Zu ihren Pflichten gehörte das Besorgen des Wassers und so war sie gewohnt,täglich früh aufzustehen und mit den Mädchen aus den umliegenden Häusernhinaus vors Dorf zu ziehen, wo eine eingefaßte Quelle andere meinen auch
-
ein Brunnen- war.Nun passierte es eines Tages, daß die Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau Maria zur üblichen Stunde sichvon ihrem Lager erhoben hat, aber als sie mit den Eimern vors Haus trat, warnoch kein anderes Mädchen da: Sie hatten an diesem Morgen alle verschlafen.So ging Maria allein mit ihren Eimern hinaus zur Quelle.
Als sie sich der Quelle näherte, sah sie dort einen Jüngling sitzen, der warstrahlend schön und hatte so leuchtende Augen, daß die Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau Maria ihnkaum anzuschauen vermochte.
Maria wünschte ihm einen guten Morgen und fragte:„, Bist du von hier?",, Nein," sagte der Engel, denn ein solcher war der Jüngling,„ ich bin nicht vonhier. Ich komme von weither, um dir eine Botschaft auszurichten." ― ,, Undwelche?," fragte Maria.
,, Freue dich, Maria!"
-
,, Was ist's, worüber ich mich freuen soll?" ,, DerHerr ist dir zugetan und du sollst einen Sohn des Höchsten empfangen.",, Aber wie soll das möglich sein? Ich bin ja unvermählt."- ,, Hab' keineFurcht, Maria, ich bin der Erzengel Gabriel. Der Herrgott wird dir ein Kindschenken und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Du wirst viel Freude anihm haben und viel Leid; und er wird sein Volk erlösen."
Da besann sich Maria kurz, dann sagte sie:„, Gut, was Gott will, das soll sogeschehen. Aber ich kann doch nicht... hier... Wer wird mir glauben? Nie-mand. Und was wird Josef dazu sagen? Er wird mich aus dem Hause jagen.Was sollte er auch schon sonst tun?"
,, Gut," sagte der Engel ,,, ich werde mit dir gehen." Und der Engel nahm einender beiden Eimer und ging vor Maria her zurück ins Dorf.
Als Josef sah, daß Maria in Begleitung eines Burschen allein und ohne dieanderen Mädchen vom Brunnen zurückkam, war ihm das gar nicht recht under wollte Maria ermahnen, sich nicht begleiten zu lassen, vor allem dann nicht,wenn sie nicht noch andere Mädchen bei sich hätte.
Aber als der Jüngling ans Haus kam, blieben Josef seine Worte im Mundestecken. Von dem Jüngling ging ein Licht aus und Josef merkte, daß dies kei-ner von den üblichen Burschen seines Volkes sei.
Er verbeugte sich vor Gabriel und bat ihn, sein Gast im Hause zu sein. Erführte ihn hinein und sagte:„ Ich sehe, du kommst von sehr, sehr weither. Darfich dir dir Schuhe ausziehen?"-„ Nein," sagte der Erzengel ,,, ich merke, duhast mich erkannt. Ich werde nicht lange bleiben. Ich bin nur gekommen, dirdie Botschaft auszurichten: du mögest Maria wie eine Gattin zu dir nehmen.Sie hat von Gott einen Sohn empfangen durch die Kraft des Heiligen Geistesund du sollst dich um Mutter und Kind kümmern."
Josef schwieg eine Weile, dann sagte er:„ Es soll alles so geschehen, wie esder Herrgott will. Nun aber sag mir noch du, wer du selber bist, dessen Gesichtso hell erglänzt."
Der Jüngling antwortete:„ Ich bin der Erzengel Gabriel, der vor Gott steht."Und damit verschwand er.
39