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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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die Dorfgenossen nicht mehr örtlich zusammenschließen, denn sie sind als Einzelner inneue örtliche Gemeinschaften hineingewachsen. Die Tracht schließt jetzt die vereinzeltenTrachtenträger aus diesem neuen örtlichen Rahmen aus, hebt sie äußerlich als andersartig,als Fremde aus der neuen Umwelt hervor. Für die alte Generation ist dies kaum mehr eineBelastung, sie trägt ihre Tracht zu Ende. Für die Jugend wäre ein solches sichtbares Aus-schließen aus der neuen Umwelt unerträglich und verhängnisvoll. Sie legt die Tracht hierselbstverständlich ab. Man trägt sie noch bei besonderen festlichen Anlässen, bei denenman die Erinnerung an die Heimat pflegen will, bei landsmannschaftlichen Treffen, beiHochzeiten, Begräbnissen, Primizfeiern u. a. m. Da wird die Tracht zum Symbol der ver-lorenen Heimat ihre Funktion hat sich gewandelt 360).

Der Feiertag zu Lichtmeß gehört zum altüberlieferten religiösen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum. Aus demBanat wurde im 18. Jahrhundert berichtet 361), daß zur Kerzenweihe der Stadt Temesvarvom Stadtrat zahlreiche Kerzen zur Verfügung gestellt wurden. Beim Aushändigen derKerzen küẞte die Bevölkerung in Dankbarkeit die Hand des Pfarrers. Mit brennenden Ker-zen bewegte sich sodann der Umgang unter den Klängen einer Musikkapelle zum Kirchen-tor hinaus.

In alter Zeit fand auch am St. Blasius- Tag( 3. Februar) im Banat eineKerzenweihe statt. Auch Äpfel brachte man in Temesvar zur Kirche, um sie segnen zulassen.

Das ist heutzutage nicht mehr Brauch, doch zum Halssegen gehen die Gläubigen indie Kirche, denn darauf halten Banater wie Batschkaer und andere Katholiken viel. Nachbeendeter Messe legt der Priester zwei kreuzweise übereinandergelegte Kerzen den Gläu-bigen um den Hals und bittet dabei den hl. Märtyrer Blasius um seine Fürsprache, daßer die Andächtigen vor jedem Übel des Halses und des Schlundes behüten möge.

Der hl. Bischof Blasius wird als einer der vierzehn Nothelfer bei Halsleiden ange-rufen, weil er, wie die Legende erzählt, ein Kind, dem eine Gräte im Hals stecken geblie-ben war, auf die Bitte der Mutter, vom Tode errettet hatte. Die Kerzen werden zur Erinne-rung daran entzündet, weil dem Heiligen, als er, seiner Vita nach, im Kerker schmach-tete, eine Frau Kerzen brachte, damit er sein Gefängnis beleuchten konnte. Auch einStück Fleisch brachte sie ihm in den Kerker. Der Heilige kündigte der Frau seinen bevor-stehenden Tod an und befahl ihr, sein Andenken durch Almosengeben und Anzündenvon Lichtern zu begehen 362).

Mit dem Dreikönigstag beginnt der Fasching und dauert bis zum Morgen desAschermittwoch. Die Faschingszeit blieb auch hier in der neuen Umgebung ein bedeuten-der Jahresabschnitt. Es ist ja die Zeit der Hochzeiten, Bälle, Unterhaltungen und Gesellig-keiten. Natürlich gibt es da reichliches Essen. Selbstgemachte Würste, besonders die Brat-würste, erhalten nun den Vorzug. Sie werden nach den alten Rezepten gemacht, starkgewürzt, und das Fleisch hiezu wird sorgfältig ausgewählt. Viele dieser Spezialitäten sindinzwischen in Linz zur Selbstverständlichkeit geworden und auch in österreichischen Ge-schäften zu erhalten. In den ersten Jahren nach Kriegsende konnte man die Würste, grüneund geselchte Bratwürste, Leberwürste und Schwartlmagen"( Preßwurst) nach schwäbi-schen Rezepten, Hirnwurst auf Siebenbürger Art nur in den Läden der Lager erwerben. ImLager Haid wohnt ein schwäbischer Schlachter", der zu österreichischen Bauern undFleischhauern gerufen wurde und dort Schinken, Speck und Würste nach seinen Rezep-ten zubereitete. Im Fasching wird auch an jedem Sonn- und Feiertag eine Mehlspeise ge-360) J. Hanika in O. Stibor: Hier waren wir einst zu Hause, ein Bildband der WischauerSprachinsel, Wiesbaden 1957, S. 21.

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361) K. Juhasz, wie 224.

362) O. Wimmer, wie 194, S. 149.

Z. f. ö. Vk., Bd. II, 1896, S. 307.