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Kleidung - Mode - Tracht : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1986 in Lienz
(Osttirol)
Entstehung
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Ein Ur- Urgroßahn hatte erzählt, wie merkwürdig so eineFahrt nach Petersburg, bei der er an die Zarin die bun-ten Teppich- Decken verkaufte, gewesen ist.- Man mußtedamals recht gut schauspielern können, denn die feinenDamen und Herren bei Hofe verlangten lauter Super- Ti-roler zu sehen. Man mußte sich recht fromm und dabeidoch treuherzig- vertraulich geben, dann wurde einem dieWare zu hohen Preisen abgekauft. Dazu ließ man sich be-sonders breite Pfauenkiel- Trachtengürtel sticken undeine recht bunte Tracht zu Hause für diese Reisen an-fertigen. Der Lehrer oder ein Kurat dichteten schnei-dige Tiroler Nationallieder, die man drei- und vierstim-mig einstudierte.

Nach Hause gekommen, legte man diese Tracht wieder ab.

Bei den neuen Kleiderformen der 2. Hälfte des 19. Jahrhundertshandelt es sich um geschlossene( geknöpfte oder gehaftelte) Miederin Schwarz oder dunkler Farbe, die zumeist am Rock angenäht sind.Das Oberteil war im Viereck ausgeschnitten, wie z. B. beim Kas-settl hier ging der Name des kurzen Jäckchens, das über derSchnürmiedertracht getragen wurde, auf das neue Kleid über. Beim" Bäurischen Gwand" in Ost- und Südtirol war der Miederleib hochgeschlossen, durch Fältchen verziert und mit einem Stehkragen ausweißer Spitze versehen. Man trug dazu eine helle oder dunkle Schür-ze und manchmal ein zur Schürze passendes Tuch. In den Nebentä-lern des Oberinntales bevorzugte man ein Oberteil mit Revers. Nurbei den Prozessionen an den hohen kirchlichen Festen fand man ver-einzelt noch die bunten Schnürmiedertrachten bei den Fergele- Trä-gerinnen( Fergele= Umtragefigur); das ältere Kleid galt als dasfestlichere, das nun bewußt als Tracht getragen wurde. Bei denMännern wurde die kurze Hose abgelegt; die Sarner, Burggräfler,Zillertaler u. a. übernahmen die Langhose, die sie nun zur offenenJoppe trugen. Die männliche Bevölkerung in den meisten anderen Tä-lern übernahm jedoch den Anzug aus festem Wollstoff mit Gilet( das aufgetragene Gilet findet man später oft in der Arbeitskleidungwieder). Auch viele Musikkapellen und manche Schützenkompanientrugen Anzüge. Patriotische Vereine begannen noch im 19. Jahrhun-dert, den Wert der Tracht aufzuzeigen und ihr Verschwinden zu be-dauern. Unter Tracht verstanden sie jedoch nur die bunten, abge-kommenen Festtagskleider. In Tirol war es dann vor allem das Jahr1909 mit der Jahrhundertfeier anläßlich des Tiroler Freiheitskampfes1809 unter Andreas Hofer, die ein Rückbesinnen auf die altenTrachten brachte. Sie feierten nun als Uniform der Schützen undMusikkapellen Auferstehung, nicht mehr aber als Festkleid derbäuerlichen Bevölkerung.

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