gefangen genommen und zum Tod auf dem Kreuz bestimmt war, die schmerzerfüllteMutter Gottes beschlossen habe, einen Versuch zu seiner Rettung zu machen. Sie färbteausgewählter Eier mit einem goldenen Pinsel und legte sie in ein goldenes Körbchen;sodann nahm sie eine schöne Henne und trug alles zu Pilatus hin. Vor diesem sanksie in die Knie und bat um ihren Sohn.„ Weine nicht", sprach jener,„ er hat ausgelitten,soeben hat man ihn zu Tode gemartert.“ Da sank sie wie vom Blitz gerührt zu Boden.Die Eier aus dem Körbchen rollten auseinander, in die ganze Welt. 469) Eine Variantezu dieser Erzählung kennt den Ursprung der Ostereier folgendermaßen: GutherzigeMenschen schenkten Kindern rot gefärbte Eier, und sie versprachen auch ihren Vätern,die eben über Jesus Gericht hielten, davon zu geben, um sie milde zu stimmen. 470) Eineweitere Erzählung berichtet, daß sechs Schwestern sich an ihrer siebenten rächen wolltenund ihre Schürzen mit Steinen füllten, um diese zu steinigen. Als sie jedoch nach ihnengriffen, hatten sie sich in rote Eier verwandelt. Das gefiel den Schwestern so, daß sie aufihre Rache vergaßen. Dies hatte sich an einem Ostersonntag zugetragen, und seither hältman an dem Brauch, rote Eier zu Ostern zu färben, fest. Eine andere Legende berichtet,die Eier seien vom Blut des Herrn Jesus Christus so rot gefärbt worden. Als er aus seinemGrabe auffuhr, rollten sie mit ihm aus dem Grabe heraus. 471)
Im Egerland kannte man auch den Brauch der Ostersaat. In Teller säte maneinige Tage vor Ostern Gerste, die bis zu den Feiertagen handhoch gewachsen war. 472)Dieser Brauch wird noch bei Egerländer Familien in Linz geübt. 478)
Trotz kirchlicher Verbote konnte sich das Osterbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Osterbrauchtum um die Ostereier auch inBessarabien erhalten 474).
Im Banat hatte der Osterhase nicht nur für die Kinder, sondern auch für die„ Große Madl“ eine Bescherung. Ihnen oblag es ja, auf Reinlichkeit und Sauberkeit derGasse und des Hofes zu achten. Das machten sich die„ Großi Buwe" zunutze und gingen„ Nester machen“. Wenn schon alles schlief, etwa um Mitternacht, streuten sie ihrerLiebsten Stroh über den Hof und auf die Gasse, das war das„ Nest". Stroh, Heu undMaiblätter zu verzottle" galt als Ehre für die Mädchen, Mist und Spreu dagegen alsVerspottung. Ein Nest mit Pferdeäpfeln vor der Türe bedeutete Schande. 475) Der hierbeschriebene Brauch fand sich auch im Sudetenland. Dort hieß das abgeschnittene Grasund Getreide mit Frühlingsblumen gemengt, das auch den Mädchen vor die Haustüregestreut wurde„ Ostersaat". Die„ Ostersiede" bestand aus Häcksel, Spreu und Eierschalen,die den miẞliebigen Mädchen zugedacht wurden. 476)
Von der großen Vielfalt der Eierspiele, die in allen Dörfern am Ostersonntageifrig geübt wurden, ist nahezu nichts mehr übrig geblieben. Wohl sieht man noch hinund wieder in den Lagern ein paar Buben Eiertitschen oder Eierpecken 477). Vom großenWettlauf zu Ostern, dem Eierlaufen in Sathmar ist jedoch nur die Erinnerunggeblieben. 478)
Der altüberlieferte Wasserguß am Ostermontag hat sich bei allen Lager-und Siedlungsbewohnern aus dem Südosten erhalten. Bei den einzelnen Vertretern ist
469) Wie 432, S. 234.
470) O. N. Osterbräuche aus der Heimat,„ Neuland", Folge 16, 7. Jg., 17. April 1954.
471) St. Jabkowski, Lager 55.
472) Egerland- Jugend, wie 332.
473) Fam. Mŏsch 1, Linz.
474) Handwörterbuch, wie 19, Bd. I, S. 410.
475) ebda Bd. I, S. 320.
„ Die Brücke", Folge 14, 9. April 1955.
476) G. Laube, wie 329, S. 40.
477) Lager Haid, Lager 55.
478) H. Moser, wie 418, S. 153.
91