C. MARIAE VERKÜNDIGUNG
Mit diesem Abschnitt treten wir in jenen Bereich ein, in dem es einen kano-nischen Text gibt, der über die wichtigen Ereignisse berichtet. Es überraschtnicht weiter, daß in der mündlichen Tradition schriftlich existierende undin kirchlichem Gebrauch befindliche Teile des Evangeliums breiter auser-zählt werden. Die Vorstellung kann sich an den konkreten Versen entzün-den und sie in ein praktisches Bild übertragen; das ist häufig nicht nur durchVolkserzähler, sondern auch durch Prediger geschehen.
Doch uns springt immer wieder in Landschaften, in denen das Lesen der Bi-bel nicht verbreitet war, ins Auge, wie wenig man gemeinhin von den kano-nischen Texten kennt oder wie sehr man sie miẞverstanden hat.Simon Fl. Marian, ein ausgezeichneter Kenner der Marienlegenden in derBukowina, hat uns einen Text aufgezeichnet, 25) der sehr aufschlußreich ist.Unter dem Titel ,, Maica Domnului în stare binecunvântată"( Die Mutter desHerrn in gesegnetem Zustand) finden wir eine Geschichte, deren Quelle unsnicht bekannt ist und zu der sich nur wenige Varianten nachweisen lassen.Diese führen uns in den griechischen26) und syrischen²) Raum, doch läßt sich
keine Filiationskette erschließen.
Der Kernpunkt des Motivs liegt darin, daß entweder der Engel seine froheBotschaft miẞverständlich ausrichtet oder daß Maria das Verkündete nichtzu begreifen vermag und in Verwirrung gerät, wie es ja auch Lukas 1,29-,, Bei diesen Worten erschrak sie und dachte nach, was dieser Gruß wohl be-deute" ― andeutet.
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Konnte Kosack zu koptischen Legenden von Mariae Verkündigung schrei-ben: ihre Verkündigung( durch Gabriel: biblische Zitate, gemischt mittheologischen Spitzfindigkeiten). so können wir beobachten, daß hieran die Stelle der„ theologischen Spitzfindigkeiten" volkstümliche Überle-gungen und Deutungsversuche treten. Auch kann die Reihenfolge der Er-eignisse ausgetauscht werden, was zu speziellen Problemen führt.Doch zunächst sei die Übersetzung des rumänischen Textes von Marian mit-geteilt.
( 7) ERZÄHLUNG AUS DEM RUMÄNISCHEN
Die Mutter des Herrn war während ihrer Kindheit und Jugend von ihren El-tern gut gehalten und behütet, sodaß ihr nicht einmal eine Fliege hätte etwaszuleide tun können. Aber trotz ihrer jungfräulichen Lebensweise, von der dieNachricht sich überall ausbreitete, geschah es später- als sie bereits erwach-sen war- doch, daß sie( ich weiß nicht wie) sich immer schwerer werden fühl-te, so daß sie nach einiger Zeit erkennen mußte, daß sie schwanger war.Und da sie von früher wußte und ihr bei anderen Mädchen bewußt gewordenwar, was es bedeute, wenn ein Mädchen ein Kind bekommt, hat sie den Mutverloren und ist dunklen Gedanken verfallen. Und in ihrer riesigen Entmuti-
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