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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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in Österreich stammt 164). Wachsopfer in Form von Kerzen sind allgemein üblich und fal-len nicht weiter auf. Aus Modeln gegossene Wachsvotive waren in den Herkunftslän-dern bekannt und beliebt, sind aber dort wie hier nahezu völlig aus dem Gebrauch ge-kommen 165).

Dagegen sind Votivinschriften in Bleistiftschrift an den Mauern der Hei-ligtümer häufig zu finden. Diese sind als Flüchtlingsbitten anzusprechen. Inhalt, Sinnund zuweilen auch der Name der frommen Bittsteller erlauben diese Zuordnung. SolcheWandinschriften befinden sich nahezu in allen Wallfahrts- und Gnadenorten, wie etwain St. Margarethen, Maria Pöstlingberg und in der alten Wallfahrtskirche in Dörfl beiVöcklabruck.

Wallfahrtsbrauch ist es heute wie ehedem, von den besuchten Gnadenstätten einWallfahrtsandenken nach Hause mitzubringen. Deshalb finden sich in denmeisten Wohnungen von katholischen Volksdeutschen Abbildungen von Wallfahrtskir-chen, größere und kleine Andachtsbilder, gerahmt und unter Glas, sowie andere geweihteErinnerungsstücke, die in den Buden der Devotionalienhändler feilgeboten werden. Beson-ders geschätzt werden geweihte Kerzen von Wallfahrtsorten, die man Verwandten undBekannten als kleine Aufmerksamkeit mitbringt.

Hausandachten

Zum festgefügten religiösen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum der Donauschwaben gehörten Hausandach-ten, die an bestimmten Tagen des Jahres verrichtet wurden. Dazu fanden sich mehrereFamilien jeweils in einem anderen Haus ein. Auch die Andachten im Freien, das so-genannte Bildbeten", vereinigte oftmals Gläubige eines Wohnviertels zu Gebet und Ge-sang. Im Josefsmonat März, im Marienmonat" Mai, Herz- Jesu- Monat" Juni, Ro-senkranzmonat" Oktober und Allerseelenmonat November versammelte man sichbei Wegkreuzen, Bildstöcken, Kapellen oder auch in den Wohnhäusern und betete ohneGeistlichen, mit einem Vorbeter die passenden Gebete, vor allem einen entsprechendenRosenkranz wie in ältester Zeit 166).

In den ersten Jahren der Umsiedlung schien es, als sollten diese kleinen Volksandach-ten in Vergessenheit geraten. Jedoch hörte man von ihrem Aufleben in den Lagern, womehrere Landsleute beieinander hausten. So wird von Bewohnern des Srem erzählt, daßsie sich rasch und überall wieder zu kleinen Betgemeinschaften formierten. Die Lands-leute aus Bukin fanden einander im Lager Haid schon in früher Zeit. Erst allmählichfolgten auch andere Familien diesem Beispiel. Die Vorbereitungen für die kirchlichenJahresfeste in der Kirche und im Lager boten den Anlaß zum Zusammenschluß.

Seit der Wende des 17. Jahrhunderts zum 18. Jahrhundert ist die Hausandacht zuEhren des hl. Josef bekannt und weit verbreitet 167). An neun aufeinanderfolgendenAbenden finden sich die Familien zusammen. Vorher bestimmt man die Familie, bei derdie Andacht stattfinden sollte. In der betreffenden Wohnung wird der Tisch weiß gedecktund in der Mitte die Statue des hl. Josef und drei Kerzen, die während der Andachtbrennen, aufgestellt. Auch Blumenschmuck darf dabei nicht fehlen. Gebetet werden die Josefs- Litanei" und als Abschluß drei Vater- Unser". Einer der Anwesenden ist Vor-beter oder Vorbeterin und gibt die Reihenfolge der Gebete und den Einsatz der Liederan 168).

164) Die Brücke" wie 13, Folge 13, 4. Sept. 1948.

165) E. Bonomi, Wachsopfergaben und ihre Hersteller im Ofener Bergland( Deutsche Forschungenin Ungarn, VI. Jg., Budapest 1941, S. 352- 362).

166) L. Veit u. L. Lenhart, Kirche und Volksfrömmigkeit im Zeitalter des Barock, Freiburg 1956,S. 143, S. 194.

167) Wie 166, S. 141.

168) Frau Frank, Neu- Ruma, Frau Kristmann, Lager 65.

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