Druckschrift 
Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

VI. Burschenzeit

-

In der Gottschee führten die unverheirateten Burschen noch ihr eigenes Leben alsGruppe, in die man sich nach dem Erreichen des 18. Lebensjahres einkaufen mußte. Keinjüngerer durfte sich nach dem Ave- Maria- Läuten noch auf der Straße blicken lassen,sonst ging es ihm schlecht. Die Dorfstraße beherrschten von da ab die Burschen, die imSommer abends ohne Mädchen auf und ab gingen und sangen oder unter derLinde zusammenkamen. Die Zucht war sehr streng. Allerdings war die Burschen-gemeinschaft an sich verschieden straff organisiert. Manchmal wurde der Anführer ge-wählt und mit besonderen Zeremonien in sein Amt eingeführt( z. B. Ebenthal). Manch-mal ergab sich von selbst, wer als führende Persönlichkeit taugte, oder es ist einfach derÄlteste( Mösel).

Vom Einkauf ab durfte der Bursch beim Fensterln dabei sein, auch bei allenStreichen, deren es zahlreiche und traditionelle gab. Im Dorf führten die Burschen einziemlich strenges Sittenregiment, sie waren auch die aktivste Gruppe bei vielen Bräuchen.Ein Eindringen fremder Burschen stieß auf Abwehr. Ein einzelner Auswärtiger mußtemit den Ortsburschen übereinkommen. Erschien die Burschenschaft eines anderen Ortesgeschlossen, so endete diese Herausforderung in einer Schlacht, die außerdem durcheinen gleichen Zug ins andere Revier beantwortet wurde. Etwas Besonderes im Burschen-leben war das abendliche und nächtliche gemeinsame Singen im Freien, dem ein eigenerpoetischer Zauber anhaftete. Natürlich war auch die Assentierung ein wichtiger Ein-schnitt in ihrem Dasein. Die Untauglichen mußten ihre Sträuße den Tauglichen abgeben,so daß deren Hüte oft ganz besteckt waren. Zu den typischen Zügen solcher Jungmänner-gruppen gehört ferner ganz allgemein das Schweigegebot. Nichts von dem, was inner-halb ihres Kreises geschah, durfte ausgeplaudert werden. Das galt auch in der Gottschee.

Der entscheidende Schritt des Eintritts ins vollberechtigte Burschenleben geschah inder Gottschee zu Sonnwend. Das war der Zeitpunkt des Einkaufens. Folgen wir denSchilderungen aus vier Ortschaften.

Suchen

Zu Shumitn( Sonnwend) ist das Burschenrecht- Zahlen. 50 Dinar haben die Alterengezahlt, 100 Dinar die Neuen, das heißt den, Leihkauf zahlen. Da haben sie ein Schafgekauft alle zusammen und haben ein Fest und einen Tanz gehabt. Dann haben dieNeuen das Recht, mit den älteren Burschen zu gehen und zu den Mädeln. Wenn sie einenJüngeren bei einem Mädel erwischt haben, haben sie ihn heimgeschickt mit ein paarFotzen( Ohrfeigen). Es war eine schöne Ordnung. So um 18 Jahre wurden sie aufge-nommen."

Ebenthal

,, Wenn die jüngeren Burschen mitgehen wollen, müssen sie zu Sonnwend Weinzahlen., Platte hieß der Zusammenschluß, mit einem, Plattenhäuptling Glossar ::: zum Glossareintrag  Plattenhäuptling'. Platte ist über-haupt ein Ausdruck für eine Gesellschaft, die zusammengehört. Der Häuptling Glossar ::: zum Glossareintrag  Häuptling wurdegewählt von den Burschen und mit Wein begossen. Dabei haben sie ihn auf einen Throngesetzt. Er mußte auch zahlen. Mit 16 Jahren meist zur Platte. Man muß schweigen kön-nen, sonst wird man verachtet. Wer etwas verrät, was unter den Burschen vorkommt,

84