Hochzeit
Bei Hochzeiten wurde geschossen, früher waren es Böllerschüsse. Da nach KriegsendeSchießen verboten war, wurde jetzt auf andere Art Lärm gemacht, besonders am Vortagdes Hochzeitstages, der daher seinen Namen„ Polterabend" hat. Diese Lärmsitten sind wohlals Überreste eines alten Glaubens zu werten, der mit dem Lärm Böses, Dämonen, wieder-kehrende Tote usw. fernhalten wollte.
Ihrem Ursprung nach kann man die Hochzeitsbräuche in drei Gruppen einteilen:Rechtshandlungen, Trennungs- und Aufnahmeriten, Abwehr- und Segensriten.
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Zu den Rechtshandlungen gehört die Verlobung. Diese wird auch jetzt gerne,wenn die jungen Leute schon längst einig sind, in die rechte Form gebracht. Im Bereichder Donauschwaben kommt den Paten die Aufgabe zu, die Einwilligung der Eltern zurHochzeit zu erbitten. Sie besprechen dabei allenfalls den Ablauf des Festes, die Kosten-und die Vermögensfragen. 768) Das„ Fragen“ übernimmt bei den Siebenbürger Sachsen derWortmann", der meist ein Verwandter ist. In alter Form begehrt er etwa:„ Ihr solltunsere Bitte nicht abschlagen, sondern uns vielmehr als gute Leute und Freunde auf-nehmen“. Sind die Eltern einverstanden, sprechen sie:„ Wir sind zufrieden, wir gebenunseren Willen darein." Dann fordert der Brautwerber alle auf, einander die Hände zugeben und den Bund mit Handschlag zu besiegeln. Danach wird die Verlobung mit einemImbiß gefeiert. 769) In der Slowakei versammelten sich im Hause der Braut der Bräutigam,seine Eltern und der„ Wünscher". Nach gemeinsamer Mahlzeit wurde in alter Zeit dieBraut geholt. Sie war inzwischen in ihrer Kammer geschmückt worden. An ihrer Stellewurde zuerst ein kleines Mädchen entsendet, das mit einem Geschenk schließlich als falscheBraut abgefertigt wurde. Die Richtige kam danach mit ihren Begleiterinnen, die alleKerzen trugen. Sie bildeten einen Kreis, in dessen Mittelpunkt das Brautpaar trat. DerWünscher faßte ihre Hände und sprach dabei den Wunsch. Dann nahm er die FlascheSchnaps vom Tisch und schenkte sich ein und sagte:„ Wie fest ich dies Glas halte, so festsollt ihr den Ehestand halten. Hilf Gott!" Hierauf tranken alle von dem Schnaps. Mitdem Ehestandslied wurde die Verlobung geschlossen. 770) Gerade der Umtrunk ist eineBestätigung des Rechtsbrauches bei der Verlobung. Die Verlobungsgeschenke der Braut-leute sind als Ehepfand zu betrachten. Der Ring spielt dabei eine große Rolle.
Am Sonntag vor der Hochzeit findet nach alter Überlieferung das Sträußerl-oder Kranzelabbinden im Hause der Braut statt. Dazu kommen die Mädchender Böhmerwaldsiedlung in Linz zusammen und binden die nötigen Kranzerln undSträußerln aus Rosmarin. Dabei sind sie recht fröhlich. Dieses Kranzelbinden ist mit demTragen der Haussteuer verbunden. Auch heute wird noch zu jeder Hochzeitin der Nachbarschaft ein Geschenk gebracht. In einem geeigneten Raum wird dazu einegroße Tafel gedeckt und jeder aus dem Freundeskreis, der Nachbarschaft oder Verwandt-schaft, der mit einem Geschenk ankommt, wird in die Stube gebeten und zum Essen auf-gefordert. Es gibt Käse, Butter, Fleisch, Wacken( Guglhupf) und Krapfen. Je nach demGeschenk und der Größe der Familie zu Hause, wird etwas an Kuchen und Eẞwerkmitgegeben. 771) In Teplitz beispielsweise war der„ Kränzelabend" am Abend vor derHochzeit. An diesem Abend wurde ein Kränzel für Braut und Bräutigam und einRosmarinsträußerl für alle Gäste gebunden. 772) Die„ Brautmoidla" oder Kranzljungfern Glossar ::: zum Glossareintrag KranzljungfernWestböhmens hatten alle Hände voll zu tun, während des feierlichen Brautauslösens alleledigen Burschen mit Armkränzen und Rosmarinsträußerln, welche angenäht wurden, zu
768) Familien Moser, Neu- Ruma, Hager, St. Martin.
769) K. Klein, Fabrikskaserne, Linz.
770) Karpatendeutsches Kulturerbe, Beilage zur„ Karpatenpost", Okt. 1958, S. 3.771) H. Hager, St. Martin bei Linz.
772) G. Laube, wie 329, S. 34, 35.
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