wandelte" und Repräsentanten außermenschlicher Kräfte muß sich direkt auf dieHausmutter übertragen, unter deren Händen alles gedeihen soll. Auch das hat viele Ent-sprechungen außerhalb der Gottschee. In Altlag geriet der Flachs gut, wenn eine Maskeein Stück gekehrt hatte.
Vorbild- und Analogiehandlungen sind auch sonst zahlreich. So steckte man inEbental eine Haselrute in das Flachsfeld, damit der Flachs ebenso groß werde wie dieRute lang war. Beim Hanf war die Rute noch etwas länger als die für den Flachs.
In Masereben legten sie mehrere gekochte Eier unter den Samen, wenn sie Leinsäten. Dann warfen sie die Eier in die Höhe und fingen sie wieder auf. Zuletzt wurdendie Eier gegessen, die Schalen zerrieben und auf dem Feld zerstreut. Das Ei als sinn-fälligstes Zeichen für die Erneuerung und Weitergabe des Lebens kennen wir in solcherFunktion auch aus anderen Ländern.
In Masern und Göttenitz legte man sich nach der Bestellung des Erdäpfelackers aufden Boden und sagte:„, So große Erdäpfel wie mein Kopf." In Hohenegg mußte mansich am Schluß der Ackerarbeit niedersetzen. ,, Wie schwer man niedersitzt, so schwerwird das Korn." Ähnlich erzählte man mir in Nesseltal, daß man sich dort auf seineKehrseite im Acker niedersetzen müsse, dann bekäme man große Kartoffeln. Um großeRüben zu erzielen, mußte man sich in Koflern beim Säen tüchtig streiten. Im Hinterlandaber sagte man, man müsse beim Setzen der Kürbiskerne gewaltig lügen. Je größer dieLüge, desto größer werden die Kürbisse. Wie man sieht, ist das Vorbild für die Größen-maße des künftigen Wachstums recht verschieden, der Grundgedanke aber immer der-selbe. Bei den letzten Beispielen dürfte auch ein Schuß Schalkhaftigkeit eingeflossen sein.Das Endergebnis insgesamt aber hoffte eine Handlung zu bestimmen, die Tschin-kel( S. 22) mitteilt:„ Soll die Ernte reichlich ausfallen, dann muß die letzte Furche inder Richtung gegen das Dorf: gezogenwerden."
5. Aussaat
Wenn man den Samen der Erde anvertraut, ist das Erste davon besonders bedeu-tungsvoll. Darum wird auch das geweihte Korn aus den drei Weihnachtsnächten unterdie erste Aussaat gemischt. Im Suchener Hochtal( Gehag, Merleinsraut und Obergras)hatte man im österlichen Weihkorb auch drei Kartoffeln. Diese kamen beim Setzen indie ersten drei Löcher.
Vor allem gilt der ersten Furche, die man zieht, mannigfache Segenshandlung. InKatzendorf legte man Krautpflanzen in diese übers Kreuz und ackerte dann. In den vierOrten Grafenfeld, Mrauen, Rieg und Obergras erfuhr ich, daß man den kleinen Fichten-zweig, den man zu Weihnachten zum Sprengen des Weihwassers nahm( gerne vomChristbaum), dann aufbewahrte und in die erste Furche legte. Sonst sind es meist dieKätzchen( ,, Mutzen“) von den geweihten Osterpalmen. 29 Manchmal kommen auch„ ge-weihte Knochen" dazu, nämlich die Knochen vom Ostermahl( Prerigl). Auch Weih-wasser sprengt man in die erste Furche.
Die Beobachtung des zu- oder abnehmenden Mondes sowie der Tierkreiszeichen fürden Zeitpunkt der Aussaat ist in der Gottschee die gleiche wie anderswo. Eine Besonder-heit scheint mir ein auf die Sonne bezüglicher Glaube zu sein. Beim Aufgang am Oster-morgen dreht sich die Sonne, das wird in vielen Gegenden erzählt. In der Gottschee istdas von Einfluß auf die Krautpflanzen, weshalb man da zuerst Kraut setzt.„ Die ersteFrucht ist gut, wenn sich die Sonne dreht"( Altlag). Meist wird sonst das Zunehmen desMondes mit einem guten Wachstum jener Pflanzen in Verbindung gesetzt, die ihre
29 Kukendorf, Koflern, Suchen, Verdreng, Graflinden, Prerigl, Stockendorf, Reichenau,Gehag bei Tschermoschnitz, Tschermoschnitz.
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