Das Schmeckostern" Nordböhmens hat die gleiche Form wie im gesamtschlesischenGebiet. 490)
Überall werden die Burschen für den segenbringenden Wasserguß beschenkt, meistmit einem roten Ei. Im Banat bekamen sie jeder auch eine Blume angesteckt. Diesesteckten sie ins Knopfloch oder auf den Hut. In jedem Haus wurden die Burschenaußerdem mit einem Trunk und Gebäck bewirtet.
Dieser Brauch erhielt sich in den Lagern der Volksdeutschen in den beschriebenenFormen. Das Bespritzen der Mädel spielt sich im Lager Haid beispielsweise nicht mehr inden engen Barackenwohnungen, sondern öffentlich in den Gassen des Lagers ab.
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Der Verein der Siebenbürger Sachsen" in Linz, der als Nachbarschaft im altenSinn fungiert, hält auch an diesem Brauch fest. Etwa zwanzig Männer und Burschen,auch Angehörige der Siebenbürger Landsmannschaft, waren am 2. Osterfeiertag, deralten Tradition nach, nach Linz unterwegs zu den Mädchen und Frauen ihrer Vereinigung.Sie bespritzten sie mit„ Kölnisch- Wasser", dafür erhielten sie ein rotes Ei zum Lohn. 491)In der Siedlung der Siebenbürger Sachsen in Traun gehen Kinder und Burschen zubekannten Familien und ihren Mädchen und bespritzen, von der Hausmutter angefangen,alle weiblichen Bewohner. 492)
Die Deutschen Ungarns und der Slowakei gingen, um die Legende zu erfüllen, amOstermontag nach Emaus. Dies besorgten meist Bauer und Bäurin. Die schauten nachder Saat und steckten die am Palmsonntag geweihten Palmzweige in die Erde. Die Kinderaber gingen zu den Paten ihre Ostergeschenke abzuholen. 493) Die Weinbauern wandertenan diesem Tage in die Weinberge. Bei frohem Trinken, Spielen und Plaudern beendete manden Tag im Keller. 404) Diese Agrarkulturbräuche verschwanden. Verschwunden ist auchder Brauch der Siebenbürger Burschen, am Ostermontag nach einem Hahn zu schießen.Dabei wurden ihnen die Augen verbunden und sie mußten so versuchen den Hahn zutreffen. 495) In Rumänien gedachte man an diesem Tage auch besonders der Toten. 496)
Zur Tradition der Sudetendeutschen in Linz gehört es, daß am Ostersonntag oderOstermontag ein Ostertanz veranstaltet wird. Dabei werden bunt gefärbte Ostereierverschenkt, Volkstänze getanzt, Lieder, heimische Dichtung aus dem Osterbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Osterbrauchtum deralten Heimat zum Vortrag gebracht und schließlich wird im Kreise der Landsleute fröhlichgetanzt. 497) Auch die Bruderschaft der Nachbarschaft Traun veranstaltet alljährlich einenOstertanz. 492)
Eine neue Sitte der Donauschwaben ist es, wie zu Weihnachten und zum Jahres-wechsel auch Ostergrüße durch die Zeitung an Verwandte und Landsleute in allerWelt aufzugeben. 498)
Frühling
Der Blüte- und Wonnemonat Mai beginnt mit einem Festtag, dem 1. Mai. Dieserwurde in Böhmen einst„ eingeblasen". Mit Posaune und Pauke brachten Musiker vor denHäusern der Vornehmen drei Stücke dar. 499). In Reichenberg war das„ Mailieber- Singen"Brauch; nach einem Sprüchlein, das mit dem Anruf„ Mej, lieber Mej" beginnt. 500). Die
490) J. Hanika, Sudetendeutsche Volkskunde, wie 92, S. 20.
491) M. Kreutzer, Linz, Prof. G. Kelp, Linz.
492) M. Waretzi, Traun.
493) K. Kraushaar, wie 121, S. 42.
494) R. Hartmann, Deutsche Volkskunde, wie 407, S. 225.
495) M. Waretzi, Traun.
496) Neuland", Folge 16, 7. Jg., 17. April 1954.
497)„ Die Brücke", Folge 13, 1. April 1950, Folge 14, 5. April 1952.498) Z. B.„ Neuland" Nr. 16, 1960. S. 7.
499) G. Laube, Teplitz, wie 329, S. 40.
500) J. Hanika, wie 92, S. 20.
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