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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art vereinigen alle Gruppen von Volks-deutschen zu Heimatabenden. Diese tragen den Charakter von vereinsmäßigenZusammenkünften. Böhmerwäldler- und Egerländer- Gruppen haben sich z. B. das Zielgesetzt, die neue Heimat genau kennen zu lernen, und sie veranstalten deshalb Stadtfüh-rungen in Linz und Wanderungen in die nächste Umgebung 98).

Das Hauptthema solcher Abende, die meist von den Landsmannschaften veranstaltetwerden, ist aber immer wieder die alte Heimat". Lichtbildervorträge, Dichterlesungen,Pflege des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums, Feiern bei speziellen historischen Anlässen halten die Erinnerungan sie wach und sollen vor allem auch der jungen, hier heranwachsenden Generation einmöglichst vollkommenes Bild von der Vergangenheit ihres verlorenen Stammlandes bildenhelfen.

Es ist unmöglich, auf alle kulturellen Leistungen, die in den kleinen neuen Gemein-schaften erbracht werden, näher einzugehen. Als Beispiel für den ungebrochenen Kultur-willen der Vertriebenen sei z. B. die Errichtung einer Lagerschule im Wohnlager 65 er-wähnt. Sie konnte schon in den ersten Jahren aus Eigenmitteln der Lagerbewohner erstelltwerden. Das Geld, das die Leute, die allwöchentlich im Lagersaal tanzten, als Eintrittsgelderlegten, wurde dazu verwendet 99). Zu erwähnen wäre weiters die Gründung einer Sudetendeutschen Bücherei" von der Klemens- Gemeinde in Linz 100). Die Leistungs-schau der Altösterreicher" legte von der wirtschaftlichen Tüchtigkeit ebenso Zeugnis abwie von der Kulturfähigkeit der Volksdeutschen 101). Bedeutende Erfolge konnten auf demGebiet der Musikpflege im Lager Haid verzeichnet werden. Da die Siedlung mit ihrengeistigen Mittelpunkten und Pflegestätten: Schule, Kirchen beider Bekenntnisse, Kinder-garten, Gemeinschaftssaal, unter immer gleichbleibender geistiger Betreuung, eine in sichgeschlossene neue Gemeinschaft darstellt, kam es hier seit Jahren zu guten Veranstaltun-gen, die durch das überlieferte Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum bedingt sind, aber auch zu Theater- und Kam-mermusikabenden 102).

Alle Leistungen auf diesen Gebieten werden von der Tradition der Vergangenheitgetragen. Die Gegenwart ließ in den ersten Jahren nur wenig Zeit zur Sammlung und zuneuem Aufbau, denn es galt vorerst eine neue Existenz zu begründen, was eine völligegeistige Umstellung dieser Kolonistenvölker nach sich ziehen mußte. War es einst im Süd-osten ihre Aufgabe gewesen, in der Weite dünnbesiedelter zivilisatorisch rückständigerLandstriche einen Neuaufbau durchzuführen, so erwuchs ihnen hier im dichtbesiedeltenKulturgebiet eine andere Aufgabe. Hier war keine besondere Kulturmission zu erfüllenund nicht bäuerliche Kolonisation ihr Auftrag und ihre Sendung, sondern das Gebot derStunde hieß: Eingliederung in das Wirtschaftsleben und Mitarbeit am Auf- und Ausbauder Industrie des Landes 103).

Der Verlust von Heimat, Vermögen, Haus und Hof ist schwer zu ertragen, schwererist jedoch das Schicksal derer, die Verluste an Menschen zu beklagen haben. Und welcheFlüchtlingsfamilie trägt nicht solches Leid? Deshalb ist es verständlich, daß man inmittender neuen Gemeinschaften und Wohnstätten einen Ehrenplatz für die Toten der Heimaterrichten wollte. Noch waren auch die Friedhöfe fremd, und fremde Grabstätten vermögennur wenig Trost zu spenden. Deshalb kam es schon in den ersten Jahren der Seßhaftwer-dung zur Errichtung von Gedenktafeln und Totenmalen für die in der Hei-

98) Die Brücke" wie 13, Folge 13, 3. April 1949.

99) Lehrer Braun, Batschka, dzt. Lager 65.

100) Eröffnung 19. November 1955.

101) 12. Mai 1950.

102) Pfarrer Wagner, Lager Haid.

108) E. Lend 1, Vom Kolonistentum( Wir Donauschwaben", wie 23, S. 393).

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