Zwar steht am Anfang unserer Erzählung das stereotype ,, Es ist schon langeher," doch wird damit nur die übliche Distanz geschaffen, die zu einemEingang gehört. Der Anachronismus, daß das gefundene Mädchen getauftwird, rückt latent die Handlung in die Gegenwart.
Die Helden unserer Geschichte werden nicht nur Magier genannt: Sie sindwirklich auch Zauberer. Die Weinflasche, die nie leer wird, gehört zu denbeliebten Requisiten des Zaubermärchens, daß die Flasche jedoch auchMilch herzugeben vermag, ist wohl ohne Parallele. Häufiger ist das Motiv,daß ein Engel das Kind stillen muß, indem er Milch aus dem Finger fließenläßt.
Unsere Magier wissen bereits, daß sie in ein Land ziehen werden, wo einböser König( Herodes) regiert und sie geben von dem für das Jesuskind be-stimmte Gold einer Familie, die auf ihr Findelkind aufpassen soll. Und sietreten endlich in die Funktion des Erzengels Raphael ein. Freilich ist hiernicht der Bräutigam vom Dämon bedroht wie im Buch Tobit, 78) sondern dieBraut, aber die Rettung verläuft ähnlich, wenn auch die Details anders aus-erzählt werden.
Der letzte Satz gibt sich einen ätiologischen Anschein, doch wird vermutlichnur eine stärkere Verknüpfung der Erzählung mit dem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum zu Epi-phanie gesucht.
Finden in der mexikanischen Fassung des Stoffes die drei Magier ,, zufällig"ein Waisenkind, so treten sie in einer Erzählung farbiger Brasilianer bewußtals Helfer ein, wie ja in vielen Märchen jenseitige Gestalten- häufig sogarder Tod selbst die Patenschaft über ein armes Kind übernehmen können.Zwar fehlt unserer Geschichte der unmittelbare Zusammenhang mit derZeit um Jesu Geburt, andererseits wird durch das Auftreten des hl. Josefsein stärkerer Bezug zu den heiligen Ereignissen hergestellt. Der Text ist vonschwankhaften Episoden durchflochten und man merkt ihm an, daß der Er-zähler dahinter soziale Belange und auch eine gewisse Kritik versteckt. DieWeißen einschließlich des„, weißen“ Königs- schneiden nicht sonderlichgut ab. 79)
( 23) ERZÄHLUNG AUS BRASILIEN
Vor vielen Jahren lebte einmal in einer Hütte vor der Stadt eine arme Neger-familie Glossar ::: zum Glossareintrag familie. Sie gehörte einer reichen, aber bösen weißen Frau. Sie mußten arbei-ten wie die Ochsen, erhielten aber schlechteres Essen als das Vieh und nichtselten auch weniger.
Die Negerfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Negerfrau gebar eines Tages einen Buben. Die Eltern wollten das Kindtaufen lassen, aber sie hatten kein Geld, um die Taufe zu bezahlen. Da gingder Vater zu der weißen Dame und sagte:„, Herrin, meine Frau hat einen Bu-ben geboren und wir möchten den Kleinen taufen lassen!" ,, Nun, so laẞtihn meinetwegen taufen!"- ,, Ja, aber wir haben keinen Paten und kein Geldfür die Taufe."- ,, So, heißt das bei euch jetzt, Taufe'? Schnaps trinken wolltihr, gestehe es nur!" ,, Nein, Herrin, wir wollen nix Schnaps trinken, wir
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