens dann vielfach die noch schlafenden Mädchen. 133

Natürlich waren auch die verschiedensten Verrichtungen, vor allem die Gemein-schaftsarbeiten vom Gesang begleitet. Etwa beim, Hirsereiben, wenn die Mädchen aufder Tenne zu zweit barfuß die Körner aus je einer Hirsegarbe traten und die Burschenauf dem Garbenstock saßen. Oder beim ,, Rübenstoßen". Alle Mädchen des Dorfes warenversammelt, jede hatte vor sich ein Schaffel und ein Reibeisen. War ein Gefäß voll, sotrug man es in den Keller und leerte es in ein großes Schaff, in dem zwei Burschen bar-fuß die geriebenen Rüben eintraten. Wenn man beim Rübenstoßen nicht ununterbrochensang, wurden nach allgemeinem Gottscheer Volksglauben die Rüben nicht sauer( Eben-thal, Grafenfeld, Warmberg, Komutzen, Lienfeld, Altlag). Eine besondere Singgelegen-heit war naturgemäß auch die Spinnstube, das Prâjen". In Tiefenbach und Göttenitzsang man beim Flachsbrecheln gerne das Lied ,, Nue auhar, nue auhar du Tuge geliacht"( Nun herauf, du hellichter Tag), wenn man um zwei Uhr morgens zusammenkam unddas große Feuer entzündete. Ich gebe es weiter unten wieder, wenn von der Mehr-stimmigkeit die Rede ist. Das gleiche Lied sangen sie in Hohenegg, wenn sie in der Sonn-wendnacht um die Äcker des Dorfes gingen. In Rieg sangen sie hoch oben auf demBerg, wenn sie dort mähten, die Ballade von der Meerarin" und sie betonten immerwieder, wie wunderbar es klang. Für die Schönheit der Lieder in der weiten Natur ihrerHeimat hatten sie sichtlich ein starkes Empfinden.

Auch die Vigilien der Jahresfeste waren von Liedern erfüllt. In der Nacht zum15. August( Frauentag) kamen in Rußbach und Mitterdorf die Burschen in den Äckerndraußen unweit einer Kapelle zusammen. Sie machten ein Feuer, aßen und tranken. Umdrei Uhr morgens kamen die Mädchen; sie gingen zuerst zur Kirche und dann singendzu den Burschen. Da sangen sie die sogenannten Fraulieder"( Marienlieder), warendann bis zum Morgen beisammen und sangen auch weltliche Lieder. In Verdreng sangensie zu Pfingsten auf dem Berge ,, Bia wria ischt auf der Sonntag, der liabe heiligeSonntag..."

Ganz stark war das Singen auch in der Osternacht. In vielen Orten entzündeten dieBurschen da Feuer und schossen mit Böllern. Um drei Uhr morgens zogen in AltlagBurschen und Mädchen Osterlieder singend in die Kirche und dann mit Kerzen in denHänden singend weiter zu einer Kapelle. In Koflern gingen die Burschen um ein Uhrnachts von ihren Feuern ins Dorf, um die Mädchen zu wecken. Mit brennenden Kerzenzogen sie dann um zwei Uhr durchs Dorf und sangen das in der Gottschee in einer sehrschönen, alten Fassung erhaltene Lied ,, Christus ist erstanden". Dann ging es zur ziemlichweit entfernten Pfarrkirche in Mitterdorf, wo man um drei Uhr beim Heiligen Grabeankam. Hier trafen sich nun sieben Dörfer, die gleichfalls singend und mit Kerzen einher-

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183 Zwei Beispiele bei Schröer, S. 145 und 181, bei Hauffen, Nr. 139.