( 18) ERZÄHLUNG AUS DEM SYRISCHEN
Zur Zeit bald nach Christi Geburt geschah es, daß der König Herodes denBefehl gab, alle männlichen Kinder bis zu zwei Jahren zu ergreifen und zutöten.
Josef aber wurde von einem Engel gewarnt und er floh aus Bethlehem. Dajedoch Maria nicht so schnell laufen konnte, kamen sie in Gefahr, von Solda-ten eingeholt zu werden.
Josef und Maria hatten sich gerade in eine Seitenschlucht zurückgezogen unddas Kind in die Nische eines Felsens gesetzt, als die Häscher in diese Schluchteinbogen. Josef und Maria eilten ihnen entgegen, um sie aufzuhalten, als siehinter sich ein Brausen und Summen hörten. Wilde Bienen hatten sich wie eineWolke in die Schlucht heruntergelassen. Sie bedeckten das Jesuskind so, daßman es nicht mehr erkennen konnte. Man sah nur noch eine Traube von Bie-nen.
Während Josef und Maria erstarrt stehen blieben, erkannten die Soldaten denwilden Bienenschwarm und riefen den beiden zu: ,, Flieht, flieht! Sonst werdeneuch die wilden Bienen töten! Ihr seid ihrem Nest zu nahe gekommen."Und damit wandten sich die Soldaten selbst zur Flucht.
Josef und Maria eilten ihnen nach bis dorthin, wo der Pfad aus dem Tal indie Schlucht abbiegt und sie sahen, daß die Soldaten sich auf ihre Pferdeschwangen und flohen. Da blieb das hl. Paar stehen, bis sie die Soldaten ausden Augen verloren hatten. Dann kehrten sie in die Seitenschlucht zurück.Die Bienen, die das Kind bedeckt hatten, zogen sich nun zurück. Einige flo-gen und setzten sich auf den Felsen oberhalb des Kindes, andere kamen undnetzten die Lippen des Kindes mit Honig und sie füllten auch ein ganzes Gefäßdamit an.
Wieder andere brachten Wachskerzen, damit die Heiligen im Finstern ihreFlucht fortsetzen könnten.
Und die allheilige Maria segnete die Bienen.
Varianten machen aus diesem Motiv eine ätiologische Legende, welche dieHerkunft des Honigs erklärt, und in einer bulgarischen Legende verschlie-Ben Bienen das Versteck, in welches Josef und Maria das Kind gelegt haben,mit Wachs.
Neben solchen Motiven des Versteckens, Verdeckens und Verwandelnswissen manche Fluchtgeschichten auch noch von anderen Wegen, den Ver-folgern zu entrinnen. Lopes Cardoso hat etliche portugiesische Belege zudiesem Themenkomplex mitgeteilt.
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Eine eigene Gruppe bilden die hilfreichen Tiere, die den Flüchtlingen alsTrag- oder Reittiere beistehen oder die ihnen zumindest den Weg freima-chen. Hier hat wohl Pseudo- Matthäus( XIX, 2) seine Spuren hinterlassen,lesen wir doch bereits dort:„ Ambulabant autem leones cum eis simul, etcum bobus at asinis et sumariis qui eis necessaria portabant, et nullum laede-bant..."( Es wanderten aber mit ihnen zusammen Löwen mit den Ochsenund Eseln und anderen, die ihnen alles Nötige trugen und sie taten niemand
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