len, Rüben und Kraut gebaut. Sie bilden neben Kartoffeln und Mais die Hauptnahrungder Gottscheer Bevölkerung." 16„, Im Gartlein beim Haus waren die Heilkräuter,Kamille, Salbei, Majoran"( Klindorf).
In sonnigen, geschützten Lagen gab es gutes Obst. Im Frühjahr waren die Dörfervon dessen Blütenwellen umrahmt. Selbst heute noch, wo von vielen Ansiedlungen nichteinmal mehr Mauerreste vorhanden sind, bezeugen noch die Obstbäume die einstigenWohnstätten. Das sonnige Gelände um Mairle, das nur etwa 300 m hoch liegt, erlaubteauch einen Weinbau. Der hier gefechste ,, Rote" wurde nicht ausgeführt, sondern von denGottscheern selbst verbraucht.
Die Fruchtfolge war nicht einheitlich, sondern richtete sich nach dem Boden und derBesitzgröße. Brache war zumeist nicht üblich.„ Jeder Bauer wußte, in welcher Folge erwelche Frucht bauen muß. Der Wechsel war unterschiedlich nach dem Ackerland derBesitzer. Dementsprechend mußte auch gedüngt werden. Wenn da Klee war, hat man imnächsten Jahr, türkischen Woize'( Mais) gebaut. Der Bauer hat sich im Winter mit seinerFrau beraten, was an welcher Stelle gebaut wird. Nach den Erdäpfeln kam Klee, denman mit Hafer zusammen säte. Nach der Haferernte ist der Klee geblieben. Das wardrei bis vier Jahre so. Baute man Kukuruz, brauchte das sehr viel Mist. Roggen bauteman je nach der Lage. Im Hinterland ist nur Sommerweizen gegangen. Ein großer Be-sitzer hat auch mit dem Kukuruz nach einem Jahr gewechselt, der kleine hat einige JahreMais gebaut, aber sehr stark gedüngt. Im Herbst hat man den Klee hinein, wenn einAcker bereits gemacht war. In den Winterweizen hinein Klee. Luzerne ist aber nichtunter das Getreide gesät worden, nur Rotklee. Luzerne hat mehr Eiweiß gehabt, das warfür die Milchkühe gut. Aber Klee hat man nicht allein gefüttert, immer gemischt. BeiPferden aber schon mit reinem Klee.
Der erste Kunstdünger kam um 1907( Phosphor und Kali), er wurde zuerst auf den, Heufeldern verwendet. Chilesalpeter. Kali hat den Äckern am meisten gefehlt. Thomas-mehl. Das kam mit der Errichtung der Landwirtschaftsfiliale in Gottschee. Der Bauer hatsich das früher gar nicht kaufen können. Er bekam Subventionen von der Südmark. Daswar gegen 1914. Ein Fachmann, der Pregel, hat Vorträge gehalten und die Leute ange-lernt. Er war aus der Steiermark. Nach dem Ersten Weltkrieg kam ein anderer, dieBauern waren aber erst sehr miẞtrauisch"( Aussagen einer Gruppe von Gewährsleuten1974).
Auch der Waldreichtum des Landes brachte zusätzlichen Verdienst: als Forstarbeiterund Heger in den Auerspergischen Waldungen, als Sägewerksarbeiter und beim Holz-kohlenbrennen. Schlägerungen aus eigenen Wäldern warfen erst in der Spätzeit mit ihrenneuen Transportmöglichkeiten einen merkbaren Nutzen für den bäuerlichen Besitzer ab,der in den Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg nicht selten auch zu Überschlägerungenführte. Willkommene Zusatznahrung brachte auch die Jagd.
3. Zusätzliche Erwerbsquellen
Schon ein Urbar von 1574 spricht davon, daß der Boden den Gottscheern wenigErtrag liefert und die Menschen sich„, härtiglich“ und„ mit den Hauen" ernähren muß-ten; also der Pflug nicht überall ansetzbar war. 17 Dazu traten noch geschichtlicheSchicksale. Im 15. Jahrhundert begann die in der Sprachinsel 125 Jahre dauernde Tür-kenzeit mit zuweilen fast jährlichen Heimsuchungen. Siebenmal brannte der HauptortGottschee, erstmals beim Einfall 1469, und wurde gleichwohl immer wieder aufgebaut.
16 Grothe( vgl. Anm. 13), S. 151.
17 Grothe( Anm. 13), S. 149.
19