Druckschrift 
Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
Entstehung
Seite
307
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8. Umsiedlungsgehöfte

Trotz der großen Anzahl der aus der Region zwischen Döllersheim und Allentsteigumzusiedelnden Bauern war der freie Gütermarkt anfangs erstaunlich aufnahmefä-hig, sodaß für die meisten Siedler nach intensiver Suche doch ein mehr oder wenigerpassender Hof zum Ankauf gefunden werden konnte. Trotzdem war den Verant-wortlichen von Anfang an klar, daß man nicht alle Bauern zufriedenstellend unter-bringen kann. Zu den Obliegenheiten der DAG gehörte nicht nur der Ankauf deralten Bauernwirtschaften auf dem Gebiet des zu errichtenden Truppenübungsplatzesund die Räumung der Dörfer, sondern auch die Unterstützung der Bauern bei derWiederansiedlung, die Beaufsichtigung des Erwerbs der Ersatzbetriebe bis hin zurErrichtung neuer Höfe. Wegen der kurzen Frist, in der dies alles geschehen sollte,stieß man dabei auf erhebliche Schwierigkeiten. Man appellierte daher immer wieder,mit Hinweis auf die gebotene Dringlichkeit, an die Unterstützung durch die Landes-hauptmannschaft und Reichsstatthalterei sowie an die Landesbauernschaft Donau-land und an die beteiligten Kreisbauernschaften.¹ Daß die DAG aber selbst mit Hilfeder genannten Stellen zu schwach sein werde, gewisse Maßnahmen, worunter man,, die Sicherstellung von Umsiedlungsgebiet verstand, zu setzen, war ebenso klar.Daher verfuhr man mit der im nationalsozialistischen Regime bewährten Methode,daß durch die Wehrmacht der nötige Nachdruck erfolgen" müsse.²

Man plante, für einen Teil der Siedler komplett neue Höfe zu errichten, sogenann-te Umsiedlungsgehöfte. Dafür mußten geeignete Grundstücke beschafft werden. DieDAG war vom Deutschen Reich- Reichsfiskus( Heer), gesetzlich vertreten durch dieWehrkreisverwaltung XVII in Wien, beauftragt und ermächtigt, Grundstücke fürdas Deutsche Reich zu erwerben und diesem lastenfreies Eigentum an diesen Grund-stücken zu verschaffen.³ Damit wurde die gesetzliche Handhabe geschaffen, soschnell auf den Großgrundbesitz zur Wiederansiedlung zu greifen, wie schnell nundie Ortschaften entsiedelt werden müssen.4 Naheliegend war es, sich zuerst in derWaldviertler Umgebung umzusehen, und da wies eine Karte über Großgrundbesitz,, fast nur jüdischen Grundbesitz an der tschechischen Grenze auf", der zur Wieder-ansiedlung zuerst einmal für unzulänglich befunden wurde.5 Weiters hatte man einAuge auf den Großgrundbesitz von sogenannten Systemfreunden, also Anhängernder ehemaligen Regierung Schuschnigg, geworfen.

1 Brief der Bezirkshauptmannschaft Zwettl an die Landeshauptmannschaft Niederdonau,12. Juli 1938, Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.

2 Ebd.

3 Vgl. Abschrift einer Untervollmacht betreffend Umsiedlungsverfahren Döllersheim,T.Z. 791/38, Berlin, 28. Juni 1938. Grundbuch des Bezirksgerichts Raabs/ Thaya.

4 Brief der Bezirkshauptmannschaft Zwettl an die Landeshauptmannschaft Niederdonau,

12. Juli 1938, Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.

5 Ebd.