einzige ruhende Punkt war jener Arbeiter, der am Maschinentisch stand und das Unge-tüm mit den Garben beschickte. Mit raschen, trotzdem sehr ruhigen Bewegungen zer-teilte er die Garben, die ihm zwei Zureicher( meist Schulpflichtige) auf den Tisch warfen,nachdem sie den Bund gelockert hatten, und schob sie genau proportioniert in denSchlund der Maschine. Eine wichtige Arbeit, die den gesamten Rhythmus des Dresch-vorganges bestimmt, brachte doch ein Zuviel Stocken in den Ablauf, ein Zuwenig jedochließ wieder Leerlauf aufkommen. Drei bis vier starke Männer mühten sich am Schwung-rad und Drehgriff der Maschine. Da war Kraft und unbändiger Durchhaltewille, wennsich die Brust beim Aufschwung wölbte, wenn Muskeln und nach vorne fallender Ober-körper den Abschwung beschleunigten und ihn in den Aufschwung überführten. Vor derMaschine huschten zwei Personen herum, das herausfallende Korn und das Stroh mußẞtenso schnell als möglich weggebracht werden, denn der Segen floẞ unaufhörlich. Undhinter der Bretterwand auf der Tenne, das war ein Treiben! Allerdings war der Attedavon nicht immer erbaut. Je mehr Kinder dort herumtollten, um das Stroh zu treten- an und für sich schon ein schwieriges Unterfangen, das werden alle bestätigen, die jeStroh treten sollten, wie schnell war man mit dem gesamten Haufen irgendwo an derSeitenwand in die Tiefe gerutscht!-- umso weniger wurde wirklich getreten, umso mehrwurde gespielt. Es dauerte eine Zeit, bis ein, Satz' durch war. Nachdem sie die Maschineabgebremst hatten, verließen die Männer die Tenne, um sich im Schatten des Birnbaumesetwas zu erholen. Drinnen jedoch ging das emsige Schaffen weiter, die Tenne wurde ge-säubert und ein neuer Stoß Garben vorbereitet. Kurz ein Aufatmen für alle Beteiligten,dann dröhnte die Maschine wieder und fraẞ Garbe nach Garbe in sich hinein, währendsich der Körnersegen in der anderen Tennenecke häufte."
17. Vieh und Viehhüten
Wie es scheint, waren im ganzen Lande ziemlich übereinstimmende Handlungen ge-bräuchlich, wenn ein neues Stück Vieh ins Haus kam. Nachstehend eine Auswahl kenn-zeichnender Mitteilungen, die besonders das Einordnen des Tieres in die Hausgemein-schaft zeigen und den Wunsch, daß es im Hause bleiben und gut gedeihen möge. Voraus-zuschicken ist dabei, daß das Verhältnis zum Haustier sehr innig war. ,, Jedes Stück Viehwar ein Familienmitglied", sagt der Gewährsmann aus Klindorf. ,, Wenn die Kuh vonder Hutweide kam, setzte sie sich in der Mitte des Dorfes schon in Trab. Da hat maneine Handvoll Salz genommen und die Kuh nahm die Hand ins Maul und schleckte."
, Wenn man ein Stück Vieh kaufte, dann ein Stück vom Strick, mit dem man esherzog, vor der Stalltür vergraben"( Grafenfeld). ,, Wenn man gekauftes Vieh zum erstenMal in den Stall treibt, hat man einen Besen über die Türschwelle gelegt 70 und gesagt, seibrav und glücklich"( Pöllandl). ,, Wenn man ein Vieh gekauft hat, hinterwärts hinein inden Stall"( Mairle). ,, Wenn junge Schweine gekauft wurden, hat die Mutter immer einenReifen genommen und das Schwein von hinten in den Stall hinein und den Stall mitWeihwasser ausgesprengt"( Gehag bei Tschermoschnitz).„ Wenn man Vieh neu im Stallhat, mit Weihwasser bespritzt und viel Glück gewunschen"( Suchen). ,, Wenn man jungeHühner gekauft hat, sie dreimal durch das Tischgerüst geben, dann sind sie zu Hausgeblieben und nicht weg. Wenn man ein Schweindl gekauft hat, hat man es mit demHinterteil voran in den Stall getan"( Masern, Göttenitz). ,, Wenn man neue Hühner ge-kauft hat oder eine Katze auch, dreimal um den Tischfuß geben"( Merleinsrauth,Suchen). ,, Wenn man ein Vieh gekauft hat für Zucht, hat der Verkäufer ein Geldstück
70 Der Besen auf der Schwelle ist ein verbreitetes Abwehrmittel gegen Hexen im deutschenSprachraum.
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