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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Trud vom Eindringen in das Haus abhalten. Aus dem gleichen Glauben enstanden, legteman einen Besen vor die Haustüre. Für den Fall, daß sie dennoch Kühe und Pferdeplagen wollte, steckte man eine Sichel in den Deckenbalken, damit sie sich daranaufreite. Man stellte sich vor, daß sie auf einem Besen einhergeritten käme, aber auchin Gestalt eines Strohhalmes erscheine. 509)

Am Morgen des ersten Mai mußten die Mädchen in ihrem eigenen Interesse rechtzeitlich aufstehen, möglichst ehe die Musik kam, um eventuell aufgestreuten Mist, Unrat,Stroh oder Erde vor dem Hause wegzukehren, ohne dabei gesehen zu werden.

In Böhmen wurde der Maibaum am letzten Sonntag im Mai umgelegt. Der Wipfelwurde abgesägt und mit Musik auf den Tanzplatz oder in den Tanzsaal gebracht unddort in der Mitte der Decke aufgehängt. Die Bänder wurden versteigert und von dieserEinnahme wurde die Musik bezahlt. 505)

Im Banat wurden nach ungefähr drei Wochen die Maibäume, bis auf einen vor derKirche, unter Musikbegleitung herausgerissen, wobei einer der Burschen im Namen seinerKameraden, einem verehrten Manne den Baum spendete und den so Beehrten hochleben ließ. Diese erwiesene Ehre brachte ein Geldgeschenk ein, das der Burschengemein-schaft gehörte. Der Maibaum vor der Kirche blieb bis zum letzten Maitag stehen. 510)

Im Lager 65 herrschte diesbezüglich noch ungebrochene Tradition. In diesem Wohn-lager mit seiner überwiegend donauschwäbischen Bewohnerschaft wurde in der Nacht zumersten Mai ein Maibaum vor dem Tanzsaal in der Lagermitte aufgestellt. Im Wipfelwaren eine Stange Salami und eine Flasche Wein eingebunden. Die Musikkapelle unddie Jugendgruppe in schwäbischer Tracht eröffnete den Festtag mit Musik. Am Nachmittaggab es den traditionellen Tanz um den Maibaum und ein Maibaumkraxeln. Am Abendwar jung und alt im Lagersaal zum Tanz vereint. Heimlich und leise wie er von denBurschen aufgestellt worden war, wurde der Maibaum nach zwei Tagen wieder abgetragen.

Aber durch Auswanderung löste sich die Musikkapelle im Lager 65 auf und sowurde in den Jahren nach 1953 kein Maibaum mehr aufgestellt. 511)

Im Barockzeitalter wurde der Monat Mai zum Marienmon at erhoben. Schonam ersten Abend fand daher eine feierliche Mai andacht statt. Die Marienverehrungwar bei den Volksdeutschen ziemlich bedeutend. Wir fanden Frauen und Mädchen nichtnur zu Gebet, Gesang und Litanei in der Kirche vereinigt, sondern auch beim sogenannten Bildbeten" in den Dörfern. Dort sang und betete man ohne Geistlichen, mit einemVorbeter. In Wien finden sich alljährlich die Heimatvertriebenen in der Augustinerkirche,im 1. Bezirk ein, um eine gemeinsame Maiandacht zu beten. Zur gleichen Andacht findensich die Landsleute aus den Siedlungen in Floridsdorf, wie aus den Lagern Hütteldorf undSimmering zusammen. Die Volksdeutschen in den Lagern um Linz schmücken ihre Lager-kirchen aufs prächtigste mit frischen, blühenden Blumen und nehmen in großer Zahl anden Maiandachten teil.

Pfingsten stellt einen Höhepunkt im Jahresbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Jahresbrauchtum dar, es ist Frühlings-und Kirchenfest. Die Auswanderungsgebiete Südwestdeutschlands, von wo einst die Sied-ler ihren Auszug nahmen, sind bis auf den heutigen Tag noch reich an Pfingstbräuchen.Von diesem Pfingstbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Pfingstbrauchtum hat sich der Komplex des Pfingstlümmels, derin Laub gehüllt oder bekränzt wird, in allen südosteuropäischen Siedlungsgebieten bestenserhalten und nun nach der neuerlichen Wanderung in ihre jetzige Umgebung rettenkönnen. Personen in Zweige und grünes Laub zu hüllen ist Frühlingsbrauch und hängtmit der alten Vorstellung von Sommer, Winter und den Vegetationsgestalten zusammen.

509) Handwörterbuch, wie 19, Bd. I, S. 245.

K. Juhasz, wie 381.

510) ders., S. 246.

511) Paul Gass aus Apatin, jetzt Lager 65.

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