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Brauchtum Glossary ::: show glossary-entry Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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III. Die bäuerliche Arbeit

1. Vorbemerkungen

Die nachstehenden Ausführungen gelten nicht einer Technologie der Geräte undauch nur bedingt einer der Arbeitsvorgänge. Im Blickfeld steht in erster Linie die volks-kundliche Sicht im engeren Sinne. Sie schließt neben dem Schildern der üblichen Arbeits-verfahren auch das Bezogensein auf den Menschen und sein Erleben ein. Damit auch dieBräuche. Denn wie es ein Gewährsmann ausdrückte ,, bei jeder Sache ist einBrauch". Und man kann hinzufügen, in vielen Fällen auch ein Glaube. Um dies vonallem Anfang an zu verdeutlichen wurde das Kapitel Ackersegnen und Wachstums-bräuche" vorangestellt, aber auch bei den nun zu beschreibenden Arbeiten schimmertdieser Untergrund immer wieder durch.

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Selbstverständlich können nicht alle Handgriffe der Arbeit und jede Einzelheit ange-führt werden. Teils aus Raumgründen, teils aber auch, weil man dann alles selbst gemachtoder zumindest beobachtet haben müßte. Ein solches Miterleben des ganzen Jahreszyklusaber war mir in der Gottschee versagt. Das meiste mußte ich erfragen, und zwar über-wiegend hinterher, als sie bereits fern der Heimat lebten.

Bei den folgenden Schilderungen geht es zunächst um eine erste Gesamtübersicht.Da sie das bäuerliche Erwerbsleben betrifft, bleiben alle die vielfältigen Arbeiten ausge-klammert, welche z. B. den Festvorbereitungen dienen, etwa zu Weihnachten. Nichteinbezogen ist in der Regel auch alles, was nur der gleichbleibende Teil des Tageslaufesbringt, z. B. die Mahlzeiten, das Füttern, Melken usf. Auch die Tagesarbeit kann übri-gens ihre Besonderheiten haben. Ich führe nur einen Spruch aus Ebenthal beim Feuer-machen an. Da sagte man: ,, Rach, Rach, et gehat ze mir, e hon nisch schimpliges Gaut"( Rauch, gehe nicht zu mir herunter, ich habe kein schimmliges Geld, d. h. solches, dasgetrocknet werden muß).

Das Anordnen des Stoffes ließe sich in verschiedener Weise gestalten. Es könnte inzusammenfassenden Großgruppen geschehen, wie Feld, Garten, Vieh, Wald usf. Dabeiergäben sich aber Überschneidungen und wiederholende Gleichläufe, und der Jahres-rhythmus wäre zerstückelt. Deshalb ist es vielleicht besser, dem natürlichen Ablauf zufolgen und dabei nur einzelnes zusammenzufassen wie etwa im Abschnitt Vieh undViehhüten". Das ergibt zwar 23 Abschnitte, die sich aber doch zu einem Ganzen zusam-menfügen.

2. Glaubensvoraussetzungen

Jede wichtige Arbeit auf dem Feld begann in der Gottschee mit dem Wort, inGöttesch Num", in Gottes Namen. Christliche Frömmigkeit und alter Naturglaube ge-leiteten sie dabei in ihrem Tun. Das sollte immer im Auge behalten werden, wenn nundie Arbeitspraxis geschildert wird. Das vorangegangene Kapitel zeigte das schon in allerDeutlichkeit.

Es gibt aber auch Glaubensvorstellungen, welche nicht an eine einzelne Verrichtunggebunden sind, sondern für Arbeiten der verschiedensten Art gelten, z. B. der Glaube an

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