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Heilige Ereignisse - heilige Zeiten : Weihnachtserzählungen aus der mündlichen Überlieferung
Entstehung
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B. MARIAE EINFÜHRUNG IN DEN TEMPEL

Im Bereich der lateinischen Kirche hat das Fest der Einführung Mariae inden Tempel nie jenen Rang eingenommen, den es im Kalender der östlichenRiten besitzt, wo es zu den zwölf Hochfesten gehört.

Sergius Heitz schreibt hierzu: 21)

,, Dieses Fest geht zurück auf die Kirchweihe einer Marienkirche zu Jerusa-lem, die Kaiser Justinian am 21. November 543 vollziehen ließ. Es schließtsich thematisch an das Fest vom 8. September an und weist wie dieses vorausauf das Geburtsfest Christi, von dem her es allein zu verstehen ist.Die Festlegende ist in ihrem Kern wieder dem Proto- Evangelium des Pseu-do- Jakobus entnommen, wo erzählt wird, Maria sei infolge eines Gelübdesihrer Mutter nach Vollendung ihres dritten Lebensjahres in den Tempel ge-bracht und dort bis zu ihrem zwölften Lebensjahr erzogen worden( Ps. Jak.7, 13). Schon die Tatsache, daß es im jüdischen Tempel keine Tempel-jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag jungfrauen gab, zeigt, daß das Fest nicht im Geschichtlich- Faktischen, son-dern im Symbolisch- Poetischen wurzelt und daß von unserer Menschenna-tur gesprochen wird, wenn von Maria die Rede ist. Es geht um die Heiligungder menschlichen Natur, die die Voraussetzung ihrer Annahme durch Gottist, auch wenn diese reines Geschenk bleibt. Die Stufen der Heiligung unse-rer Natur aber werden hier im Bilde verdeutlicht: Einführung in die SphäreGottes im Zustand kindlicher Empfänglichkeit, das Verweilen in dieserSphäre über Jahre bis zur Reife, der stufenweise Aufstieg zur Gotteser-kenntnis, genährt durch die himmlische Speise, der vertraute Umgang mitEngeln. Dies alles geschieht jedoch nicht aus der Willensanstrengung einesmännlichen Geistes, sondern in der Ergebenheit und Hilflosigkeit eines Kin-des, das geführt wird und sich führen läßt."

Es ist interessant, wie dominierend eine apokryphe Erzählung für den Fest-kalender vor allem der byzantinischen Kirche geworden ist. Um Mariae Ge-burt schließen sich höchst selten ausführlichere Legenden, sosehr auch dasGeheimnis ihrer Kindwerdung in der Mutter Anna umkreist wird. Im übri-gen scheint auch das Fest Mariae Geburt sich ursprünglich an den Tag einerKirchweihe angeschlossen zu haben, und zwar an das Datum, zu dem dieKirche zu St. Anna in Jerusalem geweiht worden ist. Sie wurde nach alterTradition dort errichtet, wo das Haus von Joachim und Anna gestanden ha-ben soll.

Was oben als Legendenkern von Heitz knapp zusammengefaßt worden ist,haben Volkserzählungen und Lieder in breiterem Maße versucht, die Kin-der- und Jugendjahre der Mutter Christi darzustellen. Aus der Reihe vonvolkstümlichen Fassungen dieses Sinnzusammenhangs wollen wir eine bje-lorussische Version herausgreifen, die alle wesentlichen Eigentümlichkeitenenthält, ohne textlich zu sehr auszuufern: ²²)

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