Mitteleuropa den großen Rahmen dieses Geschehens abzustecken,in den auch unsere heutige Abfolge auf dem Kleidungssektor ein-zuordnen ist. Kein Zweifel: Mode und Tracht sind ein Teil derKleidung, die ich als übergeordneten Begriff verstehen möchte.
Beide Begriffe, Mode und Tracht, bedürfen einer weiteren Erörte-rung. Prof. Brückner hat mit dieser in seinem Vortrag bereits be-gonnen; ich will sie in anderer Weise fortsetzen.
Bleiben wir jedoch noch einen Augenblick beim übergeordneten Be-griff der" Kleidung".
Die Kleidung erfüllte ich halte mich hier an die" Klassiker", diedieses Thema behandelten- drei wichtige Aufgaben: Die Kleidungschützte vor der Witterung, sie verdeckte die Nacktheit und sie ver-half zur Repräsentation. Von der Schambedeckung können wir imweiteren absehen. Sie trat schon im primitivsten Glossar ::: zum Glossareintrag primitivsten Stadium ein. DieSchutzfunktion der Kleidung wurde ihr fortschreitend durch das Haus,durch die Wohnstätte des Menschen abgenommen.
Es ist m. E. instruktiv, die Wechselbeziehungen zwischen Kleidungund Wohnstätte zu erkennen. In meinen Veröffentlichungen undLehrveranstaltungen pflegte ich schon lange das Haus als die" drit-te Haut" des Menschen zu bezeichnen. Ich wollte damit die engeVerbindung der Wohnstätte mit dem Menschen sinnbildlich ausdrük-ken( 1). In der Tat hat die Behausung in ihrer Entwicklung immermehr der Kleidung die Schutzfunktionen abgenommen und wenn wirden sogenannten" fahrbaren Untersatz"( Auto, aber auch Eisenbahn-waggon, Flugzeug, Schiff) dazuzählen, dünkt es uns, als könnte derMensch in unseren Breiten und in unserer Zivilisation ohne das mit-geführte" Haus"gar nicht mehr existieren.
Je mehr jedoch die Kleidung in der Lage war, die Schutzfunktionenin der urtümlichen und primären Form abzugeben( ohne sie natürlichaufzugeben), vermochte sie dem Wunsch nach Repräsentation unddamit auch einem Urtrieb des Menschen gerecht zu werden. Immerneue Mittel wurden für diese erfunden. Das gilt auch für die" Tracht", die ich als besonderes Ausdrucksmittel der Kleidung ver-stehen möchte. Dazu, so scheint mir, ist zu Kollege Brückner auchnoch Grundsätzliches zu bemerken:
Zunächst ist festzuhalten, daß das Wort" Tracht" für mehrere Klei-dungen gebraucht wird. Diese ergänzende Bemerkung ist wichtig.
Neben der" volkstümlichen Tracht", die wir im folgenden genauer
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