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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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am Vortag einige Pütschalain Wasser zur Arbeitsstätte und vergrub sie im Waldboden,damit sie kühl blieben. Sonst aber mußte das Pütschale, das am Morgen von den Mähernmitgenommen worden war, für den ganzen Tag reichen... Wie sehnte man da Ammainherbei, die um die Mittagszeit die Jaishn brachte... Bergmähern zeigte die Hausfraumeist ihre ganze Kochkunst. Wenn auch Suppe nicht immer dabei war, die schwapptbeim Tragen allzugern über, Fleisch mit Reis oder einer anderen Beilage war immer da,zum Abschluß a Earpftautle oder sogar a Pobólitza... Nun hatten die Bergmäher eineStunde Freizeit... Schwaden streuen mußte man in der Regel nicht, so dicht fiel dasGras nicht, wohl aber galt es, das unter den Bäumen gemähte Gras an die Sonne zubringen und schöne, Dearrödn'( zu trocknende Grasscheiben) zu bilden. Ein Teil derBergmäher rückte mit zwei Sensen an( falls eine brechen sollte). Wenn man bedenkt, daßdie Anteile alle an der Berglehne lagen und nicht durchgemäht wurde, kann man sich dieMühe vorstellen, derer es bedurfte, bis so viel Heu auf einem Platz war, daß man einFuder damit fassen konnte. War es nicht anders möglich, so trug man es auf dem Rückenzusammen, eine etwas bequemere Art war, es auf großen Haselnuẞ- oder Buchenzweigenzum Sammelplatz zu ziehen. Bei der Vorbereitung dieser Transportart galt es darauf zuachten, die beiden Äste so innig ineinander zu verflechten, daß sie eine Einheit bilde-.... Jedes Hindernis zwang den Ziehenden, sich mit dem Gewicht des ganzen Körperstalwärts zu werfen." 67

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,, Das Grumet ischt et mehr so schwares Hai. Die Tage aber waren schon kurz.Wenn sie es nicht heimgebracht haben, haben sie große Häufn über die Nacht gemacht.Am nächsten Tag haben sie bis zehn Uhr gewartet, bis man hat was tun können damit.Das Grumat war sehr gut für die Milch. Das Abladen ist für die Kinder a große Hetz.Ein Mann ist auf den Wagen gestiegen und hat das Heu heruntergebollert( geworfen)und die Kinder haben es hineingeschleppt unter die Ruvn( Rofen, Dach). Das war eineschwere Arbeit, sie sind im Heu herumgesprungen und haben das Heu zusammen-geschoppt. A paar Schtikle Proat( Brot) hat man ihnen gabn und a paar Kreizerlenvertoalt an die Kinderln"( Hinterland).

Über der Mahdzeit liegt im Rückerinnern der Gottscheer immer noch ein Schimmervon Sommerglück, trotz aller Schwere der Arbeit. Den Verfahrensweisen, wie man dasHeu zu den Wagen bringt um es aufladen zu können, hat Maria Kundegrabereine eigene Studie gewidmet. 68 Es sind nicht weniger als 13 Möglichkeiten: Tragrute,Tragstock, Heuseil, Heunetz, Heubogen, Heutuch, Rechen, Heugabel, Trockenstangen,Korb, Tragrahmen, Ziehen mit Ästen und Ruten, Heuwäglein. Meine Gewährsleute er-wähnten wohl auch das Tragen, alle aber sprachen ausführlicher nur vom Ziehen mitÄsten. Das scheint ihnen besonders im Gedächtnis zu sein, vielleicht war es auch eine dergebräuchlichsten Arten, die auch weiter kein Sondergerät erforderte, sondern nur anOrt und Stelle geschnittene Äste.

15. Getreideschnitt

Das Schneiden des Getreides geschah wie bei uns mit der Sichel. Zu Peter und Paulwar die Wintergerste an der Reihe. Schon Tage vorher hatte der vorsorgliche Hausvaterdie hilfswilligen Nachbarsfrauen um Mitarbeit ersucht. Am späten Morgen begannen dieSichlerinnen mit der Arbeit. Atte war hinterher und band die Garben. Gegen Abendwurden sie dann aufgeladen und zur Harfe( überdachtes Trockengestell) gebracht, dortsollten sie trocknen. Einen Monat später, zu Jakobi, war der Weizen so weit, und in der

67 L. Kren( wie Anm. 64).

68 M. Kundegraber, Heutragen und Heuziehen in Gottschee, Jahrbuch f. ostdeutscheVolkskunde, Bd. 11, Marburg 1968, S. 62-85.

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