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Brauchtum Glossary ::: show glossary-entry Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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,, Das Krauteinstoßen war die dritte Gemeinschaftsarbeit im Herbst. Immer 2 Bot-tiche, unten etwa 60 cm im Durchmesser und oben etwas breiter. Der Bottich ist manns-hoch. Das Krauteinstoßen ist eine Tagesarbeit. An der Leiter sind die Buben hinauf. Das( geschnittene) Kraut wird bis zu einer gewissen Höhe erst hineingeworfen, dann sind dieBuben hinein zum treten. Da haben sie nicht hinausgeschaut, nur die Hände hinaus-gehalten( so tief war der Bottich). Die Buben waren 7 bis 8 Jahre alt. Wenn eine Partiefestgetreten ist, kommt eine Lage von den härtesten Krautköpfen hinein. Darauf wiedergestoßenes( zerschnittenes) Kraut. Das gibt eine Delikatesse. Eingesalzen und ausreifenlassen. In Österreich ist das nicht gleichermaßen üblich, aber das hält. Bis nach Faschingetwa ist das Kraut gut. Von dort an sind nur mehr die Köpfe gut"( Ober Mösel).

22. Rübenstoßen

Die letzte Ernte waren die Möhrlein. Das Einschneiden der weißen Rüben war dieletzte Gemeinschaftsarbeit, an der sich die Dorfjugend gerne beteiligte. Die Arbeit gingin den Häusern reihum, denn es war jedesmal die ganze weibliche Jugend eines Dorfesbeteiligt. Die ganze Woche wurde Rüben gestoßen", in einem Hause nach dem anderen.Ursula( 21. Oktober) ist das letzte Datum, wo man das noch kann., Urshe scheißet",heißt es in den bäuerlichen Wettersprüchen, denn da schneit es schon gern, und ,, St. Gall,muß jeder Ochs in seinen Stall".

Die Rüben wurden zuerst gerafat" mit der Hacke, das Grünkraut weggeschnitten,und in einem großen Bottich voll Wasser mit einer Ofenkruke gewaschen. Dann hat manin der Stube oder im Vorhaus Farnkraut in eine Ecke gelegt und darauf die gewaschenenRüben aufgeschlichtet.

Am Abend kamen die Stoßerinnen", jede mit einem Schaffel und einem ,, Schtoaẞ-eisen"( Hobel). Die Burschen schälten oben den Blattansatz von der Rübe heraus. Daskam extra in Körbe und war ein wunderbares Futter für die Kühe. Auch an der Wurzelwurde geputzt. Oft haben zwei in einen Schaffel hinein gearbeitet. War dieser voll, leerteman ihn in einen Bottich, der im Keller war. Dort haben die Buben barfuß eingetreten.Die Mädchen mußten ständig singen, sonst werden die Rüben nicht sauer und haltennicht( Ebenthal, Grafenfeld, Lienfeld, Mitterdorf, Altlag, Neulag, Warmberg, Komutzen,Morobitz). Der Bottich wurde zuletzt mit Holzbrettern bedeckt, Brittl" aus Hartholz,nach der Größe der Bottiche, und schwere Steine darübergelegt und Wasser darüber-gegossen. Aber wenn sie fest getreten haben, war ohnedies Saft. Nachher gab es eineJause, gefülltes Weißbrot, Zwetschken und Most. Und den Abschluß bildete wie bei alldiesen Gemeinschaftsarbeiten das Tanzen, zum Kehraus den Polstertanz, Grünes Gras,frißt der Haas" ,,... Böscht du's noch Pepi?"

Beim Rübenstoßen und anderen Gemeinschaftsarbeiten ist auch immer erzählt wor-den. Es gab einen ganz großen Erzähler, Heinrich Meditz aus Verderb, spätansässig inOber Mösel. Prof. Jonke, dem ich diese Mitteilung verdanke, ging ihm Tage undNächte lang nach, um ihn zuzuhören. ,, Er erzählte wie gedruckt, oft wurde er gar nichtfertig auf einmal."

23. Obsternte, Mosten, Branntweinbrennen

,, Im Herbst, so vor Allerheiligen, hat es viel Obst gegeben. Es wurde viel gepreẞtund Nächte hindurch Schnaps gebrannt. Die Nachbarn haben einander geholfen, da wares lustig"( Kukendorf).

Die Obstverwertung geschah in verschiedener Richtung. Einerseits im Herstellen vonDörrobst in eigenen kleinen Dörröfen, Zwetschken, Birnen, Äpfel. Das war die Art desHaltbarmachens für die Wintermonate, ehe es Kühlschränke gab. Man es dann ent-

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