Perle, so erkennt ihr Inhaber schwere Krankheit oder Tod der Geliebten,für welche die Perle zeichenhaft ist. Daß noch heute Perlen mit Krankheitenin Zusammenhang gebracht werden- oder Trauer und Tränen-, ist allge-mein bekannt.
Zugleich tritt jedoch im Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient auch die Perle als Synonym für Maria auf,die Seele schlechthin, mit der die Erlösung verknüpft ist.
Im äthiopischen und koptischen Text fällt die Perle einfach auf die hl. Annaherab, in der portugiesischen Legende dagegen muß die Heilige die Perleschlucken, um sie in sich aufzunehmen.
Endlich fügt sich in den Erzählkreis um die Empfängnis der hl. Anna einearmenische Geschichte ein, 20) die wohl sehr stark von bildlichen Darstellun-gen der Begegnung zwischen Joachim und Anna abhängig sein mag.Der Text wurde zwar in Paris aufgenommen, doch stammt der Gewährs-mann aus einer der armenischen Siedlungen Rumäniens. So bleibt esschwierig festzustellen, ob man die Fassung richtig dem armenischen Legen-denschatz apokrypher Herkunft zuweisen darf.
( 4) ERZÄHLUNG AUS DEM ARMENISCHEN
Es ist uns bekannt, daß Joachim und Anna, die Vorfahren unseres Herrn Je-sus Christus, neun Jahre verheiratet gewesen sind, ohne Kinder zu haben, jadaß sie bereits die Hoffnung aufgegeben hatten, noch welche zu empfangen,denn sie waren beide nicht mehr ganz jung.
Sie haben jedoch fromm und schlicht gelebt, sich durch Güte und Mildtätig-keit ausgezeichnet, und während Joachim mit seinen Herden unterwegs gewe-sen ist, hat Anna das Haus betreut.
Es war um die Zeit eines hohen Festes, und die beiden wären gern nach Jeru-salem in den Tempel gegangen, um dort zu beten und sich zu erfreuen. Aberweil sie keine Kinder gehabt haben, konnten sie es nicht wagen, sich ohneSpott dort blicken zu lassen. So sind sie traurig weggeblieben: Joachim beiseinen Herden fern der Stadt, Anna eingesperrt in ihrem Haus.Doch in der Nacht ist beiden im Schlaf ein Engel erschienen; man weiß nicht,ob es ein und derselbe Engel gewesen ist oder zwei Engel. Also gut, ein Engelist erschienen und hat gesagt:„ ,, Du, Joachim, du, Anna, steh auf und gehzur frühen Morgenstunde, wenn die Sterne noch am Himmel stehn, zu jenemTor von Jerusalem, das an der Straße nach Bethlehem liegt! Dort wirst du dei-ne Frau-- deinen Mann- treffen, und dann werdet ihr ein Kind empfangen,denn es ist euch so bestimmt."
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Die beiden sind sogleich aufgestanden, haben sich angezogen, und dann sindsie kurz vor der Dämmerung losgegangen.
Alles ist so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war: beim Tor von Bethlehemhaben sie sich getroffen und ein Strahl wie von Licht ist auf ihr Gesicht gefal-len, und sie haben gemerkt, daß sie ein Kind haben werden.
Da haben sie sich sehr gefreut und sind heimgegangen, um auch ihren Nach-barn und Verwandten zu sagen, daß sie ein Kind erwarten.
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