als ein halbes Jahrtausend behauptet hatten. Mit diesem Buch möchte ich auch meineJubiläumsgabe darbringen.
Wie kam ich nun zur Gottschee? Bereits am Anfang meiner volkskundlichen Arbeitüberhaupt stand alsbald die Feldforschung. Nach einem stichprobenartigen Vertraut-werden mit der Volkskultur meiner engeren Heimat und den Anregungen, welche ichdurch jährlich wiederholte Besuche in Skandinavien erfuhr, schwebte mir schon baldeine vergleichende europäische Forschung vor. Die Probe aufs Exempel war zunächstdas Verfolgen eines einzigen Themas erst im deutschen Sprachraum und dann in unseremganzen Erdteil. Es galt den Schwert- und Reiftänzen und den sie tragenden Zusammen-schlüssen von Männern. 2 Im Laufe dieser Arbeit fuhr ich im Winter 1929/30 in dienoch aus dem Mittelalter stammende Kremnitz- Probner- Sprachinsel in der Slowakei.Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen, ich konnte zwölf Varianten des Schwerttanzesund einen Reiftanz aufzeichnen. Das öffnete mir den Blick dafür, welche volkskund-lichen Schatztruhen diese in anderer Umwelt lebenden Außensiedlungen unseres Volkesdarstellten, zumal wenn es sich um größere und alte Siedlungen handelte. Sie spiegelnin vielen Zügen eine Welt, die bei uns bereits der Vergangenheit angehörte, dort abernoch erlebbar war. Dabei sind die Sprachinseln aber keine bloßen Einbahnstraßen in dieVergangenheit. Eine oft sehr andere Natur, in welche diese Menschen versetzt wordenwaren, andere Lebensbedingungen und schließlich die Kultur und Wirtschaftsweise derumgebenden Völker verlieh dem Sprachinseldeutschtum andere Farbtöne. Bewahren undEntwicklung verschmolz zu einem neuen Mosaik. Nicht selten bedeuteten diese Berüh-rungszonen im gegenseitigen Anregen auch eine Steigerung der Volkskultur aller Betei-ligten beim Geben und Nehmen, ohne daß der Kern ausgelöscht wurde. Sehr deutlichwurde mir das z. B. in Siebenbürgen.
Unter den Sprachinseln aus alter österreichischer Wurzel waren es zwei Gruppen,die in meinen Augen von einem besonderen Schimmer umgeben waren. Die eine warendie das sogenannte„, Zimbrische" sprechenden Dörfer im Trienter Bergland und nördlichvon Verona. Ihre Kultur wurde zuletzt von Bruno Schweizer untersucht. Seinnachgelassenes vielbändiges Manuskript über die„ Zimbrische Volkskunde" ruht leidernoch ungedruckt beim Deutschen Sprachatlas in Marburg. Ich selbst konnte von diesenSprachinseln nur die Sieben Gemeinden, Lusern und das Fersental kennenlernen, meineAufzeichnungen aus Palai und Florutz erschienen 1948.3
Der zweite, mich besonders anziehende Bereich war die Gottschee. Man hatte dieBallade von der Meerarin" im Ohr, in der man einen Nachklang der mittelhoch-deutschen Gudrunsage erblickte. Man kannte aus verschiedenen Veröffentlichungen vonK. J. Schröer aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, 4 vor allem aber ausdem großen Buche von Adolf Hauffen, 5 Teile eines Liederschatzes, der in seinerEigenart einmalig war und Licht auf die Frühgeschichte des mitteleuropäischen Volks-gesanges warf. Was darüber hinaus noch bei Hauffen und Wilhelm Tschinkel 6besonders an Sagen und Volkserzählungen zusammengetragen war, rundete das Bildeiner großartigen Kulturlandschaft. Was Wunder, daß ich schon lange den Wunsch hatte,diese so weitgehend in sich geschlossene Landschaft selbst kennenzulernen.
2 R. Wolfram, Schwerttanz und Männerbund, Kassel 1936/37.
3 R. Wolfram, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube im obersten Fersentale( Palai, Florutz),in: Beiträge zur Volkskunde Tirols, Festschrift f. H. Wopfner, Schlern- Schriften Bd. 53, Inns-bruck 1948, Bd. 2, S. 299-326.
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4 Vor allem K. J. Schröer, Wörterbuch der Mundart von Gottschee, Wien 1870.
5 A. Hauffen, Die deutsche Sprachinsel Gottschee, Graz 1895.
6 Wilhelm Tschinkel, Gottscheer Volkstum, Gottschee 1931.