DIE Wenn eine Frau schwanger war, wurde sie zuetwas" Heiligem". Man umsorgte sie und brachte
GEBURT ihr jegliche Aufmerksamkeit entgegen. Sie wurde
von schwereren Arbeiten befreit und folgte imEssen und Trinken all ihren Gelüsten. Jede nichtbefriedigte Lust würde- so sagte man- auf demKörper des Kindes, dort, wo die Mutter sichselbst unbewußt mit den Händen berührte, einMal hinterlassen, das in Form und Farbe der nichterlaubten Speise gleichen werde.
Der Schwangeren wurde überdies das Nähen undStricken verboten. Sie durfte weder Ketten tragennoch unter einer gespannten Schnur durch-schlüpfen, über einen Strick, Stacheldraht odereine Mauer springen und auch keinen Grabenüberqueren. Sie durfte weder zwischen zwei enggesetzten Pfählen oder Marmorplatten, noch unterdem Kopf eines Pferdes durchgehen. Beim Karten-spielen zuzuschauen oder den Blick auf Kindermit körperlichen Gebrechen zu richten, würdedem Neugeborenen Schaden zufügen.Sobald die Wehen einsetzten, wurden die Kinderaus dem Haus entfernt und Verwandten anver-traut. Sie sollten das Geheimnis der Geburt nichtentdecken. Der Vater eilte sofort, die Hebamme," la comare", zu rufen, die die Geburt überwachensollte. Er selbst bereitete in der Küche warmesWasser, Tücher und Wäsche vor.
Nach der Geburt blieb die Mutter mindestenseine Woche zurückgezogen in ihrem Zimmer undverließ danach vierzehn Tage lang nicht dasHaus(" la quarantia"). Während dieser Zeit durf-te sie lediglich Hühner- oder Rindsuppe zu sichnehmen. War die Frist abgelaufen, begab sie sichin die Kirche, um den Segen der Reinigung zu er-halten. Von diesem Augenblick an durfte sie sichwieder in der Öffentlichkeit zeigen und all ihrengewohnten Tätigkeiten im Haus, auf dem Feldund im Stall nachgehen.
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