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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
Entstehung
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Vom Leben auf dem Dorf

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waren scherenförmige Holzgestelle, durch die der Flachs unter ständigem Auf- undZuklappen gezogen werden mußte. Dafür hatte man einen eigenen Arbeitsrhythmus.Nach dem Brecheln wurde der Flachs über ein scharfkantiges, aufrecht stehendesHolzbrett geschwungen, um die letzten Stengelteile zu entfernen.

Nun waren endgültig nur noch die spinnfähigen Fasern übrig, die man je nachGüte noch sortierte. Dies geschah mittels dichtzahniger, rosettenförmig auf einemHolzbrett angebrachter Kämme. Zuerst wurde das grobe Werg ausgezogen, das,, rupfene", und dann mittels feinerer Hecheln das feinere Material. Nach diesem lan-gen Bearbeitungsvorgang war der Flachs zum Spinnen fertig.29

Das Spinnen selbst war eine Winterarbeit. Man machte sich reihum in die Häuserauf zur, Rockaroas".

,, Gesponnen hat man jeden Tag woanders. Am Nachmittag ist man fortgegangen mit demSpinnradl und dem Rocken. Den Flachs hat man von zu Hause mitgenommen. Ein Büschel,das man auf die Rockenstange gesteckt hat, hat man einen Rocken genannt, einen, Rockavoll. Und wenn es einmal gegen elfe gegangen ist, hat man aufgehört, oder auch schon etwasfrüher. Da hat einer eine Ziehharmonika mitgehabt, und da ist dann getanzt worden. Ichkann mich noch erinnern an solche Rockatanz, aber ich war damals noch ein Kind.Zu Beginn des Weltkrieges hat sich das alles so langsam aufgehört. Es hat sich nicht mehrrentiert. Die Burschen haben alle einrücken müssen, und die ein bißchen reicher waren,die haben dann alle schon gekaufte Bettgewänder gehabt. Aber früher wurde die Ausstat-tung für jede Braut zu Hause gefertigt. Den ganzen Winter ist gesponnen worden."

Auf einen seltenen und wenig bekannten Spinnbehelf im Waldviertel und auf des-sen Verbreitung in ganz Europa, hat Leopold Schmidt aufmerksam gemacht. 30 Essind dies kleine Gefäße aus Keramik oder Glas, sogenannte Lecktrögel", die amSpinngerät befestigt und mit klebrigen Aufgüssen aus Eibisch- oder Schwarzwurzeln,aus Grütze, Kleie oder Leinsamen, oder einfach mit Wasser gefüllt waren,die zumBefeuchten der Finger während des Spinnens dienten.

,, Gewebert" wurde ebenfalls im Winter. Diese Arbeit wurde hauptsächlich vonden Männern durchgeführt. Die Fertigkeit wurde nicht mehr von allen beherrscht,aber in den dreißiger Jahren standen doch noch in sehr vielen Häusern des Entsied-lungsgebietes Webstühle. Die Weberei wurde vielfach von Nebenerwerbsbauern be-trieben oder von Handwerkern wie Maurern etwa, die im Winter fast keine Arbeithatten. Aber viele Bauernsöhne waren mit der Weberei genauso vertraut. Im Gegen-satz zu anderen Gegenden waren im Entsiedlungsgebiet nicht die Störweber hei-misch, die von Hof zu Hof zogen, sondern die Häuser hatten ihre eigenen Webstüh-le, die den ganzen Winter über aufgestellt blieben. Auf die einzelnen Arbeitsgängeam Webstuhl, das Einrichten des Zeugs ,, und das eigentliche Weben beziehungs-

29 Die Arbeitsgänge der Flachsbereitung werden anschaulich beschrieben von AdolfSchlögl, Flachsanbau und Hausleinwanderzeugung im Waldviertel. In: Das Waldviertel, Folge4, 5, 6, 1971, S. 76- 79 oder Anton Schacherl, Der Flachsbau und die Flachsbearbeitung imsüdlichen Böhmerwald. In: Zeitschrift für Österreichische Volkskunde, XIX. Jg., Wien 1913,S. 105117.

30 Leopold Schmidt, Lecktrögel und Netznapf. Zu einem Spinnbedarf aus dem Waldviertel.In: Das Waldviertel. Folge 10, 11, 12, 1969, S. 215- 218.