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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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lieferter Grundlage etwas Neues entwickeln. Die Siebenbürger Sachsen sind Angehörigedes evangelischen Glaubensbekenntnisses. Mit ihrer Zuwanderung nach Traun wuchs diedortige Kirchengemeinde stark an. An Sonntagen stehen zur Zeit etwa 10% einheimi-schen Kirchenbesuchern 90% Siebenbürger gegenüber. 74) Die Kirchengemeinde Traunnimmt nur Einfluß auf das religiös- kirchliche Leben. Die Neusiedler gliederten sich hierein. In der alten Heimat war für die Siebenbürger die Kirche auch die Dachorganisationfür das gesamte Kulturleben, das politische Leben war hingegen von der Kirche kaumbeeinflußt worden. Diese alte Organisation mußte durch eine neue ersetzt werden. DieStelle des Presbyteriums im kulturellen Bereich nimmt heute die Landsmannschaft ein. Estritt, grob gesprochen, Volkstum an Stelle von Kirche. Die Jugend der Landsmannschafthat die Erziehung in die Hand genommen. Wir begegnen derselben Gliederung wie zuHause, da die Gemeinschaft Bruderschaft war, der ein Altknecht und eine Altmaid vor-standen. Die Nachbarschaft besteht wieder. Hier wird alles, was für die Gemeinde vonBelang ist, vorbesprochen. Die Organisation ist einfacher geworden, anstelle mehrererNachbarschaften ist eine einzige Siedlergemeinschaft getreten. Dem Nachbarvater" derSiedlung obliegt die Sorge um die Toten, um die in Not Geratenen, um das Wohl derGemeinschaft schlechthin. Diese neue Gemeinschaft entstand erst wieder, nachdem dieSiedler ihr Haus eingerichtet hatten und ein geregeltes Leben in der Siedlung einzog.

Etwas anders konnte sich der Übergang zur neuen Umgebung bei Gruppen derSudetenländer gestalten. Hier gab es durch die Grenznähe starke Verbindungen, oftmalssogar verwandte oder gleichartige Lebens- und Geistesbindungen. Anders waren dieVerhältnisse auch beispielsweise für die Egerländer in Linz. Hier, wie etwa auch in Wien,Graz und Salzburg gab es Landsleute ihrer Heimat, die vereinsmäßig seit vielen Jahrenerfaßt waren. Diese Gemeinschaften der Egerländer hatten sich vor mehr als 100 Jahrenin der Fremde gebildet und nannten sich Egerländer Gmoin". Ihre Aufgabe war es, ihreEigenart in der Fremde zu pflegen und die Verbindung zur angestammten Heimat zuerhalten. Zu ihrer Hauptaufgabe zählten sie, den in Not und Bedrängnis lebenden Lands-leuten hier wie auch im Egerland selbst, beizustehen. So wirkten sie bis 1945 für ihreLandsleute in der alten Heimat und konnten den Flüchtlingen Brückenbauer" hierwerden. Die Linzer Gmoi konnte 1957 auf 40 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Nochviele Mitglieder der alten Gmoin bilden den Bestand der neuen Gmoin, die 1962 etwa250 Mitglieder in Linz zählte. Durch die heimatvertriebenen Egerländer bekamen sieneuen Zuwachs und neue Belebung. 75)

Gegenüber einem Stand von 1945 bestehenden 83 Gmoin und 23 Heimat-vereinigungen im Ausland, umfaßt der Bund nun 1962 an die 200 Gmoin und 65 Jugend-gruppen im In- und Ausland. Sie sind zusammengefaßt in ihren Landesverbänden undArbeitsgemeinschaften. Die Gmoin Österreichs sind Mitglied der sudetendeutschen Lands-mannschaft. 76)

In den ersten Jahren finden wir an Lebensäußerungen und Bräuchen nur das, wasdurch das Weiterbestehen der atlen Ortsgemeinde nicht zu Fall kam, das was aus deralten Lebensform gerettet werden konnte, 77) und schließlich das, was sich in neuenGemeinschaften formt. Der Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen.

74) Familie May, Traun, Straße der Siebenbürger.

75) A. Zerlik, Die Egerländer Gmoin in Österreich einst und jetzt( Jahrbuch der Egerländer, Geis-lingen/ Steige, 1963, S. 145, 33, 146).

76) Die Egerländer Gmoin ein heimatlicher Kulturfaktor[ wie 75) S. 144].

77) So konnte in Lagern, die Menschen aus einem Ort in großer Zahl vereinten, das Brauchleben weiter-geführt werden. Beispielsweise in der Fabrikskaserne in Linz. Diese feste Gemeinschaft kam durch die Abwan-derung aus dem Lager so ins Wanken, daß ihr Bestand gefährdet wurde. Die Banater Flüchtlinge waren inden Lagern Haid und Niedernhart so stark, daß das Kirchweihbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Kirchweihbrauchtum so aufgezogen wurde, wie in ihrerHeimat. U. a. m.

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