In Linz nehmen die Siebenbürger Sachsen an den allgemeinen Totenfeiern, die von allenLandsmannschaften gemeinsam veranstaltet werden, teil.
Diese Totengedenkfeiern werden alljährlich im Waldfriedhof St. Martin am1. November nachmittag veranstaltet. Alle Flüchtlings- und Lagerseelsorger finden sichmit ihren Gläubigen zur Andacht beim„ Großen Kreuz" ein. Etwa 3-4000 Heimat-vertriebene gedenken ihrer Toten hier und in weiter Ferne. Die Musikkapelle der Donau-schwaben spielt einen Choral und das Lied vom guten Kameraden, das alle mitsingen.Danach legen die Vertreter der Landsmannschaften Kränze am großen Kreuz nieder.An diese allgemeine Feier reihten sich oft noch für einzelne Gruppen gesonderte an.So besuchte z. B. die Abordnung der Karpatendeutschen Landsmannschaft alle Gräberihrer Landsleute. 609)
In Steyr z. B. werden bei ihrem Grabmal für die in der Ferne begrabenen Landsleutezweiundzwanzig Kerzen und eine große Votivkerze alljährlich zu Allerheiligen ent-zündet. 610)
Solange die Lager bestanden erstrahlten ihre Totengedenkstätten besonders zu Aller-heiligen in Blumen- und Kerzenschmuck.
Winter
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Mit dem 1. Dezember fängt das Kirchenjahr an. Nun beginnt die Adventzeit, dieVorbereitung für das größte Fest: die Geburt des Erlösers. Noch einmal flackert dieLebenslust und Tanzfreude am Kathreintag auf. Adam Müller- Guttenbrunn meint,daß der Tanzteufel im Hause der Banater sei. Drei Nächte lang tollt das ganze Dorfaber dann ist alle Lustbarkeit vorbei. 611) Auch in Böhmen wurde einst zu Kathrein derletzte Tanz abgehalten;„ Kathrein stellt das Tanzen ein" heißt es allgemein; und im Eger-land:„ Zu Kathrein schaut da Schnäi zan Fensta ein" 812) Nach diesem altüberliefertenTanzverbot richtet sich der Verband der Böhmerwäldler, indem sie zum Kathreintanz ein-laden, an dem sich letztmalig im Jahr die Jugend zu fröhlichem Tanz vereint. In der Zipswar der Kathreintag mit dem Luciatag und Andreastag ein bedeutender Lostag. An diesenTagen fürchtete man besonders die Macht die Dämonen. 613) Kathrein war neben demFaschingstermin der beliebteste Hochzeitstag. 614) Auch bei den Siebenbürger Sachsenist der Kathreintag der altherkömmlichste Trauungstag. 615)
Nun, im Advent wird es in den Tanzsälen der Lager stiller. Noch besteht auch hierallgemeines Tanzverbot, wenngleich die Sitten nicht mehr so streng eingehalten werdenwie früher. Die Deutschen in Ungarn hüllten sich einst in dieser ernsten Zeit in dunklereKleider, um dies auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen. In den Lagerkirchen werden wiefrüher in den Dörfern Roratemessen besucht. Daheim wurde während der Messe dieSelchwurst gekocht, welche hernach als beliebtes Frühstück verzehrt wurde. 616) DerAdvent gilt auch heute noch als die heiligste Zeit im Jahr. Arbeitsverbote und teilweisesFasten blieben vielfach bestehen.
Trotz moderner Aufgeklärtheit der Jugend ist vom Aberglauben der Alten nochmanches erhalten geblieben. In der geheimnisvollen Zeit des Advent, und besonders inden Rauhnächten, spielt das Orakelbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Orakelbrauchtum eine große Rolle. Die bedeutendsten
609)„ Karpatenbote", Mitteilungen für die heimatvertriebenen, katholischen Karpatendeutschen. 5. Jg.,Folge 11, Nov. 1953.
112
610)„ Die Brücke“, Folge 43, 29. Okt. 1955.
611) A. Müller- Guttenbrunn, Deutsche Kulturbilder, wie 22, S. 45.
612) A. John, Sitte, Brauch, wie 546, S. 100.
613) J. H. Schwicker, Die Deutschen in Ungarn und Siebenbürgen, Wien 1881, S. 304.614) ebda S. 368.
615) ebda. S. 482.
616) ebda S. 373.