D. GEBURT CHRISTI
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Über Christi Geburt berichtet Lukas in zwei Versen sehr schlicht:„, Und nunbegab es sich: wie sie dort[ scil. angelangt] waren, überkam sie ihre Stunde,und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn. Und sie wickelte ihn in Windelnund legte ihn in eine Krippe, da ihnen in der Unterkunft sonst keine Gele-genheit[ das Kind zu betten] war."
Im Proto- Evangelium des Jakobus, im Evangelium des Pseudo- Matthäus,im ,, Liber de infantia Salvatoris" und in anderen Apokryphen, wird das ge-heimnisvolle Geschehen breiter ausgemalt, so wie wir es sowohl aus denKrippendarstellungen mit Ochs und Esel und aus zahlreichen Abbildungenseit dem frühen Mittelalter, aber auch aus der Volkslegende kennen.Die geschriebenen Legenden rechnen zufolge der Volkszählung mit über-füllten Herbergen und demzufolge mit der Geburt in einem Stall. Die münd-liche Überlieferung denkt im Gegensatz dazu eher, Maria habe Bethlehemnicht mehr erreicht, weil die Wehen eingesetzt hätten, oder auch, Maria hät-te abseits und in der Stille gebären wollen. Es ist bezeichnend, wie in derVolkslegende sich sachliche Erwägungen mit wunderbaren Erwartungenverbinden.
Als Ort wird schon früh ein Grottenstall angenommen, wie ihn bereits Ori-gines um 250 bezeugt und wie er in der Folge dann durch die Erbauung derGeburtskirche über der Grotte vor dem Südtor Bethlehems durch die hl.Helena( um 320) lokalisiert worden ist.
Die Vorstellung von einer Höhle oder Grotte als Geburtsstätte haben auchnahezu alle Volkslegenden aufgegriffen.
Aufschlußreich und ergreifend sind jedoch Texte, in denen sich die Geburtunter wunderbaren Zeichen im Freien vollzieht. In solchen Fassungen warder Erzähler offensichtlich nicht von geschriebenen oder mündlich tradier-ten Apokryphen abhängig, sondern von Gesichten und Visionen, deren Ori-ginale wir nur zum Teil kennen.
Hierzu zunächst ein Beleg in Gestalt einer armenischen Legende, ³2) die nurin unserem Jahrhundert in Umlauf war, zu der jedoch auch eine schriftlicheVersion existiert haben soll, die wir nicht ausfindig zu machen vermochten.
( 10) ERZÄHLUNG AUS DEM ARMENISCHEN
Maria, die hochheilige, stand bereits im 8. Monat ihrer Schwangerschaft, alssie mit Josef aufbrechen mußte, um sich nach Bethlehem zu begeben.Josef setzte sie auf ein Maultier, ergriff dieses am Zügel und wanderte weitübers Gebirge.
Eines Abends, als es schon zu dunkeln begonnen hat, kamen sie in die Nähevon Bethlehem. Sie wollten gerade noch einen Hügel überqueren und sie wä-ren schon dort gewesen, da: auf dem Weg stand der Engel, den sie schon kann-ten; der Engel Gabriel.
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