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Wegmüssen
7.6. Aus der Sicht der Kinder und Soldaten
Wirkliche Freude an beziehungsweise Interesse für die plötzlich in so großer Zahlauftauchenden Soldaten werden wohl nur die Buben aus den zu entsiedelnden Dör-fern gehabt haben. Sie beobachteten mit Aufmerksamkeit und zum Teil Bewunde-rung das ungewohnte Geschehen um sie herum.
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„ Einmal bin ich für die Mutter mit dem Fahrradl etwas einkaufen gefahren nach Döllers-heim. Auf einmal kommen so zirka zwölf Mann Soldaten daher, stramm marschiert sindsie. Sie habengesagt ich hör es heute noch- Junge, wo ist das Grab von Hitler seinerGroßmutter. 32 Da bin ich den Kirchenberg hinaufmarschiert mit ihnen und hab ihnen dasgezeigt. Sie wollten ein Photo machen, und ich war nicht geschreckt, recht aufgeweckt, undich wollte halt drauf sein beim Photographieren. Na stell dich her, haben sie gesagt. Undsie haben sich aufgestellt, links und rechts vom Grab, ganz stramm, und mich haben siezwei Meter daneben gestellt. Es war klar, ich konnte da ja nicht drauf sein, aber ich habdamals halt geglaubt, ich bin auch drauf. Es war das erste Mal, das Photographieren. Sowas war ganz neu für uns."
Wie sich der Truppenübungsplatz Döllersheim und die entsiedelten Ortschaftenwährend des Krieges für einen jungen Soldaten der deutschen Wehrmacht darstell-ten, sei durch folgende Erzählung veranschaulicht.
,, Nach dem Frankreichfeldzug sind Teile meiner Division zuerst einmal nach Ried gekom-men. Von dort sind wir dann nach Döllersheim verlegt worden. Ich war dort bis Juni 1941,fast ein halbes Jahr, bis zum Abmarsch nach Rußland. Ich hatte aber das Glück, währenddieser Zeit einen dreimonatigen Studienurlaub zu bekommen. Die anderen saẞen da wirk-lich ein halbes Jahr in Schnee und Eis. Am 1. April, als ich kam, gab es noch eine MengeSchnee.
Es war strengstens verboten, die Häuser der entsiedelten Ortschaften zu betreten. Die wa-ren in ziemlich gutem Zustand. Bei Übungen sind wir durch die Ortschaften durch, unddas war ziemlich gespenstisch, diese verlassenen Dörfer, entvölkert. Wir waren unterge-bracht in Baracken für etwa 50 Mann. Zur Zeit, wo ich oben war, waren die Häuser allegut erhalten, versperrt, betreten verboten. Zum Teil wurden sie verwendet zur Lagerungvon den Zielscheiben und anderem Material, die ganzen Schneeräumgeräte usw.,das waralles da untergebracht. Die Ortstafeln standen alle noch. Es war gerade so, als ob man so-eben weg wäre.
Von der Bewirtschaftung der Felder hat man eigentlich nichts gesehen. Meines Wissenswurden nur die Flächen am Rand bewirtschaftet. In der Mitte des Platzes waren schon da-mals so steppenartige Zustände.
Der Tag im Lager begann mit Frühsport und dann Geschützexerzieren. Alles hat sich ab-gespielt, wie im tiefsten Frieden in einer Kaserne, mit Appell usw. Ich hatte gelegentlich
32 Anna Maria Hitler, geborene Schicklgruber, war 1847 auf dem Friedhof Döllersheim bei-gesetzt worden. 1938, als in der Region der Hitler- Vorfahren der Ahnenkult um den Führereinsetzte, war die exakte Grabstelle schon nicht mehr feststellbar. Man erzählt, daß der Pfarrerund der Oberlehrer von Döllersheim, um den ewigen Fragen nach der Hitler- Großmutter einEnde zu setzen, ein aufgelassenes Grab als das gesuchte bezeichneten. Man errichtete ein„ Eh-rengrab"( es ist bei Techow, a.a.O., S. 62, abgebildet) und setzte ein Kreuz samt Tafel. DiesesGrab, wie auch das Geburtshaus des Führers in Strones, war eine Zeitlang„ Wallfahrtsstätte".Vgl. dazu Vorwort von Heinrich Stangl im Nachdruck des Erinnerungsbuches„ Die alte Hei-mat", a.a.O.