Rieg und Obergras nannten aber direkt den eigentlichen Zweck, daß diese Körner dannim Frühjahr unter die Aussaat gemengt werden. 26 Auch wo es nicht direkt ausgesprochenwar, ist der Zweck wohl der gleiche gewesen.
Auf dem Tisch liegt bis Dreikönig auch ein höchst bedeutungsvolles Gebildbrot, dersogenannte ,, Shiplink". Von ihm verzehren dann am Dreikönigstage alle Hausgenossen,aber auch alle wichtigen Haustiere, in Mahlgemeinschaft ein Stück. Auf dem Shiplinksind aus Teig verschiedene Figuren aufgeklebt. Vor allem ein„, Kranzerl", ein ringförmi-ges Gebilde, innerhalb dessen sich ein Christkind oder eine Krippennachbildung be-findet, ferner sogenannte„ Tauben". In Morobitz wurde die Teigkrippe nicht verzehrt,sondern aufgehoben. Wenn die Frau das erste Korn aussäte, kam die Krippe in denSäkorb für Weizen. In Rieg hob man den Kranz auf und legte ihn zuunterst in denSäkorb, in Göttenitz Taube und Kranzl„ gegen Ungewitter und für den Segen Gottes".Die 1849 geborene Mutter meiner Gewährsfrau aus Lienfeld hatte ihrer Tochter ofterzählt, daß vor ihrer Zeit mit dem Kranz bei der Aussaat etwas gemacht wurde. DieserBrauch bestand also offenbar nur mehr in letzten Resten, seine Bezeugung ist aber dochunbezweifelbar.
Wichtige Vorfrühlingsbräuche, bei denen der Gedanke an Wachstum und Frucht-barkeit im Vordergrund steht, spielen sich im Fasching ab. Dazu gehört das symbolische,, Vorpflügen" im Pflugumzug, über das ich gesondert berichten möchte. In solche Zu-sammenhänge gehört es auch, wenn mir Gewährsleute aus Katzendorf und Hinterbergberichteten, am Faschingsdienstag werden die für den Samen bestimmten Maiskörnervon den Kolben abgerieben. Tschinkel( S. 7) bestätigt das aus Schäflein. Dortwurden am Faschingsdienstag nicht nur Kukuruzkolben abgerieben, sondern auch dieSaatbohnen ausgelesen und Krautstengel gesetzt. Wahrscheinlich würde man nochweitere Belege erfahren, wenn man gesondert darnach fragte. Aus Grodetz erzählte manmir, daß der Topf, in dem am Faschingsdienstag gekocht worden war, im Frühjahr zumAussäen der Möhrensamen verwendet wurde.
4. Vorbildhandlungen
Schließen wir hier gleich jene Handlungen an, die als Kraftentfaltung oder Vorbild-wirkung wachstumsfördernd gedacht sind, weil ein Teil von ihnen auch in die Faschings-zeit fällt.
Die bekanntesten von ihnen hängen mit dem Tanzen im Fasching zusammen. Weitverbreitet ist der Glaube, daß starkes Tanzen im Fasching- also das Entfalten beson-derer Kraft und Aktivität das künftige Wachstum günstig beeinflußt. 27 Bereits zuden Vorbildhandlungen gehört es, wenn das Hochspringen im Faschingstanz auch alsMaß für das Höhenwachstum des Getreides gilt.
In der Gottschee finden wir das starke Tanzen vor allem mit dem Gedeihen derRüben verbunden. In Mairle, Stockendorf, Komutzen und Ebental sprach man nurdavon, daß die Rüben gut werden, wenn im Fasching viel getanzt wird. In neun Ortenaber sind es die Masken, deren Kommen man gerne sieht, weil ihr Tanzen das Rüben-wachstum fördert. 28 In Mösel und Prerigl mußte die Hausfrau selbst mit den Masken zudiesem Zwecke tanzen. Die besondere Kraft der Maskierten letztlich sind sie ja ,, Ver-
26 Z. B. Rieg:„ Körner von Weizen und Kukuruzkolben, auch zur ersten Aussaat ge-nommen; von jeder Gattung Korn." Obergras: ,, Weizen, Kukuruz, Kartoffel auf den Tisch; daswar das erste, das ausgesät wurde." Göttenitz:" Von jedem Getreide eine Handvoll in dieAussaat".27 Vgl. dazu R. Wolfram, Die Volkstänze in Österreich und verwandte Tänze inEuropa, Salzburg 1951, S. 43 f.
28 Masereben, Gehag bei Merleinsraut, Merleinsraut, Mrauen, Mösel, Unterlag, Neugereut,Prerigl, Katzendorf.
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