Schwerpunkte volkskundlicher Forschungsgeschichte
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Sammlung an, ähnliches gilt für Josef Höbarth in Horn. Daß es dabei auch zu Fehl-entwicklungen kommen konnte, ist betrüblich, weil an sich wertvolle Sammeltätig-keit dadurch an Gewicht verlor. Die Rede ist dabei von Franz Kießling, der in Dro-sendorf um die Jahrhundertwende eine bedeutende Sammlung älteren Volkskultur-gutes angelegt hatte. Neben dinglichen Zeugnissen sammelte Kießling auch Sagenund gab 1924 bis 1930 das neunbändige Werk„ Frau Saga im niederösterreichischenWaldviertel" heraus, welches durch germanentümelnde Kommentare, die sich ausder Verbindung Kießlings mit dem deutsch- nationalen Schönerer- Kreis erklären, fürheutige Leser nur schwer erträglich ist. Insgesamt gipfelten die musealen Bemühun-gen in Niederösterreich 1911 in der Gründung eines zentralen niederösterreichischenLandesmuseums.
Aber auch am Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien hatte vom Be-ginn seiner Gründung 1896 weg die niederösterreichische Volkskunde eine sammle-rische und publizistische Heimstätte. Besonders aus den sonst weniger berücksich-tigten Landesteilen im Norden und Osten Niederösterreichs gingen von Anfang animmer wieder Objekte in die Sammlungen des Österreichischen Museums für Volks-kunde ein, und in der 1895 gegründeten Zeitschrift für Österreichische Volkskundeerschienen laufend auch niederösterreichische Beiträge. Die Aufmerksamkeit, dieder Waldviertler Volkskunde in den zwanziger Jahren durch den bereits genanntenVolkskunde- Band von Heinrich Rauscher der Waldviertel- Reihe, ergänzt durch eineDarstellung Waldviertler Sagen von Karl Süß, einem Aufsatz über die Volkskundeder Wachau von Zdenko Sponner und einem Archiv- Beitrag von Eugen Frischaufüber bürgerlichen Waldviertler Hausrat des 16. Jahrhunderts zuteil wurde, schlugsich in der Zeitschrift des Wiener Volkskundemuseums, abgesehen von wenigen Bei-trägen, wie etwa über volkstümliche Pflanzenbenennungen im Waldviertel von Edu-ard Weinkopf aus Dobersberg, 12 kaum nieder.
Ist auch die Zeitschrift für Volkskunde in den ersten drei Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts für volkskundliche Nachrichten aus dem Waldviertel nicht sehr ergie-big, so wird man doch fündig bei der Durchsicht der entsprechenden Jahrgänge desInventarbuches des Museums, das die Objekteingänge gewissenhaft verzeichnet. ImJahr 1939 erscheint plötzlich ein Konvolut von 90 aufeinanderfolgenden Inventar-nummern unter der Bezeichnung„ Aufsammlung von Gegenständen in der Gegendvon Döllersheim, Kühbach, Zwettl", also genau im Entsiedlungsgebiet und genauzu der Zeit, als die Entsiedlung stattfand. Die Objektsammlung besteht aus verschie-denen Gegenständen des bäuerlichen Hausrats wie Schüsseln, Teller, Töpfe, Krüge,aus Einrichtungsgegenständen wie Kästen, einem Tisch, zwei Tellerreme, aus Ge-genständen zur Flachsverarbeitung und Weberei wie einem Webstuhl, Spinnräder,Spinnrocken und Haspel, weiters aus landwirtschaftlichen Geräten wie einer Häck-selschneidemaschine, einem Doppeljoch, aus einigen Textilien und Blaudruckmo-deln sowie ein paar Hinterglasbildern; ein solider Querschnitt also durch das klassi-sche volkskundliche Sammelgut, der sich weniger durch besonders herausragendeStücke auszeichnet als durch die Umstände seiner Aufsammlung. Diese lassen sich
12 Eduard Weinkopf, Volkstümliche Pflanzenbenennung im Waldviertel. In: Wiener Zeit-schrift für Volkskunde, XXV. Jg. 1919, S. 40- 44.