Druckschrift 
Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

wieder aus, dreht man die Deichsel nach hinten, dann können die Hexen dem Vieh nichtsantun. Dazu ist zu bemerken, daß das Verkehren, Umdrehen, ein ungemein verbreitetesaltes Mittel gegen Verzauberung ist. Sollte die Ernte reichlich ausfallen, muß die letzteFurche in der Richtung auf das Dorf zu gezogen werden.

Die Art der Gespanne war vielfältig. Es gab nicht nur unerschütterlich ruhiggehende Ochsenpaare, sondern auch gemischte Gespanne, z. B. Kuh und Pferd, oft auchbloẞ Kühe. Voran ging der Fuhrmann, denn Ochsen und Kühen muß man vorangehen.Hinten war der Pflüger, welcher das Gerät nicht nur fest führen mußte, sondern es auchimmer rechtzeitig in die Höhe reißen, damit Sech und Pflugschar an den Steinen keinenSchaden nahmen. Ein Bub versah Hilfsdienste, säuberte die Streich beim Wenden oderräumte mit dem Raitarle", einer handtellergroßen, sich nach unten konisch verbreitern-den Schaufel, Hindernisse vor dem Sech aus dem Wege. Schließlich folgte dem Pflügernoch jemand, der den Mist mit einem Rechen in die frisch gepflügten Furchen ein-brachte.

Dann kommt das Eggen. Manche haben auf der Furch schon geshänet( gesät)",eigentlich macht man das aber erst nach dem Eggen, die Körner sind sonst zu tiefdrinnen.

8. Säen

In der Gottschee gab es noch keine Sämaschinen. Der Sämann ging in abgemessenemSchritt über den Acker und warf weitausholend den Samen aus. Das Saatgut hatte er ineiner ,, Sanzischte"( Säkorb), schtroahgawlochtn"( strohgeflochten). Die Kroina( Krai-ner, Slowenen) haben a Würtuch( Sätuch) gehabt, die Gottscheer nicht. In der Gottscheehaben nur die Handwerker blaue Schürzen getragen. Links hat er die Zischte gehabt,auf jeden Schritt eine Handvoll gestreut. Im Vorderland haben die Männer gesät, in derWalden, der Moschnitze und im Hinterland die Frauen. Die Männer im Hinterlandhätten sich geschämt."

Mit der Aussaat war auch etlicher Glaube verbunden. Der auf Mond und Tierkreis-zeichen bezügliche wurde bereits erwähnt. Den Samen stellte der Bauer vor der Aussaatimmer auf den eigenen Acker und nie auf das Feld eines Nachbarn. Wenn man auf demAcker gearbeitet hat, muß man niedersitzen, wie schwer man niedersitzt, so schwer wirddas Korn( Hohenegg). Also auch eine gleichnishaft- vorbedeutende Handlung.

Bei der Hirse war noch etwas Besonderes. Die mußte man vor der Aussaat durch einFeuer schütten, dann wurde sie nicht brandig. Man hat einen Birkenbesen genommen,angezündet und die Hirse durch dieses Feuer durchgegossen"( Katzendorf, Mrauen,Unterlag, Langenton, Masern). Auch sollte man beim ganzen Hirsesäen Stillschweigenbeobachten.

9. Mais und Kartoffeln setzen

,, An tirkischn Boitza( türkischer Weizen= Mais) hat man gewehnlich im Winkl-acker gehat. Man hat gesagt, hefarma un in Göttesch Num'( beginnen wir im NamenGottes). Man hat gesät und geegnet( geeggt). Das Egn das hat longe gedauert. Je lenga,desto bessa is, de Erde ischt wurmlat geworden. Hägn, da hat man de Weiba Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiba aufge-numma für den tirkischn Boitza. Häufeln, daß der Stamm an festen Halt gehabt hat"( Klindorf).

Für den Kukuruz wurde immer die beste Erde genommen. Der tirkische Woazehat an sehr guatn Mischt gebraucht auf'n Ackern, große Misthaufen. Im Früahjahr zebroatn. A schianes Batter( Wetter) hat gemüaßt sein. Manche haben mit dem Pflug ge-baut. Zwei bis drei Körnlein eingesetzt in die Erde. Wenn man keinen Pflug gehabt hat,

47