sie folgende Worte vernahm:„ Der Herr, der gestorben ist, der war gut, abermit dem von jetzt geht es uns schlecht."
"
Wir haben behauptet, daß irgendeiner von jener Gruppe von Leuten gespro-chen haben könnte. Aber die Bäuerin protestierte energisch, daß sie mit ihreneigenen Augen gesehen habe, wie die Ochsen das Maul aufmachten und daßsie mit ihren eigenen Ohren von den Ochsen jene Worte gehört habe.
Es wird in unserem italienischen Text also genau an der bestimmten heiligenStunde festgehalten, auch wenn der Inhalt des Tiergesprächs sich gewandelthat und ebenso die Skepsis der Aufzeichner der Überzeugung der Bäuerin,die alles erlebt haben will, gegenübersteht.
Haustiere sprechen jedoch nicht nur in ihrem Stall, wo die aufgestellte Krip-pe das heilige Ereignis besonders naherückt, sondern sie können auch re-den, wenn sie in der Weihnacht unterwegs sind.8)
Wir wollen hier jedoch auf derlei Sagen verzichten, da sie textlich zumeistnur spröde Fassungen bieten.
In manchen Fällen fließen auch die Rauhnächte mit ihrem vorchristlichenBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in die weihnachtlichen Riten und Vorstellungen ein. Totenkultund Zauberwesen überschneiden sich mit christlichen Formen.
Aus dem Zentralladinischen hat uns Alton eine Sage überliefert, die einenmehrteiligen Komplex darstellt und aus dem wir nur das auf Weihnachtenbezogene Stück herauslösen wollen: 87)
( 27) ERZÄHLUNG AUS DEM LADINISCHEN
In Gries wohnte einmal ein Mann, der hieß Pellegrin da Soppera. Er hatteviele Kühe, eine schöne Schafherde, vier Pferde, Felder und Bergwiesen. Mitseinen Pferden zog er über die Berge, hin und her, und beförderte Waren fürsich und die Leute.
Im Frühjahr kam er mit den beladenen Pferden von Gröden herüber und alser auf der Höhe war, da wollten sie nicht mehr gehen. Er geht vor, um zuschauen, was los ist. Da war ein großer Wolf, der die Tiere aufhielt, denn erwollte sie zerreißen und fressen. Pellegrin machte das Zeichen des heiligenKreuzes und voll Mut sagte er:„, Im Namen Gottes, wer du auch bist, geh wegund ich werde dir am Weihnachtsabend ein gutes Mahl bereiten." Da hat ihmder Wolf nichts tun können und heulend hat er entfliehen müssen.
...
Am Weihnachtstag geht die Magd ganz früh am Morgen in den Stall zum Füt-tern. Ganz erschreckt kehrt sie um, geht zum Bauern und erzählt ihm, ein bö-ses Vieh lasse sie nicht in den Stall gehen. Sie bittet ihn, daß auch er hinunter-gehe.
,, Ich weiß schon, wer da ist," sagt Pellegrin ,,, du geh hinunter, ich werde gleichnachkommen."
Als er hinuntergegangen ist, wartet der Wolf noch. Pellegrin springt in denSchafstall, nimmt das schönste Lamm, das er hat und wirft es dem Wolf vor
101