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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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Die letzte Gelegenheit dazu bot sich mir in zwei Herbstwochen des Jahres 1941.Nach einer mehr als 600jährigen Geschichte stand die Gottschee vor der Räumung, dennder südlich von Laibach an der Grenze zwischen Slowenen und Kroaten gelegene Außen-posten sollte im Zuge der großen Umwälzungen des Zweiten Weltkrieges an das deutscheGebiet herangeholt werden; das bisherige Gebiet beanspruchten die Italiener. Ichkonnte, wenn auch zum Teil schon unter Schwierigkeiten, noch durch die großen Tal-becken dieser Landschaft fahren und sehen, was dieser Neustamm im Laufe der Ge-schichte aus diesem Urland gemacht hatte und wie er dabei doch immer noch eingebettetwar in eine gewaltig gebliebene Natur, inselhaft zwischen Bergzügen und dem grünenMeer unbezwungener Wälder und ihrem Getier. Weltentrückt lagen die Dörfer undWeiler verstreut und versteckt und das Land als ganzes fern von allen Hauptverkehrs-linien; alles auf sich gestellt. Ich begann zu verstehen, daß die Sprachwissenschaft selbstin diesem umgrenzten Raum sechs oder sieben Untermundarten feststellen konnte. Wieaber, wenn dergleichen auch für die übrige Volkskultur Geltung hätte? Eine Frage, dienoch niemandem gekommen war.

Als ich in die Gottschee fuhr, dachte ich, alles volkskundlich Wesentliche stündebereits in den Büchern von Hauffen und Tschinkel, zumal Tschinkels Buchdie Ernte aus 27jähriger Arbeit im Lande selbst war. Neues Forschen könnte höchstensergeben, wie viel von dem hier Veröffentlichten noch lebendig und was schon versunkenwar. Nun aber war die Frage nach einer Regionalgliederung der Volkskultur geweckt.Ich begann also und stieß gleich zu Anfang darauf, daß Hauffen und Tschinkelkeineswegs im ganzen Lande gesammelt hatten, sondern nur in einzelnen Gegenden. Eingroßer Teil der Sagen, welche bei Tschinkel abgedruckt sind, stammt z. B. voneiner einzigen Gewährsfrau, der 1827 geborenen Magdalena Stampfl. Es ist eine merk-würdige Fügung, daß ihre Enkelin auch eine meiner Gewährsfrauen wurde und ich durchsie auch über diese wichtige Quelle Tschinkels Näheres erfuhr. 8 Zu meiner Über-raschung fand ich gleich bei den ersten Probebefragungen so viel Neues und in derLiteratur Unbekanntes, daß mir klar wurde, eine Gesamt- Bestandsaufnahme, zumal mitmodernen Methoden und Fragestellungen, wäre dringend geboten. Es mußte eine flächen-hafte Befragung sein, sollten die vermuteten unterschiedlichen Landschaften hervortreten.Bei meinen Vorgängern standen Lied und Volkserzählung im Vordergrund des Interesses.Ich wählte das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum. Hier war am meisten Neues zu erwarten, am ehesten auchörtliche Besonderheiten.

Ein solches Großunternehmen konnte nicht in wenigen Wochen durchgeführt wer-den. Auch war alles schon von Aufbruchsstimmung überschattet, die Umsiedlung standvor der Türe. So befragte ich als Stichproben sieben Ortschaften in verschiedenen Teilender Sprachinsel. Ferner gab ich einen Fragebogen an die Lehrer in mehreren Orten aus.Meine Vermutungen bestätigten sich, es gab offenbar landschaftliche Unterschiede. Undaußerdem hielt ich schon nach diesen wenigen Proben kostbare Funde in Händen.

Aber es ging nicht weiter. Mich riefen die Wiener Pflichten, die Gottscheer warenmit dem Versuch beschäftigt, in der ehemaligen Untersteiermark eine neue Heimat zu

7 K. H. Podlipnig, Wirtschaftsgeschichte der deutschen Sprachinsel Gottschee, Diss.Innsbruck 1968, S. 158-170: Umsiedlung und Ende von Gottschee.

8 Die Großmutter konnte weder lesen noch schreiben, soll aber klug wie ein Advokatgewesen sein. Auch ihre Enkelin, meine Gewährsfrau Magdalena Schusterschitz aus Göttenitz,war eine ungewöhnliche Frau und glänzende Erzählerin, die nicht nur für ihre eigenen Kinderals Näherin getreulich sorgte, sondern auch für die Waisen ihres Bruders, und dabei ihr Augen-licht so opferte, daß sie abends nichts mehr sieht. Aber sie hat innere Gesichte und Träume undweiß ausgezeichnet Bescheid in der Überlieferung. Durch sie kann man vieles bei Tschinkellokalisieren. Dies nur als ein Beispiel für die Menschen, deren Welt sich einem nun erschloẞ.

Ebental, Altlag, Masereben, Morobitz, Grafenfeld, Hohenegg und Ober- Mösel.

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