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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
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Oft ist es auch Brauch, um Mitternacht das Licht abzudrehen. Manche Gasthaus-besucher trommeln auf den Tisch, was vielleicht als Rest eines alten Übergangsbraucheszu werten ist, oft aber auch die Schläge der Uhr symbolisieren sollen. 716)

Das Lebensbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Lebensbrauchtum

Soweit die Feste des Lebens auf die Sippengemeinschaft beschränkt sind, erhieltsich auch hier überliefertes Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum und damit lebendiger Glaube besser. Sitten, die mitder Geburt, mit der Taufe, Liebe, Ehe, sowie mit zahlreichen Wechselfällen des Lebens,wie Glück und Unglück, Krankheit und Tod zusammenhängen, sind so zahlreich undunterschiedlich, daß auch nur einige Beispiele herausgehoben werden können, die aberein beredtes Zeugnis für die reiche Überlieferung abgeben können.

Allen Festen gemeinsam ist die Verwendung verschiedener Symbole. Geburt,Hochzeit und Tod bedeuten Anfang, Ende oder einen bedeutenden Übergang im mensch-lichen Leben und darin sieht der Mensch Gefahren. Diesen begegnet er in gläubigemSinn seit altersher mit verschiedenen Handlungen, die dem Reiche des Aberglaubens, jaauch zuweilen des Zaubers zuzuweisen sind. Diese altertümlichen Schichten wurden viel-fach vom christlichen Kult, Denken und Glauben überdeckt. Ein fester Bestandteil desLebensbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Lebensbrauchtums ist das gemeinsame Mahl. Vorzeichen und Orakel gewinnen an Bedeu-tung. Wesentlich sind auch die Rechtsbegriffe, Rechtshandlungen, Zeugen, Verträgeu. a. m. Auffallend im Lebensbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Lebensbrauchtum ist das starre Beibehalten bestimmter Formen,formelhafter Reden und Handlungen. 717)

" 718)

Im Volkskunstschaffen ist das Symbol des Lebens ein Zweig, ein Sproẞ, ein Baumoder eine Blume. Diese Rolle des Lebensbaumes" oder der Lebensrute" nimmt bei allenVolksdeutschen Südosteuropas die Pflanze Rosmarin ein. Sie gilt bei allen alsZeichen der Liebe, Treue, Ehre, ja des Stolzes, aber auch der Trauer. Deshalb suchtendie Flüchtlingsfrauen sich diesen Glücksstrauß in den österreichischen Gärtnereien gleichzu beschaffen. Wir folgen der Schilderung einer Donauschwäbin aus Graz:... ObwohlRosmarin in Österreich nur selten anzutreffen ist. Es hat zwar viel Mühe gekostet undalle Grazer Gärtnereien mußten abgestreift werden, bis man endlich eine kleinen Stockfand. Er war zwar etwas krumm, doch die Hauptsache, es war ein RosmarinDer oft ein bis zwei Meter hohe Strauch wird in Linz und Umgebung im Sommer in denGarten gesetzt oder in Töpfe gepflanzt. Die Urheimat dieser harzigen, aromatischen, blaubis violett blühenden Pflanze mit ihren silbrig grünen Blättern liegt in den Mittelmeer-gebieten. Als Honigspender wurde sie schon bei den Ägyptern kultiviert und nahm ihrenWeg über die Alpen durch die Römer, wurde aber vielleicht erst durch die Benediktiner-mönche nach dem Norden gebracht. Die Pflanze war der Göttin Aphrodite geweiht unddiente Menschen und Göttern als Schmuck. Sie fand Verwendung als Gewürz- und Heil-pflanze. Aus Romarinöl gewann man im 16. Jahrhundert das erste destillierte Parfum.Zu Berühmtheit gelangte Aqua Reginae Hungariae, das königlich ungarische Wasser, dasaus frischen Rosmarinblüten mit Alkohol destilliert wurde. Als bestes Rosenöl gilt dassüdfranzösische. Das meiste wird in Dalmatien hergestellt, wo jährlich 18.000 bis20.000 kg Rosenöl gewonnen werden. 719)

Nach der Taufe, wenn alle Gäste beim Kindmahl sitzen, steht als Schmuck undZier ein Rosmarinstock am Fenster. Dieser durfte in keinem donauschwäbischen Hausbei diesem Anlaß fehlen. 720) Deshalb fehlt er auch in keinem Garten in und um Linz.In der Caritassiedlung St. Martin bei Linz, die aus 14 Häusern besteht, aus denen

716) Egerland- Jugend, wie 332.

717) Vgl. H. Grünn, Donauschwäbische Siedlung Neu- Ruma, wie 63, S. 432 f.

718) Neuland", 2. Jg., Nr. 45, 19. Nov. 1949.

719) G. Hegi, Illustrierte Flora von Mittel- Europa, Bd. V, 4. Teil, S. 2518.720) Allgemein, Anna Honig, Lager 65.

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