Begründer des Franziskanerordens war der hl. Franz von Assisi( 1181- 1226).Diesem glich im Wesen der hl. Dominikus( 1170- 1221). Die Schöpfungen beiderHeiliger haben viele gemeinsame Züge, wie ihre Urheber, die fast gleichzeitig lebten. 232)
Aus der Vielzahl der Heiligen, die der Franziskanerorden mit seinen Splitterorden,den Minoriten, aus Observanten und Konventualen bestehend, den Kapuzinern, wie demweiblichen Zweiten Orden oder Klarissinen, und den Dritten Orden für Männer 283) zurVerehrung dem gläubigen Volk empfohlen haben, ragt die volkstümliche Persönlichkeitdes hl. Antonius hervor. Die ziemlich allgemeine Verbreitung der Verehrung beziehtsich auf beide Heilige desselben Namens, wobei oftmals die Züge der beiden Heiligenineinander übergehen und auch zu einer Gestalt zusammenschmelzen können.
Der heilige Antonius, der Einsiedler, Begründer des Einsiedlerlebens,übernahm sein Attributstier, das Schwein, vermutlich aus heidnischer Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischer Tradition. Er wirdmit dem Antoniusglöcklein, das ja als Siegeszeichen des Christentums gedeutet wird, zumGötzen- und Dämonenbezwinger. So ist es auch erklärlich, daß er in großen Notzeitenzum Patron wider die Pest wurde, die man auf böse Dämonen zurückführte. Sein Ansehenwurde durch sein Patronat gegen Seuchen bei Mensch und Tier sehr gefördert. DasAntoniusbrot wird in vielen Gegenden als segenspendend für Felder und Tiere erachtet.Sein Ansehen war besonders bei der bäuerlichen Bevölkerung so groß, daß er unter dieNothelfer aufgenommen wurde. 234)
Viele Kult- und Verehrungsstätten des Heiligen gibt es in Südslawien. Dort werdenihm neben Wachsopfern auch Schinkenopfer und Schweinsfüße dargebracht. Ja, eswerden sogar viele Stücke, der an diesem Tage geschlachteten Schweine auf den Altardes Heiligen gelegt und nachher an die Armen verteilt. Früher wurden dem Heiligenauch ganze lebende Schweine geopfert( Altes Opfer). 235)
Als Viehpatron genoß der Heilige bei den katholischen Donauschwaben große Ver-ehrung. So wurde z. B. zur Antoniuskirche, 15 km von Ruma entfernt, am Festtagedes Heiligen eine große Auffahrt mit geschmückten Wagen mit angehängtemVieh veranstaltet. Mittelpunkt des Brauches war der Viehsegen. 236) Aber durch diesoziale Umschichtung verlor der heilige Viehpatron seine Geltung. Seine Funktion alsBeschützer der Armen erfuhr dagegen in der Gegenwart eine Vertiefung. Dies gilt sowohlfür den heiligen Einsiedler, als auch für den hl. Antonius von Padua. Dieser selbstverehrte den heiligen Einsiedler und wählte seinen Ordensnamen nach diesem großenVorbild. Er wurde 1195 zu Lissabon geboren und war Franziskanermönch. ZahlreichePatronate lassen sich aus der Legende ableiten. Doch zwei Komponenten sind es, dieseinen Kult, vor allem im 17. Jahrhundert, wesentlich steigerten. Die eine ist sein Auftretenals Anwalt und Schirmer der Frauen( der Heilige wird mit dem Jesukind auf dem Armdargestellt), die andere sein Ansehen bei den Soldaten, was ihn zum bevorzugten Banner-träger der christlichen Heere in der Zeit der Türkenschrecken machte. Prinz Eugen stelltesich unter seinen Schutz, als er gegen die Türken zog. 237) So wurde der Heilige zumspeziellen Patron der Kolonisten des Südostens. Als Pestpatron wurde er sozusagen" Modeheiliger". Allmählich wird er auch zum„ Siedlungsheiligen“, bei der Neu-bevölkerung, als Schirmherr für Ehe und Familie, und vor allem für Nachwuchs. Er wird
282) J. Canu, Die religiösen Männerorden, Aschaffenburg 1960, S. 55.
233) J. Can u wie 232, S. 54 ff.
234) G. Gugitz, Fest- und Brauchtumskalender Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumskalender, wie 216, S. 7.
235) R. Kriss, Volksreligiöse Opferbräuche in Jugoslawien( W. Z. f. Vk., Jg. XXXV, 1930, S. 56,59, 60.
236) St. Moser, Neu- Ruma.
237) G. Gugitz, Das Jahr, wie 206, Bd. I, S. 301.
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