Druckschrift 
Rassenfragen
Einzelbild herunterladen
 

Kr. 17

Urania

Seite 211

Nachkommen vererbt haben. Dies ist nur ein fall für zählen. Derartige Beispiele ließen sich auf der ganzenviele dieser Art.

In der Wissenschaft bestand früher die Ansicht,daß Rasse, Kultur und Sprache innig miteinanderzusammenhängen; in Laienpublikum besteht dieseAuffassung größtenteils noch. Die weiße Rasse hat gegen-wärtig wohl die höchste Stufe der Kultur unter allenRassen erreicht. Das beruht aber durchaus nicht auf demWesen dieser Menschheitsgruppe. Wissen wir doch, daßin China, also bei einer Cation der gelben Rasse, schonin vorchristlichen und besonders in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten verhältnismäßig zivilisierte Zuständeherrschten, als in Europa Angehörige der weißen Rassenoch in derselben Weise lebten, wie die heutigen Natur-völker Glossar ::: zum Glossareintrag völker. Dies gilt auch von den Germanen in der römi-schen Kaiserzeit. Jm allgemeinen läßt sich sagen: WelcherRasse immer ein Volk auch angehört, es hat für die be-

Erde massenhaft vorbringen. Kann doch behauptet werden,daß die Völker auf ihren Wanderungen oftmals in demfrisch eroberten Gebiete die Sprache des Urvolkes ange-nommen haben! Häufiger dürfte es wohl sein, daß derSieger dem Unterjochten seine Sprache aufgenötigt hat.Es besteht also wirklich kein enger Zusammenhangzwischen Rasse und Sprache, hingegen wohl zwischenKultur und Sprache; denn wir treffen im allgemeinendort höhere Kultur an, wodort höhere Kultur an, wo wir einer formenreicherenSprache begegnen. Besonders die Ausdrücke der abstraktenBegriffe, die bei Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven nahezu fehlen, sind ein Prüf-stein für eine fortgeschrittene Zivilisation.

Die Vorstellung, daß es edle und minderwertigereRassen gebe, kann auch vor der Wissenschaft nicht stand-halten. Wohl sind einzelne Menschheitsgruppen in ihrerKörperlichkeit vom Tiere entfernter, andere stehen ihm

Abbild. 3. Vertreter der südeuropäischen Rasse, aus Italien: brünett und mäßig langköpfig,aus Ripley, a. a. O.

treffende Nation eine Zeit gegeben, in der sie auf derStufe der sogenannten Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven stand. Innerhalb derselben Rasse gibt es auch sehr bedeutende Unterschiededer Zivilisation. In demselben Volke unterscheidet sich inder Hinsicht der bergbewohnende Hirte und der Bauer ganzbedeutend vom Städter. Die Ainos auf der Insel Sachalinund auf Resso( Japan), die höchstwahrscheinlich derselbenRasse wie die Europäer angehören, stehen kulturellbedeutend tiefer. Sind sie doch ein Volk von Fischernund Jägern! Der Ackerbau, der bei ihnen von denFrauen betrieben wird, ist kaum über seine Anfängehinausgekommen. Die Kleidung der Ainos ist zum größtenTeil eine Rindentracht. Wir sehen also, daß kein zwin-gender Zusammenhang zwischen Rasse und Kultur besteht.

Das Gleiche gilt für die Sprache. Die Bulgaren, dieUralaltaier sind, also von Haus aus der gelben Rasseangehören, und sich ehedem eines finnischen Idioms be:dient haben, müssen heute zu den Slawen gerechnet werden. Ihre Sprache gehört zur Gruppe des Süd-slawischen; die Slawen sind aber zur weißen Rasse zu

näher; diese Erscheinungen erlauben jedoch keine Rück-schlüsse auf die Geistigkeit. Niemand wird beispielsweisebehaupten wollen, daß die Neger Glossar ::: zum Glossareintrag  Neger, die die menschlichsten,nämlich am stärksten ausgebildeten Lippen haben, kulturellhöher stehen, als die Europäer. Rassenunterschiede lassensich am Gehirn im allgemeinen nicht konstatieren. Inder großen Mehrzahl der Fälle ist jedoch das Denkorgandes Mannes schwerer, als das der Frau. Das Wortedel" gebrauchen wir ganz unrichtigerweise dann, wennuns eine Rasse schöner erscheint, als eine andere. Dabeisollten wir aber nicht vergessen, daß der Schönheitsbegriffetwas ganz Relatives darstellt.

Weil augenblicklich die am weitesten fortgeschrittene Kul-tur bei der weißen Rasse anzutreffen ist, wird sie vielfach als dieedelste, geistig höchststehende gepriesen. Zur Widerlegungdieser Ansicht sei nochmals auf das bereits vorgebrachteBeispiel Chinas verwiesen. Es haben einfach nichtalle Rassen gleichzeitig ihre Blütezeit erlangt. Wovon imWesentlichen die Kulturhöhe eines einer bestimmten Rassezugehörigen Volkes abhängt, haben wir im Früheren