sie schon tief hinuntergestochen und kein Wasser ist mehr gekommen. In einer Lebenszeitist das Grundwasser über einen Meter gesunken. Auf anderen Böden war es noch mehr".
Bringt es die Bodenbeschaffenheit mit sich, daß nicht nach Belieben zusammen-hängende Ackerflächen zur Verfügung standen, sondern Mulden und Dolinen ausge-nützt werden mußten, da wo sie eben vorhanden waren, so wurde die Streuung derAcker noch verschärft durch die Güterzersplitterung infolge von Erbteilung. Das ergaboft weite Wege zum Arbeitsplatz. Die Erbteilung herrschte bis gegen 1900, doch wurdedie Lebensgrundlage der einzelnen Wirtschaften immer wieder einigermaßen durchRodungen aufgestockt. Gegen die Jahrhundertwende gingen die Gottscheer dann zumAnerbenrecht über. Da hatte die seit den achtziger Jahren stark fühlbare Amerikaauswan-derung den Bevölkerungsüberschuß auch schon abgeschöpft.
Abgesehen von der Stadt Gottschee( etwas über 3000 Einwohner), in welcher Wirt-schaftsunternehmungen, Verwaltung und seit 1872 sogar ein Gymnasium für das Ent-stehen einer gehobenen Schichte sorgten, 12 hausten die Gottscheer in Dörfern undWeilern. Überwiegend waren sie Klein- und Mittelbauern. Ein manchmal gar nicht sogeringer Bodenbesitz brauchte nicht viel zu besagen, wenn er zu bedeutenden Teilen ausmagerer Hutweide oder Wald bestand. Denn der Wald war früher nicht ertragreich. Erstals 1893 die Stichbahn von Laibach nach Gottschee gebaut wurde, konnte es zu einerrationellen Waldverwertung kommen.
Die größte Bedeutung hatten die Gottscheer Wälder aber für das Klima. Sieschützten vor Austrocknung und Humusverlust. Die stellenweise noch fast urwaldartigenForste beherbergen auch ein reiches Tierleben. Wolf, Luchs und Bär sind keine Seltenheitund man kann im Gespräch mit Gottscheern fast aus jedem Munde Bärengeschichtenhören, häufig selbsterlebte. Es wird aber auch kaum Gottscheer geben, für welche derFang von Bilchen oder Siebenschläfern kein Gegenstand fröhlichen Erinnerns wäre.Diese possierlichen, flinken Nagetiere mit ihrem geschätzten Pelz und wohlschmecken-dem Fleisch hausen gerne in Löchern und hohlen Baumstämmen. Ihr nächtliches Treibenverband sich mit manchen Vorstellungen eines Naturglaubens bis hin zu Sagen vom,, Bilichmandl", einem geisterhaften Herrn dieser Tiere. Die Gottscheer blieben demElementaren nahe.
2. Die Landwirtschaft
Industrie im eigentlichen Sinne gab es in der Gottschee nur spät und spärlich. DerLebensunterhalt wurde soweit es ging aus dem Boden des Landes gewonnen, wobeiZusatzmöglichkeiten genützt werden mußten. Aber der bäuerliche Betrieb war Natural-wirtschaft, kaum Marktwirtschaft.
Wie es um die Besitzverhältnisse stand, lassen Erhebungen von 1940 aus den Groß-gemeinden Mösel und Rieg erkennen, die H. Otterstädt 13 anführt. Das war kurzvor dem Ende der Sprachinsel. Die Bewohner sind einzuteilen in Keuschler mit einemBodenbesitz bis zu 1 ha, die zur Gänze auf anderen Erwerb angewiesen sind. DannKeuschler mit 1-5 ha Besitz, die wenigstens teilweise einen Nebenerwerb haben müssen.Besitzgrößen von 5-10 ha sind Zwergbauern, die im Winter zusätzlich Heimarbeit aus-
12 Vom Bildungsdrang der Gottscheer zeugt, daß aus dem nur aus 22 Häusern bestehendenOrt Lichtenbach, der erst 1885 eine einklassige Volksschule bekam, 12 Akademiker hervorgingen.13 H. Otterstädt, Gottschee, verlorene Heimat deutscher Waldbauern, Freilassing1962, S. 30. Über die Verhältnisse unterrichtet auch das genannte Buch von Hauffen, ferner:H. Grothe, Die deutsche Sprachinsel Gottschee in Slowenien, Münster 1931; dann derArtikel Gottschee" im Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, Bd. 3, Breslau1938; zuletzt K. H. Podlipnig, Wirtschaftsgeschichte der deutschen Sprachinsel Gottschee,Innsbruck 1968.
2 Wolfram
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