10. Gewitter
Zu den Handlungen, welche gewissermaßen vorbeugend und dauerwirksam gesetztwerden, treten andere beim jeweils eintretenden Anlaß. Ziehen im Sommer die Gewitterauf, wird mit den Glocken geläutet, und man sprengt Weihwasser vom Dreikönigstaghinaus mit den Worten:„ Gott Wutr, Gott Shün, Gott Haila Geischt, schtea insch baiund w'rschoan insch wor ollm Unglück"( Lienfeld, Grafenfeld). Dazu las man dasJohannesevangelium und bekreuzigte sich bei jedem Donnerschlag mit den Worten: ,, Gottshai bai insch." Auch eine Wetterkerze zündete man an. Es soll Licht brennen, wenn esdonnert. ,, Machst du nicht Licht, so machen wir Licht"( Altlag, Hohenberg). In Warm-berg und Komutzen entzündeten sie die Wetterkerze jedoch nur bei Nacht, nicht beiTag. In Göttenitz schlug man die Glocken bei einem Gewitter nur an. Dort ging auchder Geistliche mit der Monstranz um die Kirche.
Die Wetter abwehrende Kraft der Glocken gehört zum allgemein verbreiteten Volks-glauben. Manchen Glocken schrieb man aber noch besondere Wirksamkeit zu, z. B. jenender Maria Himmelfahrtskirche in Rieg. Wurden sie geläutet, dann drehte sich das Wet-ter. Auch von den Kotschner Glocken meinte man, sie seien die besten zum Gewitter-läuten gewesen. In Reichenau läuteten sie zuerst mit der kleinen Glocke, dann mit dermittleren, der großen und zuletzt mit allen drei zusammen. In Rieg gaben sie ferner an:Wenn ein Hagelwetter kam, haben sie mit dem hl. Dreikönigswasser gesprengt unddie Hacken hinausgeschmissen und Wetter geläutet und bei der Tür das Schlüssellochzugestopft, damit das Wetter stehen blieben is draußen. Und mit geweihtem Pulver ausMörsern geschossen." Das Pulver mußte in den Weihnachtsnächten auf dem Tischgelegen sein( Masereben).
دو
Zu den gleichfalls nicht nur in der Gottschee üblichen Abwehrmitteln gehört fernerdas Verbrennen geweihter Dinge.„ Man hat Palmen ins Feuer geben und hinaufgeraucht,daß der Rauch in die Wolken gegangen ist." Außer den Palmzweigen nahm man auchÄste der Stauden von allen vier Evangelien zu Fronleichnam.„ Wenn es ganz gefährlichwar, mußte man von den Glockenseilen etwas abschneiden und auch dazu geben beimRauchen"( Reichenau).
Das häufigste Mittel ist das Hinauslegen bestimmter Gegenstände vor die Haustüre.Im Suchener Hochtal war es ein Stuhl ,,, dann kehrt sich das Wetter schon, wenn dieStühle die Füße in die Höh strecken". In Katzendorf, Göttenitz und Grafenfeld war eseine Sichel, die zu Weihnachten auf dem Tisch gelegen war. In Rieg warf man eineHacke hinaus, in Warmberg und Komutzen schlug man sie in die Erde.
In 14 Orten 43 wurde mir berichtet, daß zwei Gegenstände gekreuzt ins Freie gelegtwerden müssen. Meist sind es Ofenkrücke und Ofengabel. In Ebental legte man sie übersKreuz auf den Misthaufen, in Göttenitz unter die Dachrinne, in Steinwand vor die Haus-türe. Mehrmals, z. B. eben in Steinwand, gaben sie dabei ausdrücklich an, daß mit diesenbeiden Geräten ein schräges Kreuz gebildet werden mußte. Hier klingt also eine beson-dere Verwendung und Bedeutung des Andreas- oder Malkreuzes abermals an.
11. Bestohlener Acker
Dieses Zeichen erscheint außerdem bei einem Glauben und Brauch, zu dem ichaußerhalb der Gottschee kein Gegenstück kenne. In nicht weniger als 24 Orten, 44 die
43 Obergras, Gehag bei Merleinsraut, Masern, Göttenitz, Grafenfeld, Lienfeld, Katzendorf,Reichenau, Tschermoschnitz, Gehag bei Tschermoschnitz, Steinwand bei Pöllandl, Warmberg,Komutzen, Ebental.
44 Masereben, Rieg, Wetzenbach, Mrauen, Verdreng, Mösel, Grafenfeld, Katzendorf, Rei-chenau, Nesseltal, Oberdeutschau, Stockendorf, Gehag bei Tschermoschnitz, Krapflern, Stein-
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