Nachbardorf zu auf dem Felde einzugraben.„ Das war wirklich wahr." 41 Sehr deutlichist die Hegung in Graflinden ausgesprochen. Dort zog man mit einer Rute einen großenKreis, damit die Rüben gut wachsen.
Ein eigenartiges Mittel richtete sich gegen die Maulwürfe und Mäuse. In Morobitzsteckte man zwei Kranabettn( Wacholder) in den Krautacker und legte eine dritte dar-über ,,, daran wird sich der Maulwurf aufhängen". In Hohenberg erwartete man sichdasselbe Ergebnis von den übers Kreuz in den Acker gesteckten Palmruten, an denensich die Mäuse aufhängen. Tschinkel( S. 23) kennt die gleichen Handlungen: ,, Willman die Maulwürfe von einem Acker, auf dem man Lein, Kraut oder Hirse gesät hat,fernhalten, so genügt ein aus geweihten Schißlingen( einjährige Haselruten) aufgerichteterGalgen, an dem sich die Maulwürfe aufhängen." 42
Eine dritte Gruppe von Bräuchen ist das„ Krönen" der Felder, das auch noch mehrals Schmuckbedeutung hatte.
-
In Nesseltal und Oberdeutschau erfuhr ich nur, daß man Blumen auf einem Steckenin den Kartoffel- oder Kukuruzacker steckte, wenn man gehackt hatte. Sie nannten esein ,, Moile"( Maie). Ähnlich lauteten die Angaben in Masern und Göttenitz, wo man inden Erdäpfelacker bis zum Blühen der Kartoffel zwei bis drei Buschen Blumen auf einemStock aufsteckte. In Langenton kam auf jede der Palmruten ein schönes Büschel Blu-men". Steinwand, Pöllandl, Warmberg und Komutzen banden Blumen vorwiegendMargariten auf einen Stock, der zu Sonnwend in den Acker gesteckt wurde, gerne indie Mitte des Feldes. In Graflinden geschah dies schon bei der Aussaat. In Gehag beiTschermoschnitz hingen sie an eine kleine Stange einen Kranz und steckten dies am Abenddes Johannistages in jeden Acker, überall wo ein Weg durchging.„ Dies war eine Zierdedes Ackers." Beim Bohnensetzen steckte man den Stab mit dem Kranz neben das soge-nannte ,, Kränzlein", den Kreis, den man in die Erde eingedrückt und mit Samen be-setzt hatte.
Auch in Rieg sprachen sie zunächst nur vom Schmücken. Dann aber offenbarte sichplötzlich noch eine weitere Bedeutung. Die Aussagen dreier Gewährsleute lauteten fol-gendermaßen: ,, Man hat a Moile in den Acker gesteckt, daß sich der Acker nicht genie-ren tut." ,, Wenn der Acker ausgearbeitet war, hat man einen Stock genommen und einenBlumenstrauß mit verschiedenen Blumen daran hineingesteckt, man hat ihn gekrönt.",, Um die Felder vor dem schlechten Auge zu schützen, steckt man ein rotes Tuch in denAcker."
Dies kannte auch Reichenau:„ Man hat eine Fahne auf einem Stock in ein besondersschönes Feld gesteckt gegen das Vermoinen( vermeinen, beschreien). Die Leute schauenauf das Tüchl und nicht auf's Feld." Eine Bekräftigung bot Ebental: ,, An die geweihtenRuten werden verschiedene Blumen( Margariten und Wiesenblumen) an die Spitze ge-bunden und in den Acker gesteckt zur Johannisnacht. Wenn ein schlechtes Auge schaut,daß es auf die Blumen schaut und nicht auf den Acker." Auch Hauffen( S. 77) er-wähnt diese gegen unheilvollen menschlichen Einfluß gerichtete Maßnahme, allerdingsohne Ortsangabe.
41 Häufig kam es bei meinen Aufzeichnungen in Österreich vor, daß die Hegung nur dreiSeiten des Ackers betraf, die vierte blieb offen, damit vorhandenes Böses hinauskönne. So z. B.in Moosburg, Kärnten:„ Vom Holz des Palmbuschens werden drei Kreuzlein gemacht und dreiEcken jedes Ackers damit besteckt. Die vierte Ecke muß frei bleiben, damit der böse Feindentweichen kann. Dies geschieht nach der Bestellung des Feldes".
42 Es ist die Frage, ob hier nicht auch die Torsymbolik hereinspielt, die mannigfacher Artsein kann( u. a. auch Reinigung und Übelabwehr), und die Galgenvorstellung erst späterdazukam.
3*
35