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Heilige Ereignisse - heilige Zeiten : Weihnachtserzählungen aus der mündlichen Überlieferung
Entstehung
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F. FLUCHT NACH ÄGYPTEN

Flucht war für den Menschen Jahrtausende hindurch kein unbekanntes Er-eignis. In der Bedrohung durch Krieg und Hunger, durch Seuchen und Ge-waltherrschaft blieb sie oft genug der einzige Ausweg. Als Schicksal des Ein-zelnen und als Schicksal der Vielen mußte sich das Erfahrene zum Motiv desErzählten umformen.

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Die gelungene Flucht- im Märchen sogar als ,, magische Flucht" häufig er-zählt trägt ein Element der Hoffnung in der Bedrängnis in sich. Der Op-timismus des Menschen führt ihn dahin, an eine Möglichkeit, der Bedräng-nis zu entrinnen, glauben zu können. Das Vertrauen auf den guten Stern'wird nur sehr selten enttäuscht, das heißt: es gibt nur vereinzelte Sagen, inwelchen der Flüchtling entdeckt und ergriffen wird. Die Rettung ist der Nor-malfall und die Ergreifung die Ausnahme.

Ägypten hat über lange Zeitabschnitte hinweg bereits vor Christi Geburteine Zufluchtstätte für die Juden gebildet. Dort hatte Jeroboam vor SalomoZuflucht gesucht und gefunden. W. Staerk hat uns über frühe aramäischeSpuren in Ägypten Kunde gegeben, 48) und Vezin 49 schätzt die Zahl der Judenin Ägypten zur Zeit Jesu auf eine Million.

Der kanonische Text( Matthäus 2, 13- 15) beschränkt sich wiederum aufäußere Fakten: Vision Josefs und Flucht- ,, noch in der Nacht"- nachÄgypten, sowie Aufenthalt dort bis nach dem Tode des Herodes.

Und wiederum sind es die bereits genannten Apokryphen, welche die Fluchtin zahlreiche Einzelepisoden zerlegen und die mitunter sehr märchenhaftenZwischenszenen einflechten.

Abermals hat die bildende Kunst viele solcher wunderbarer Momente liebe-voll ausgemalt und die Legende wortreich nacherzählt. Dietz- Rüdiger Mo-ser hat ,, Die Hl. Familie auf der Flucht" im deutschsprachigen Legendenlieduntersucht, 50) und auch für viele andere Motive liegen Forschungsergebnissevor, wie auch ein Überblick bei Marie- Louise Tenèze. 51)

Wir wollen hier nicht die bekanntesten Legenden- Entspringen einer Quel-le, das Sich- Herabbeugen von Palmen( damit Josef und Maria die Dattelnpflücken können), Heilung eines aussätzigen Räuberkindes( das im Bade-wasser des Christkindes gewaschen wird), Kornfeldlegende und so weiterwiederholen, sondern solche Texte aussuchen, in denen lokale Elemente dieFlucht in das Umfeld des Erzählers und seines Zuhörerkreises rücken.Man muß dabei berücksichtigen, daß in Volkserzählungen oft geographi-sche Bezeichnungen oder Landschaftsbegriffe übernommen werden, ohneobjektiv unbedingt der wirklichen Situation entsprechen zu müssen. So kön-nen nicht nur Begriffe wie Meer" oder Gebirge auch in mündlichenÜberlieferungen benutzt werden, deren Träger nie das Meer oder ein Gebir-ge erblickt haben, sondern es können sich auch unter Termini wie ,, Wald"sehr verschiedene Vorstellungen verbergen. Der Erzähler arbeitet damitwie mit einem Bühnenversatzstück. Ist er jedoch gezwungen, mehr ins De-

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