Besprengen der Felder statt, das dann gewöhnlich die Bäuerin nach der Messe vornahm.In Steinwand und Tappelwerch war die Feldmesse z. B. während der Bittage, in Altlagam Himmeltag( Fronleichnam) und in Rieg zu Johannes. In Reintal ging man beimSprengen von Feld zu Feld. In Gehag bei Tschermoschnitz gab es das Feldersprengenauch am Tage der Wetterherrn Peter und Paul.
Diesem sommerlichen Feldersprengen steht eine kleine Gruppe gleicher Handlungenzur Mittwinterzeit gegenüber. In Lichtenbach gingen die Kinder am Unschuldigen Kindl-tag und zu Silvester nachmittags von der Kirche durch das Dorf und auf die Felder biszu einer Kapelle, wobei sie die Häuser und Äcker mit Weihwasser besprengten. 36 In denvier Orten Grafenfeld, Lienfeld, Lichtenbach und Gehag bei Tschermoschnitz berichteteman mir vom Sprengen des Weihwassers auf die Felder zu Weihnachten. In Lienfeld undGrafenfeld ,, haben sie dabei für die Ernte gedankt und um ein gutes Jahr gebetet".
8. Ackersegnen zu Sonnwend
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Ein wichtiger Zeitpunkt für das Ackersegnen ist in der Gottschee auch ,, Shumitn"Sonnwend mit ihren vielen Bräuchen und Glaubensvorstellungen. Davon berichteten siemir in 34 Ortschaften, die über das ganze Land verteilt sind. 37 Überall steckt man Palm-ruten in jedes Feld, das Frucht trägt Wiesen also nicht- und sprengt dazu Weih-wasser. Die Meinung war ,,, die heilige Dreifaltigkeit beschütze uns vor Hagel und Unge-witter"( Ebental). Von den Palmruten waren die Kätzchen vorher entfernt worden. InMorobitz streifte man sie am Karfreitag ab und gab sie dem Vieh zu fressen, in Altlagverbrannte man die Weidenkätzchen, ehe man die Ruten auf das Feld gab.„, Man stecktesie in Weihwasser für ein gutes Jahr." In Lienfeld kam schon bei der Aussaat in jedenAcker eine Rute. Dort waren die Ruten mit Bändern fest verschnürt und zusammen-gebunden. Bis zu ihrer Verwendung mußten sie so bleiben und durften nicht auseinander-genommen werden ,,, damit der Segen beisammenbleibt".
In der Mehrzahl der Fälle wird nur eine einzelne Rute in den Acker gesteckt. In13 Ortschaften 38 erfuhr ich aber, daß sie zwei Ruten schräg gekreuzt ins Feld steckten,so daß sie ein Malkreuz bildeten, in Mitterdorf und Krapflern machte man richtige geradeKreuze aus den Palmruten und steckte sie ins Feld. In Tappelwerch gaben sie an, dasschräge Kreuz aus Palmruten sei gegen den Hagel. Buchberg bei Nesseltal hatte nocheine Besonderheit. Dort wurden die üblichen zwei schräg gekreuzten Palmruten in denAcker gesteckt und dazwischen hinein aufrecht noch eine Haselrute. Das gab man in dieMitte jeden Ackers. Es entsteht also folgende Figur:*. Auch in Mairle geschah Ähn-liches, nur daß der zum Malkreuz aufrecht dazugesteckte Stab aus dem Stamm einesanderen Gewächses bestand, den sogenannten„, Fiechesch- Moien".
Wir stehen hier vor Zeichen, die mehrere Erklärungsmöglichkeiten haben. Dasschräge oder liegende Kreuz kommt in der christlichen Überlieferung als„ Andreas-kreuz" vor, wir kennen es aber auch schon aus vorchristlicher Zeit. Natürlich ist es einsehr einfaches Zeichen, das immer wieder entstehen kann. Es ist auch mit bloßen Ruten
36 Hauffen, S. 67 f.
37 Obergras, Suchen, Merleinsraut, Masereben, Masern, Göttenitz, Rieg, Wetzenbach, Moro-bitz, Mrauen, Graflinden, Prerigl, Lichtenbach, Buchberg bei Nesseltal, Nesseltal, Mairle,Hohenegg, Mösel, Grafenfeld, Lienfeld, Katzendorf, Unter- Loschin, Ebental, Kukendorf, Altlag,Langenton, Warmberg, Komutzen, Hohenberg, Pöllandl, Krapflern bei Pöllandl, Gehag beiTschermoschnitz, Tschei moschnitz, Tappelwerch. In Reichenau kamen keine Ruten in den Acker,sondern nur Kätzchen beim Anbau in die erste Furche, in Koflern ein Palmkreuzchen in dieerste Furche. In Mitterdorf steckten sie wohl eine Palmrute in den Acker, aber beim Anbau,nicht zu Sonnwend.
38 Masern, Rieg, Graflinden, Prerigl, Katzendorf, Buchberg bei Nesseltal, Maierle, Stocken-dorf, Tappelwerch, Tschermoschnitz, Pöllandl, Hohenberg, Ebental.
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