genzlosigkeit als vielmehr Gutmütigkeit der dortigen Leuteschließen läßt.
Die Unterwössener heißen allgemein die„ Blassen", weilsie, wie ich in einem früheren Artikel der Propyläen ausführte,einst einem Blaß, einem Pferd mit weißem Stirnfleck, besondereVerehrung gezollt haben sollen, die Marquartsteiner d' Säck,auch BettelfadeIn, wegen ihrer früheren Armut, und dieGrassauer Haberspib, weil der dortige Kooperator jährlichWenn maneine Habersammlung in der Pfarrei vornimmt.durch Gassau geht, mit eine Haberähre auf dem Hut, dann kannman sich auf Verschiedenes gefaßt machen. Als einmal dieWössener mit dem Kreuz nach Graffau tamen und die Grassauerauf genannte Weise herausforderten, rächten sich diese, indemsie blaue Farbe ins Weihwasser schütteten, so daß jeder Wößnermit einem Blaß auf der Stirne nach Hause kam. Von den Mar-quartsteinern geht auch noch das Sprüchlein:
Marqartsteiner Edel( Edelleute, weil hier früherdas Pflegegericht war).
Die meisten gehn an Bettl.( Als Leibeigene desSchlosses, im Gegensatz zu den freien Bauernder Umgebung.)
Wie gesagt, ist der Spruch heute nicht mehr zutreffend, da derreizende Ort sich zu einer aufblühenden Sommerfrische ent-wickelt hat.
Nicht zu vergessen ist das kleine Kruchenhausen zwischenOber- und Unterwössen. Hier soll einst eine Stadt gestanden sein,in Wirklichkeit war es die Niederlassung des Gesindes der Netten-burg, das sich natürlich im Gegensatz zu den Bauern etwasherrisch gab und infolgedessen bei diesen in üblem Geruche stand.Daher heute noch der Spott:
Kruchenhauser Stod-
Fünf Häuser und a( n) Bod.
Die Loitshauser singen voll des eigenen Kraftgefühls:Drei Radi, drei Ruabu,
Drei Loitshauser Buam,
De san da so raẞ,
Daß da Teifi net fraß.
Die Pießenhauser Unterdörfler sind die Ladka patscher",weil sie bei Hochwasser durch den von der Hochplatte kommendenGießbach regelmäßig in die Patsche gesetzt werden. Die Ober-dörfler bleiben zwar von diesem Malheur verschont, aber nicht vomSpott, denn sie führen den Namen Küchel ba cher", wasihnen insofern nicht zur Ehre gereicht, als damit ausgedrückt ist,daß ihre Nahrung Tag für Tag aus einer ganz gewöhnlichenArt von Kücheln besteht.
Die Pettendorfer, die scheinbar wenig Holz besitzen und dahermit den Knütteln, den zu Brennholz aufgearbeiteten Aesten, vor-lieb nehmen, müssen sich den Namen„ Knüttelhader" ge=fallen lassen. Gelinder kommen die Staudacher- die„ Nu B=ler", weil sie viel Walnußbäume besißen und mit deren Früchtenhandeln und die Feldwieser- die 3 wiefler", welche vor-wiegend Zwiebel bauen und verkaufen und endlich die Rottauer
die Bohn astang l", von der Vorliebe für Bohnenzuchtweg. Die lekteren neckt man mit Bezug auf ihre kleinen Kirchen-glocken auch durch das das Geläute nachahmende:
Gingl- Gangl,Bohnastangl.
Die Grassauer und Feldwieser haben einmal gestritten. DieGrassauer forderten die Feldwieser dadurch heraus, daß sie ihneneine Zwiebel hinwarfen, und die Feldwieser erwiderten esprompt mit dem Haber.
Die Feldwieser, dö 3wieffer,
Dö fennt ma( n) s glei a( n),Ham a Stanga auf'm Nudn
Und Zwieselreiser dra( n)( die sie zum Verkauftragen).
So werden die Feldwieser ausgesungen. Aber sie regen sichnicht sonderlich dabei auf, sondern zeigen, daß sie einen Wib ber-stehen und stolz auf ihre Eigenart sind, indem sie beim Schuh-platteln 3wiebeln an die Hosenbandeln binden, wie je auch dieUnterwöffener Rekruten bei der Musterung ihren Blaß, die Ober-wössener ihre Gams und die Reit im Winkler ihren Schellnunter imSchilde führen. Die Achentaler haben eben nicht nur Freude am
Necken, sondern können auch einen Spaß vertragen. Und ich hoffe,daß sie auch den Spaß, den sich die Leser der Propyläen vielleichtaus diesen Mitteilungen machen, nicht übelnehmen. Gereichtihnen doch ihre Art, sich zu geben, nach dem Sprichwort: Wassich liebt, das nedt sich" nur zur Ehre; und wenn der eine oderder andere Leser, durch diese Zeilen angeregt, nun das frohgemuteVölkchen im schönen Achental südlich des Chiemsees mit einemBesuch beehrt, so wird auch das sein Schaden nicht sein.L. Wagner.
Die Saalnige.
Am grünen Ufer der Saale saß eine liebreizende Niye, beschäftigt, mit ihrer Angel Fischlein zu fangen. Diese sah vonweitem ein Jäger und ward entzückt von der Schönheit des An-gesichts und dem Liebreize der Gestalt. Schnell eilte er hinunterin's Tal und gesellte sich zur anmutigen Fischerin. Er bewunderteihr Geschick, die Fischlein zu angein, und schmeichelte ihr mitschönen Worten. Das Mägdlein aber lächelte schallhaft und meinte,daß sie wohl noch bessere Angeln als diese verwahre: wer damitgefangen werde, der könne sich nimmer entledigen. Das verstandder Jäger gar wohl, denn er merkte bereits, daß er selbst mitseinem Herzen an dieser Zauberangel gefangen worden. Indessenschäßte er sich glücklich, die Liebe der holdseligen Wasserjungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Wasserjungfraugefunden zu haben und wollte ihr eben den ersten Kuß auf dieLippen drücken als in demselben Augenblick die Niye in denFluten der Saale verschwand. Da stand nun der arme Liebes-jäger und sah der Treulosen nach und erzählte den Erlen undSaalweiden sein Herzeleid. Und noch heute wandelt der Jägereinsam das Tal auf und ab und flagt in vernehmbaren Tönen seinSchicksal.
Das Stutzen zu Weisenheim( Rheinpfalz).
Ein erheiternder Rechtsbruch, der noch bis 1838 bestanden,ist das„ Stußen" zu Weisenheim am Berge. Diese Gemeinde warmitbeteiligt an der großen, vermutlich von König Dagobert her-rührenden Ganerbenwaldung. Wer dort erst geheiratet oder alsFremder sich einbürgern wollte, der konnte das Bürgerrecht nurdurch das Stußen erlangen. Früher geschah es alljährlich, späterhinward es verschoben, bis etwa 10-12 junge Bürger beisammenoder bis zu einem vortrefflichen Weinjahr. Das ging nun so:Auf Martini mittags um 1 Uhr erscheint auf dem Gemeindehausder mit seinen Abzeichen geschmückte Bürgermeister, von denVätern des Rates begleitet. Vor dem„ Stubstein" sind schon diejungen Stußkandidaten im Hochzeitsstaate versammelt. Ringsumdas neugierige Volf, darunter auch viele Fremde. Der Bürger-meister betritt gravitätisch den niederen Stein und tut einen be-lehrenden Spruch über die altherkömmliche Bedeutung des Stubens.Sodann ergreifen als„ Stußmänner" die vier ältesten Gemeinde-räte zuerst den ältesten der jungen Bürger, zwei an den Armen,zwei an den Füßen- der Bürgermeister hilft mit am Nacken--und stumpfen ihn dreimal und feierlich auf den Stein auf, undalso jeden nach der Reihe. Ist der Klang fest und weithin vernehmlich, je nachdem, so glaubt das Volk, wird dieser Bürger auchtüchtig. Also getan, und der Bürgermeister proklamiert sie alsvollberechtigte Bürger. Er sagt: Ihr habt nun volles Recht inWeisenheim am Berge in jeder Hinsicht! Nebst dem Bürgerrechthabt ihr auch besondere Rechte: ihr habt die freie Luft zu genießen,ihr habt den Fischfang auf der Reistadter Höh', den Krebsfangauf dem Kuhberg und die Jagd auf dem Lobenheimer See; zualledem noch so viel Malter Rauch bei dem Bäcker, als ihr nurwollt! Dafür aber muß jeder von euch innerhalb einer Stundeauf das Gemeindehaus bringen eine Stube( 12 Liter) gutenWeines, einen Laib Brot, so groß wie ein Pflugrad, einen Tellervoll Handkäs und einen Hut voll Nüsse!" Im Nu ist dies ge-schehen. Dort auf der Natsstube siben nun die weisen Väter desDorfes und pröbeln" den Wein; die besten Stuben behalten sienatürlich für sich, das übrige wird in einen Ständer geschüttet,und wer eben trinken kann, der kommt und schöpft sich darausmit einem Glase, irdenen Hafen oder anderem Gefäß, namentlichsind dabei die armen Witwen bedacht. Solange der Wein reicht,bleibt jung und alt fröhlich beisammen. Das erinnert lebhaft andie Familie„ Durstig" in Jeremias Gotthelfs prächtiger Ritter-geschichte„ Kurt von Koppigen". Dieser Aufwartung wegen warendie neueingestußten Bürger ein ganzes Jahr vom Gemeinde-frondienst befreit. Wer aber nicht gestußt, der war auch keinBürger, sondern nur Beisab.J. L.
Kath Waffenachs großer Tag.
Erzählung von Hanns Gisbert.
Kath Wassenach von der Casserger Kuppe ist unter denHändlern und Bauersenten, mit denen fie in fedenszeiten nach
der Stadt fuhr, um Hühner und Eier zu verkaufen, unter demNamen Lasserger Kath bekannt. Sie hat es nicht leicht gehabt,
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